“Man muss von Vollzeitjob leben können”

Markt / 17.02.2022 • 18:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
"Man muss von Vollzeitjob leben können"
VN/Stiplovsek

Arbeiterkammer fordert 1700 Euro Mindestlohn und höheres Arbeitslosengeld.

Feldkirch Die arbeitenden Menschen verdienen einen höheren Anteil am wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen. Davon sind Arbeiterkammer-Präsident Hubert Hämmerle und Direktor Rainer Keckeis überzeugt. Schließlich seien die Beschäftigten die Hauptakteure des wirtschaftlichen Erfolgs Vorarlbergs.

Wie deren soziale Situation aussieht, das hat die AK in ihrem aktuellen Standort-Rating erhoben. Darin weist die Interessenvertretung unter anderem darauf hin, dass die Verteilung von Lohneinkommen und unternehmerischen Gewinnen in Vorarlberg seit Jahren ungleicher sei als in anderen Bundesländern. „Gerade einmal 46 Cent pro erwirtschaftetem Euro fließen hier in die Lohneinkommen. Im Österreich-Schnitt sind es 48,5 Cent“, erklärt Präsident Hämmerle.

Mindestlohn notwendig

Löhne, so die Arbeiterkammer, sollten sich an der Benya-Formel und somit an der Inflation wie auch der Produktionserhöhung orientieren. Zudem brauche es einen gesetzlichen Mindestlohn von 1700 Euro netto. „Die österreichischen Schuldenberatungen haben errechnet, was das Leben kostet. Rechnet man nur Wohnen, Essen und Kleidung, sind es monatlich 1459 Euro. Dabei berücksichtigt sind weder die höheren Lebenserhaltungskosten in Vorarlberg noch Dinge wie Urlaub oder Auto. Man muss von Vollzeitarbeit leben können“, sagt Hämmerle.

Steigende Immobilienpreise

Denn die Mieten steigen, Wohnungseigentum sei kaum mehr leistbar. „Wir sind ein reiches Land, aber der Anteil der Profiteure ist gering“, betont Direktor Keckeis. So würden sich die Löhne und die Wohnungspreise enorm auseinanderentwickeln. „Die durchschnittlichen Haus- und Wohnungspreise sind mit 66 bzw. 55 Prozent in den letzten fünf Jahren in keinem anderen Bundesland so stark gestiegen wie bei uns“, fordert Keckeis einen stärkeren Fokus auf den gemeinnützigen Wohnbau. Im Vergleich seien die Bruttomedianeinkommen seit 2010 lediglich um 30 Prozent gestiegen.

Auch hinsichtlich Arbeitslosigkeit müsse gehandelt werden. So brauche es einen dritten Arbeitsmarkt für langzeitarbeitslose Menschen, die sonst keine Chance auf einen Wiedereinstieg haben, sowie die Erhöhung der Nettoersatzrate von 55 auf 70 Prozent. „Stellen Sie sich vor, Sie müssten von 55 Prozent Ihres Lohns leben. Bei den Lebenserhaltungskosten reicht das kaum zum Überleben“, sagt Hämmerle.

Kinderbetreuung ausbauen

Zudem fordert die AK den Ausbau der Kinderbetreuung. Denn nur 46,6 Prozent der betreuten Kinder in Vorarlberg seien in einer Einrichtung, die den Eltern eine Vollzeitbeschäftigung erlaube. Dadurch würden den Betrieben viele hochqualifizierte Frauen fehlen. VN-REH