Leitzins steigt auf 1,25 Prozent

Markt / 08.09.2022 • 19:12 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Rekordinflation im Euroraum treibt die Euro-Währungshüter zur größten Zinserhöhung der EZB-Geschichte. APA
Die Rekordinflation im Euroraum treibt die Euro-Währungshüter zur größten Zinserhöhung der EZB-Geschichte. APA

EZB mit historischer Zinserhöhung. Das bedeutet es für Sparer und Kreditnehmer.

Frankfurt, Schwarzach 0,5 Prozent waren mindestens erwartet worden, nun stemmt sich die Europäische Zentralbank (EZB) gar mit einer historischen Zinserhöhung gegen die Rekordinflation. Erstmals in der Geschichte der Notenbank beschloss der EZB-Rat eine Zinsanhebung um 0,75 Prozentpunkte. Damit steigt der Leitzins auf 1,25 Prozent.

Die nunmehrige Erhöhung, so EZB-Präsidentin Christine Lagarde, sei trotz Diskussionen und unterschiedlicher Ansichten einstimmig beschlossen worden. Außerdem stellt die EZB weitere Zinserhöhungen in den nächsten Monaten in Aussicht.

Lange gewartet

Die EZB hatte die hohe Inflation lange als vorübergehend interpretiert und hat deutlich später als viele andere Zentralbanken die Zinswende eingeleitet. Die US-Notenbank Fed beispielsweise hat ihre Leitzinsen bereits mehrfach nach oben geschraubt, dabei zweimal um jeweils 0,75 Prozentpunkte.

Die Auswirkungen

Was bedeutet dieser Schritt nun für die heimischen Sparer und Kreditnehmer? „Wie immer ist eine Zinserhöhung für die einen eine gute, für die anderen eine weniger gute Nachricht: Sparer freuen sich über die verbesserte Verzinsung ihres Vermögens. Bei Krediten wiederum gilt es zu unterscheiden, ob das Darlehen auf fixer oder variabler Basis verzinst ist“, sagt Manfred Miglar, Vorstandsvorsitzender-Stellvertreter der Raiffeisen Landesbank Vorarlberg, der gestern auch bei Vorarlberg LIVE zur Thematik Stellung nahm.

Für Kreditnehmer mit Fixzinskrediten ändere sich bis zum Ende der Fixzinsvereinbarung durch den Entscheid der EZB nichts. „Sie haben sich die bisherigen extrem niedrigen Zinsen gesichert“, so Miglar. Variabel verzinste Kredite würden sich indes in regelmäßigen Abständen dem allgemeinen Zinsniveau anpassen, sodass solche Leitzinserhöhungen auch zu höheren Kreditraten führen. „Hier wird es bei allen Banken Anpassungen geben.“ Allerdings betont der Bankenvorstand auch, dass die Zinsen für Kreditnehmer trotz des EZB-Entscheids im Vergleich zu früheren Zeiten nach wie vor niedrig seien, sodass Kredite noch immer recht günstig seien. „Zum Vergleich: Unsere Eltern reden noch von elf Prozent Zinsen, die sie damals zu bedienen hatten. Man darf also nicht in Panik verfallen.“

Was bedeutet der Zinsschritt für Betriebe? Das sei schwer zu sagen, es gebe hierzu sogar bei der EZB unterschiedliche Meinungen, so Miglar. Die Frage sei nun, wie investitionsfreudig die Unternehmen bleiben.“

Langfristig leistbar

Auch für Martin Jäger, Sprecher der Vorarlberger Sparkassen, war die erneute Anhebung der Leitzinsen absehbar, das Ausmaß sei jedoch groß. „Die Europäische Zentralbank kommt damit ihrem Auftrag nach, entschieden gegen die Inflation vorzugehen, die in manchen EU-Staaten ja bereits über 20 Prozent liegt. Was für Sparer ein positives Signal ist, bedeutet gleichzeitig eine höhere Zinslast für Kreditnehmer. Sparkassenkunden können wir insofern beruhigen, als wir vor Kreditvergabe in den Haushaltsrechnungen einen möglichen Zinsanstieg mitberücksichtigt und grundsätzlich nur langfristig für sie leistbare Kredite vergeben haben.“ VN-reh