Absturz wegen Skibrillenband

Markt / 12.12.2022 • 22:14 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Lustenauer Unternehmen ist Markt- und Innovationsführer bei der Herstellung elastischer Bänder.FA
Das Lustenauer Unternehmen ist Markt- und Innovationsführer bei der Herstellung elastischer Bänder.FA

Schadhaftes Material für Skibrillenbänder: Alge Innotex muss Insolvenz anmelden.

Lustenau Die Firma Alge Innotex ist innovativer Marktführer in der Herstellung von elastischen Bändern für Ski-, Motorrad- und Arbeitsschutzbrillen. Durch modernste Jaquardtechniken mit 768 Platinen können spezielle Dessins von der Lustenauer Firma mit bis zu sechs Farben verwirklicht werden. In den vergangenen Jahren schätzten diese Flexibilität, gepaart mit Zuverlässigkeit, immer mehr Kunden aus der internationalen Markenindustrie.

Schadhafte Bänder

Doch damit ist vorerst Schluss: Denn das Lustenauer Unternehmen sieht sich einer Lawine von Schadenersatzforderungen gegenüber. Schuld daran sind die Silikonhaftstreifen, die von einem großen deutschen Konzern zugekauft werden. Das Silikon wird nämlich nach einigen Monaten wieder weich: Die Bänder sind kaputt, das Silikon sorgt für verklebte Helme und Haare. Die Besitzer der teuren Skibrillen pochen zu Recht auf Schadenersatz. „Aus eigener Kraft haben wir bisher 450.000 Euro ausbezahlt“, erklärt Prokuristin Nicola Alge. Doch damit ist es nicht getan. Der Geschäftsführer von Alge Innotex, Daniel Hiller, rechnet mit gut 3,5 Millionen Euro, die an Schadenersatz zu leisten sind. Zu viel für das gut gehende Unternehmen, das einen Jahresumsatz von 2,5 Millionen Euro erwirtschaftet hat.

Die Konsequenz: Alge Innotex muss Insolvenz anmelden, betroffen davon sind 21 Mitarbeiter, die eigentlich „ein Superjahr“ hinter sich haben und volle Auftragsbücher vor sich. Der KSV1870 hat mit der Überprüfung der Angemessenheit und Erfüllbarkeit dieses Sanierungsplans ohne Eigenverwaltung begonnen.

Hohes Prozessrisiko

Die Geschäftsführung hofft auf eine Sanierung ohne Eigenverantwortung. Eine der wichtigsten Aufgaben des künftigen Masseverwalters: Er muss beurteilen, ob eine Klage gegen den Lieferanten Aussicht auf Erfolg hat, denn bislang weigert sich der deutsche Konzern, die Konsequenzen des vermaledeiten Silikonhaftstreifens zu tragen. Hiller und Alge wollen das Risiko eines Prozesses gegen ein ungleich größeres Unternehmen nicht eingehen, denn die Kosten dafür seien nicht abzuschätzen.

Ziel sei es weiterzumachen, denn inzwischen hat Alge auch einen Lieferanten gefunden, der die Silikonstreifen ohne Auflösungserscheinung produzieren kann. Wie es zu dem Silikon-GAU gekommen ist, ist bisher nicht eruierbar. „Das lässt sich weltweit nicht erklären“, so Geschäftsführer Daniel Hiller, der um 14 Uhr die 21 Mitarbeiter über diesen schweren Schritt bei einer Betriebsversammlung informiert hat. VN-sca

Daniel Hiller, GF der Alge Innotex, hat die Notbremse gezogen. FA
Daniel Hiller, GF der Alge Innotex, hat die Notbremse gezogen. FA

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