Konjunkturoptimismus an Europas Börsen

Schwindende Ängste vor einem Konjunkturabschwung locken die Anleger.
Frankfurt DAX und EuroStoxx50 stiegen am gestrigen Pfingstmontag um jeweils etwa ein Prozent auf 14.591 beziehungsweise 3883 Punkte. Börsianer waren mit der Nachlese der überraschend starken US-Jobdaten vom Freitag beschäftigt. Der robuste Arbeitsmarkt deute auf stabile Einkommen hin und dämpfe damit vorerst die Rezessionsängste, sagte Volkswirt Jonathan Millar von der Barclays Bank. Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade, warnte allerdings vor überzogenem Optimismus. Die aktuelle Erholung könnte sich als Strohfeuer entpuppen. Größere Klarheit über die weitere Entwicklung der Zinsen und damit der Börse verspreche er sich von den US-Inflationsdaten am Freitag. Experten erwarten für Mai eine unveränderte Teuerungsrate von 8,3 Prozent im Jahresvergleich.
EZB-Sitzung am Donnerstag
Mit Spannung warten Börsianer außerdem auf die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag. Sollte EZB-Chefin Christine Lagarde eine Zinserhöhung im Juli um einen halben Prozentpunkt nicht ausschließen, werde der Euro aufwerten, prognostizierte ein Börsianer. Zum Wochenauftakt verteuerte sich die Gemeinschaftswährung um 0,2 Prozent auf 1,0743 Dollar.
Am Rohstoffmarkt waren die Konjunkturoptimisten ebenfalls in der Überzahl. Sie setzten auf eine steigende Nachfrage beim Top-Abnehmer China. Die Normalisierung der dortigen Wirtschaft nach dem Ende der Corona-Lockdowns scheine gute Fortschritte zu machen, sagte Stephen Innes, Geschäftsführer beim Vermögensverwalter SPI. Dies verhalf Kupfer zu einem Kursplus von 2,4 Prozent auf 9727 Dollar (9065,24 Euro) je Tonne. Der Preis für Eisenerz stieg in China um bis zu 3,4 Prozent auf ein Zehn-Monats-Hoch von 1008,50 Yuan (152 Dollar).
Kursplus für Nordseeöl
Parallel dazu hob Saudi-Arabien den offiziellen Preis für seine Rohöl-Exporte an. Dies verhalf der Sorte Brent aus der Nordsee zu einem Kursplus von 0,4 Prozent auf 120,22 Dollar je Barrel (159 Liter). Die Preiserhöhung Saudi-Arabiens sei überfällig gewesen, sagte Analyst Vivek Dhar von der Commonwealth Bank of Australia. Allerdings spiegle sie den erwarteten Nachfrage-Anstieg und den Angebotsengpass durch das EU-Embargo russischer Importe nur unzureichend wider. Im Windschatten des Kursanstiegs bei Brent legte der Index für die europäische Öl- und Gasbranche 1,7 Prozent zu.
Gefragt waren auch die Aktien von Just Eat Takeaway, die in Amsterdam 5,6 Prozent zulegten. Einem Zeitungsbericht zufolge will ein Mitgründer des US-Essenslieferanten GrubHub die Firma eventuell von der „Lieferando“-Mutter zurückkaufen.
In London rückten die Titel von Melrose 4,3 Prozent vor. Der Automobil- und Flugzeugindustrie-Zulieferer verkauft Ergotron für
758 Millionen Euro.