Bertsch Energy meldet Insolvenz an

Markt / 30.11.2022 • 22:18 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Biomassekraftwerke (Bild: Rumänien) aus Bludenz arbeiten friktionsfrei. FA/Alexandru
Die Biomassekraftwerke (Bild: Rumänien) aus Bludenz arbeiten friktionsfrei. FA/Alexandru

156 Mitarbeiter betroffen. Gespräche mit deutschem Investor gescheitert. Fortführung angestrebt.

Bludenz Für den Bludenzer Kraftwerksbauer Bertsch Energy ist die Energiewende eigentlich eine gute Zeit. Die Auftragsbücher sind voll, Anfragen für neue Kraftwerke treffen fast täglich ein, die Kraftwerke sind gefragt. Und doch musste sich das Unternehmen nun zu einer drastischen Maßnahme durchringen.

Das Unternehmen ist gezwungen, in den nächsten Tagen Insolvenz anzumelden, wie der Geschäftsführer der Holding, Hubert Bertsch, und der Geschäftsführer von Bertsch Energy, Thomas Smetana, im Gespräch mit den VN informieren. Betroffen sind 156 Mitarbeiter, die alle in Bludenz beschäftigt sind. Die weiteren Unternehmen der Gruppe Bertsch Foodtec und Bertsch-Laska sind nicht betroffen.

Auftragsverzögerungen

Die finanzielle Schieflage hat mehrere Ursachen, so Smetana, der seit 2020 das Unternehmen führt und damals bereits gemeinsam mit den finanzierenden Banken den Restrukturierungsprozess eingeleitet hat. Die Bertsch Energy geriet in der Corona-Pandemie in Schwierigkeiten. „Aufträge verzögerten sich oder fielen komplett aus. Dadurch fehlten unserem Unternehmen die Anzahlungen der Kunden, die die Basis bei der Finanzierung im Anlagebau sind“, schildert Smetana die Lage. Zudem sei die erschwerte Abwicklung von vier Großprojekten im Ausland dazugekommen. Obendrauf sei Bertsch nun auch von Teuerungen und Lieferschwierigkeiten betroffen.

Ziel Fortbestand

Die über 150 Mitarbeiter, „allesamt höchst qualifizierte Fachleute“, so Bertsch, wurden am Mittwoch über den geplanten Insolvenzantrag informiert. Sie werden beim AMS zur Kündigung angemeldet, die Arbeiterkammer ist informiert. „Das müssen wir machen“, erklärt Firmenchef Bertsch und bekräftigt, dass derzeit alles getan wird, um eine Lösung für den Fortbestand des Unternehmens, verbunden mit der Erhaltung der Arbeitsplätze, allenfalls im Rahmen eines insolvenzrechtlichen Sanierungsverfahrens oder durch eine Auffanggesellschaft zu finden. „Da müssen die Kunden und die Banken mit im Boot sein“, so Firmenchef Bertsch. Derzeit werden intensive Gespräche geführt.

Notwendig wurde der Schritt, weil die weit fortgeschrittenen Gespräche mit einem süddeutschen Investor als strategischem Partner (einem Unternehmen, das u. a. auch in der Energiebranche tätig ist) in letzter Minute gescheitert sind. „Obwohl bereits ein grundsätzliches Kommit mit den Banken vorlag, ist der Einstieg völlig überraschend an einer Uneinigkeit über die Risikoverteilung zwischen Banken und Investor gescheitert“, erklärt Geschäftsführer Smetana. Damit sei die positive Fortbestehensprognose weggefallen und der Gang zum Insolvenzgericht zwingend.

Turnaround 2022 geschafft

Sanierungsmanager Smetana hat in den vergangenen zwei Jahren – unterstützt von Beratern – das Unternehmen geführt und auch Erfolge erzielt. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen sei es gelungen, Altprojekte abzuschließen und neue Aufträge mit Hilfe der Muttergesellschaft zu akquirieren, man habe die Effizienz gesteigert und das Controlling verstärkt, auch die Produktionsstätte in Nüziders wurde geschlossen und verkauft.

Ergebnis: Die Verbindlichkeiten und Risiken bei den Banken seien deutlich vermindert worden. Der Turn­around im operativen Geschäft sei geschafft, 2022 wird ein Betriebsergebnis von rund 12 Millionen Euro erwartet. Auch die Planung für das nächste Jahr weise ein deutliches positives Betriebsergebnis auf, geben Bertsch und Smetana der Hoffnung Ausdruck, dass die Sanierung gelingen werde. Das Ausfallsrisiko sei dadurch drastisch reduziert worden. „Das ist ein Befreiungsschlag“, so Hubert Bertsch, denn die Zukunft sei vielversprechend, weil man mit den in Bludenz entwickelten Kraftwerken die richtige Lösung für viele Firmen anbieten könne: „Wir sind vollbeschäftigt, und jetzt stehen viele Auftragsvergaben an.“ VN-sca

„Der Einstieg eines Investors ist an einer Uneinigkeit über die Risikoverteilung gescheitert.“

Hightech für die Energiewende: Steuerungszentrale eines Bertsch-Energy-Kraftwerks. FA
Hightech für die Energiewende: Steuerungszentrale eines Bertsch-Energy-Kraftwerks. FA
Bertsch-Kraftwerke sind in vielen Ländern in Betrieb. Die Saica-Gruppe betreibt inzwischen mehrere Anlagen von Bertsch Energy. FA
Bertsch-Kraftwerke sind in vielen Ländern in Betrieb. Die Saica-Gruppe betreibt inzwischen mehrere Anlagen von Bertsch Energy. FA
Hubert Bertsch: Sehr gute Perspektiven.  VN/DS
Hubert Bertsch: Sehr gute Perspektiven.  VN/DS

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