Strabag: Haselsteiner kündigt Syndikatsvertrag mit Deripaska

Markt / 15.03.2022 • 11:34 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Strabag: Haselsteiner kündigt Syndikatsvertrag mit Deripaska
APA, Reuters

Die Familien-Privatstiftung rund um Ex-Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner steigt aus dem Syndikatsvertrag des Bauriesen aus.

Wien Die Kernaktionsstruktur verändert sich dadurch grundlegend. Haselsteiner habe seinen Vertrag mit der russischen Rasperia Trading, die dem Oligarchen Oleg Deripaska zuzuordnen ist, sowie mit der UNIQA- und der Raiffeisen-Gruppe gekündigt, “nachdem alle Bemühungen, den russischen Anteil an sich zu ziehen, gescheitert sind”, gab die Strabag bekannt.

Ukrainekrieg als Ursache

Hintergrund sind der Ukraine-Krieg und die westlichen Sanktionen gegen Russland. Die Strabag, die dort kaum noch Aktivitäten betreibt, zieht sich aus dem Land zurück und will keine Dividende an den russischen Kernaktionär Deripaska auszahlen.

Der nunmehr gekündigte Syndikatsvertrag war seit 2007 in Kraft und sah den Angaben zufolge neben der Nominierung von Aufsichtsratsmitgliedern auch die Koordination von Abstimmungsergebnissen auf der Hauptversammlung vor. Bis dato hatte die Strabag drei Kernaktionäre: Haselsteiners Privatstifung (mit einem zuletzt gemeldeten Konzernanteil von 28,3 Prozent), die russische MKAO “Rasperia Trading Limited” von Deripaska (27,8 Prozent) sowie die Versicherung UNIQA und den Finanzkonzern Raiffeisen mit gemeinsam 29,5 Prozent. Nur 14,4 Prozent sind im Streubesitz.

Syndikatsvertrag

Die Gesellschafter einer Firma können in einem Syndikatsvertrag ihr Abstimmungsverhalten vereinbaren. Häufig enthalten solche Verträge auch Regelungen zur Finanzierung oder zur Übertragung von Gesellschafterrechten. Sie haben bindenden Charakter, bei Verstößen können daher Schadensersatzansprüche erwachsen. Oft dienen sie auch als Versicherung nach außen, beispielsweise als Grundlage für Fremdfinanzierungen.

“Der Vorstand begrüßt den Schritt unserer Kernaktionärin, der Haselsteiner Familien-Privatstiftung, durch die Kündigung des Syndikatsvertrags klare Verhältnisse zu schaffen. Vonseiten des Managements sind wir bereit, alle rechtlich möglichen Maßnahmen zu ergreifen, um Schaden vom Unternehmen abzuwenden”, erklärte Strabag-Vorstandschef Thomas Birtel in einer Aussendung.

Strabag geht auf Distanz zu Deripaska

Dies beziehe sich “im Blick auf die aktuell von Großbritannien und Kanada erlassenen Sanktionen insbesondere auf die Auszahlung von Dividenden”. Was das Russland-Geschäft von Strabag betreffe – das inzwischen mit 0,3 Prozent der Konzernleistung eine untergeordnete Bedeutung habe – habe der Vorstand den Entschluss gefasst, “die Aktivitäten abzuwickeln”, also sich zurückzuziehen.

Die Strabag habe “in Anbetracht der unendlichen Not der vom Krieg betroffenen ukrainischen Bevölkerung umfangreiche Hilfsmaßnahmen, insbesondere in den hauptbetroffenen Konzernländern Polen, Tschechien, Slowakei und der Republik Moldau initiiert bzw. finanziert”. Diese Initiativen würden von Aktionariat, Vorstand und Mitarbeitenden “gemäß dem Wertekodex des Konzerns auch künftig mit Stolz fortgeführt”.

Zu dem Gerücht, dass das Syndikat der Kernaktionäre vor dem Ende stehe und spätestens im Sommer aufgelöst werden dürfte, wie etwa der “Börsianer” unter Berufung auf einen Fondsmanager vor Kurzem berichtet hatte, wollte die Strabag zuletzt Anfang März auf APA-Anfrage keine Stellung beziehen. “Bezüglich unserer Aktionärsstruktur bitten wie um Verständnis, dass der Vorstand zur Sphäre der Eigentümer und des damit zusammenhängenden Syndikatsvertrags keine Aussagen machen kann”, hieß es vor knapp zwei Wochen noch.

Positiv aufgenommen

Aus Sicht der Kleinaktionärsvertreter ist der Schritt durchaus zu begrüßen. “Der Syndikatsvertrag ist erst mal weg- ein ärgerliches Kapitel bekommt nun eine neue Dynamik. Das ist hoffentlich positiv für das Unternehmen”, sagte der Vorstand des Interessenverbands für Anleger (IVA) Florian Beckermann zur APA. “Es war eine Blockade, nun gibt es eine strategische Veränderung”, so der IVA-Chef. “Wir hoffen auf einen größeren Streubesitz.” An der Aktionärsstruktur der Strabag dürfte sich aber zunächst nichts verändert haben. Allerdings sei unklar, wie es um die Vorkaufsrechte innerhalb des Syndikats stehe. “Dazu wurde bisher noch nichts kommuniziert, die Verträge kennen nur die Kernaktionäre”, so Beckermann. Die Hoffnung der Anleger auf eine Expansion des Russland-Geschäfts sei jedenfalls schon seit längerer Zeit immer kleiner geworden. Nun dürfte sie endgültig begraben sein. APA

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