Unternehmerinnen fordern: “Vorarlberg braucht flexiblere und flächendeckende Kinderbetreuung”

Markt / 07.03.2022 • 08:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Betreuungsquote bei Kleinkindern ist in Vorarlberg geringer als im Österreichschnitt. <span class="copyright">APA/Neubauer</span>
Die Betreuungsquote bei Kleinkindern ist in Vorarlberg geringer als im Österreichschnitt. APA/Neubauer

Mit Ausbau des Angebots und Rechtsanspruch gegen Fachkräftemangel und für Chancengerechtigkeit.

Schwarzach Die Kinderbetreuung in Vorarlberg ist ein viel diskutiertes Thema. Vor allem geht es um die Fragen, ob genügend Betreuungsplätze vorhanden sind und ob die Öffnungszeiten eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf erlauben. Kontrovers diskutiert wird in dem Zusammenhang auch, ob es einen Rechtsanspruch auf ganztägige Kinderbetreuung ab dem 1. Lebensjahr geben soll.

Ja, sagen Petra Kreuzer und Andrea Längle. Sie sehen das Thema als Unternehmerinnen sowie auch als Vertreterinnen der Wirtschaftskammer, Kreuzer ist Vorständin von F.M. Hämmerle und WKV-Vizepräsidentin. Längle Geschäftsführerin des Pulverbeschichtungsspezialisten Längle Group und bei Frau in der Wirtschaft.

Für Petra Kreuzer und Andrea Längle ist das bestehende Angebot unzureichend. <span class="copyright">VN/PAulitsch</span>
Für Petra Kreuzer und Andrea Längle ist das bestehende Angebot unzureichend. VN/PAulitsch

Betreuung und Bildung

„Das Thema Kinderbetreuung hat zwei wichtige Aspekte. Einerseits stärkt ein gutes Angebot den Standort und hat positive Auswirkungen auf den Fachkräftemangel. Frauen brauchen eine flexible und leistbare Kinderbetreuung. Nur so haben sie die Möglichkeiten zum Einstieg in den Arbeitsprozess“, sagt Kreuzer. Andererseits gehe es auch um Kinderbildung. „Wenn Kinder früh gefördert werden und ihre Talente gestärkt werden, gibt es auch echte Chancengerechtigkeit für alle.“

Das Argument, es gebe keine Nachfrage nach mehr ganztägigen Kinderbetreuungsplätzen, lässt Andrea Längle nicht gelten. „Wir müssen damit aufhören. Wenn man Angebote schafft, folgt die Nachfrage zu 100 Prozent. Das sieht man ja schon allein an den bestehenden Wartelisten.“

Positivbeispiel für die Unternehmerin sind dabei die Zwergengärten in Vorarlberg. Sie bieten Betreuung für Kleinkinder ab einem halben Jahr, sind Montag bis Freitag von 7 bis 18 Uhr geöffnet und haben jeweils nur zwei Wochen im Sommer und über Weihnachten geschlossen. „Das ist der Goldstatus. Denn es ermöglicht Frauen auch eine Vollzeitarbeit“, sagt Längle. Auch wenn man nicht auf ein familiäres Umfeld zurückgreifen könne.

Nicht Aufgabe der Firmen

Die Frauen in ihrem Unternehmen können die Kinderbetreuung im Interpark Focus nutzen. F.M. Hämmerle hat im Dornbirner Steinebach ein Gebäude zu einer Kleinkindbetreuungseinrichtung umgebaut. Der Zwergengarten ist voll, die Warteliste lang. „Wir haben es einfach gemacht und der Erfolg gibt uns recht“, sagt Petra Kreuzer. Nichtsdestotrotz dürfe das Thema nicht rein von unternehmerischer Initiative abhängen. Vielmehr müsse das Land in die Pflicht genommen werden. Das sei schließlich ein Bildungsauftrag.

Im Vergleich zu früher habe sich vieles geändert. Auch auf die neuen Lebensrealitäten müsse man Rücksicht nehmen. „Getrennte Eltern, kleinere Wohnverhältnisse, keine Großeltern, keine Kinder in der unmittelbaren Nachbarschaft. Soziale Interaktion braucht somit auch andere Plätze“, ist Längle überzeugt. Zudem dürfe man den Aspekt der Altersarmut in der Pension aufgrund von Teilzeitarbeit nicht außer Acht lassen. 

Kinderbetreuung in Zahlen

Die Kinderbetreuung in Vorarlberg lässt sich auch gut in Zahlen abbilden. Zwei Aspekte aus dem Report „Familien in Zahlen 2021“ vom Österreichischen Institut für Familienforschung an der Universität Wien: 2020/21 wurden in Vorarlberg 29,2 Prozent der 0- bis unter Dreijährigen in institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen betreut. 19 Prozent der Kinder in Krippen wurden ganztags betreut, österreichweit betrug der Anteil 59,1 Prozent, in Wien 88,9 Prozent.