Deshalb kommt Vorarlbergs Haushaltsbiomüll bald nach Deutschland

Markt / 08.11.2022 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gesammelt wird der Biomüll weiterhin von Vorarlberger Betrieben, verwertet bald nicht mehr. <span class="copyright">vn</span>
Gesammelt wird der Biomüll weiterhin von Vorarlberger Betrieben, verwertet bald nicht mehr. vn

Amtzeller Firma gewinnt Ausschreibung des Gemeindeverbandes.

Lustenau Der in Vorarlberg anfallende Biomüll aller Haushalte wird ab 2024 nicht mehr in der Biogasanlage der Entsorgungs- und Recyclingfirmengruppe Loacker in Lustenau verwertet.

Denn eine notwendig gewordene neue Ausschreibung des Vorarlberger Gemeindeverbandes für die Biomüllverwertung hat nun die AWB Amtzeller Werk für Biogas GmbH in Amtzell im Großraum Ravensburg gewonnen. Das wird auf Anfrage beim Vorarlberger Gemeindeverband bestätigt. An AWB ist unter anderem der Lindauer Entsorger Stark beteiligt.

Der Biomüll der Haushalte kommt künftig nach Deutschland. <span class="copyright">vn</span>
Der Biomüll der Haushalte kommt künftig nach Deutschland. vn

“Massivste Preisunterschiede”

Pro Jahr fallen in Vorarlberg rund 18.000 Tonnen Haushaltsbiomüll an. Bislang hatte die Firmengruppe Loacker den Auftrag zur Verwertung des Biomülls der Haushalte, was bis dato in der Biogasanlage in Lustenau (ehemals Häusle) durchgeführt wird. Loacker konnte die neue Ausschreibung allerdings nicht mehr für sich entscheiden. Herbert Koschier, der Leiter der Abteilung Abfallwirtschaft und Umwelt beim Gemeindeverband, erklärt, dass der Preisunterschied zwischen den beiden Angeboten “massivst” gewesen sei und sich deutlich im zweistelligen Prozentbereich bewegt habe. “Es ist uns gar nichts anderes übriggeblieben, als den Auftrag an den Bestbieter AWB zu vergeben”. 

Herbert Koschier,  Leiter der Abteilung Abfallwirtschaft und Umwelt beim Gemeindeverband. <span class="copyright">vn</span>
Herbert Koschier, Leiter der Abteilung Abfallwirtschaft und Umwelt beim Gemeindeverband. vn

Man sei sich beim Gemeindeverband der Tatsache bewusst, dass dadurch in Lustenau keine Erzeugung von regionalem Biogas mehr mit Vorarlberger Haushaltsbiomüll erfolgen werde. Das sei nicht gerade ideal. Dazu kommt, dass der gesammelte Biomüll zukünftig bis nach Amtzell transportiert werden muss.

Dass sich durch die neue Lösung eine Verkehrsmehrbelastung ergibt, glaubt Koschier indes nicht. Denn in den nächsten Wochen soll auch der Betrieb einer neuen Umladestation für den gesammelten Biomüll ausgeschrieben werden. Sie soll verkehrstechnisch deutlich günstiger liegen als Lustenau-Königswiesen. “Das wird eine der zentralen Anforderungen in der Ausschreibung.” Denn bislang mussten alle Biomüllsammelfahrzeuge aus Vorarlberg nach Lustenau fahren.

Der Biogasanlage in Lustenau fehlen dann Tonnen an Material. <span class="copyright">vn</span><p class="caption">
Der Biogasanlage in Lustenau fehlen dann Tonnen an Material. vn

Große Mengen fehlen

Dass der Vorarlberger Haushaltsbiomüll ab 2024 nach Amtzell geht, hat jedenfalls unmittelbare Auswirkungen auf die Biogasanlage von Loacker in Lustenau. Denn dort werden pro Jahr mehrere Zehntausend Tonnen an Biomüll in Biogas umgewandelt. Der Haushaltsbiomüll aus Vorarlberg mache rund zwei Drittel dieser Menge aus. Loacker verwendet das Biogas für eine eigene Tankstelle und speist über ein Kraftwerk dort erzeugte Wärmeenergie in das Harder Nahwärmenetz ein.

Gleichzeitig wird das Biogas von Loacker auch in das Erdgasnetz von illwerke vkw eingespeist. Loacker in Lustenau und 11er-Nahrungsmittel in Frastanz sind die einzigen Biogasproduzenten in Vorarlberg, die das Biogas in der dafür notwendigen Qualität erzeugen.

Kurt Fischer, Bürgermeister von Lustenau. <span class="copyright">vn</span>
Kurt Fischer, Bürgermeister von Lustenau. vn

Für den Lustenauer Bürgermeister Kurt Fischer, Mitglied im erweiterten Präsidium des Gemeindeverbandes, steht fest: Der Gemeindeverband müsse sich an das Vergaberecht halten und könne derartige Preisunterschiede bei Angeboten nicht ignorieren.

Sammlung versus Verwertung

Die neu vergebene Verwertung des Biomülls ist nicht zu verwechseln mit der Sammlung des Haushaltsbiomülls. Denn die Sammlung in allen 96 Gemeinden wurde vor Jahren im Rahmen einer gesonderten Ausschreibung an eine Bietergemeinschaft der Entsorgungsbetriebe Loacker Recycling, Branner, Ennemoser und Burtscher vergeben. Nur wird der gesammelte Biomüll ab 2024 dann nicht mehr zu Loacker nach Lustenau transportiert, sondern zur vorgesehenen Umladestation, wo auch immer diese dann sein wird.

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