Wie Lustenauer Spitze im weltberühmten Varieté in Paris begeistert

Markt / 03.03.2023 • 20:20 Uhr
Das Crazy Horse in Paris ist eines der berühmtesten Varietés weltweit und lockt Jahr für Jahr ein internationales Publikum an. <span class="copyright">AFP</span>
Das Crazy Horse in Paris ist eines der berühmtesten Varietés weltweit und lockt Jahr für Jahr ein internationales Publikum an. AFP

Französische Luxuslingeriemarke vertraut bei Stickerei auf Vorarlberger Tophersteller.

Lustenau, Paris Modeschöpfer, Trendscouts und Influenzerinnen sind sich einig: Spitze ist wieder Spitze und zwar in vielen Bereichen der Mode und der Fashionindustrie und wird auch in allen Bereichen der Mode eingesetzt. Ganz weg war die Spitze freilich nie: Die großen Häuser der Haute Couture haben auf dieses so wertvolle wie luxoriöse Material nie verzichten wollen, im Lingerie-Bereich spielt Spitze, international unter den Begriffen Embroderies bzw. Lace ein Begriff, sowieso immer eine Hauptr

Spitze für Lustenauer Stickerei

Spitze für die Spitze aus Vorarlberg, ganz konkret aus Lustenau. Die Lustenauer Stickerei ist in Paris und Mailand ein Begriff. Und in vielen Häusern wird Spitze aus dem Unternehmen Hämmerle & Vogel regelmäßig verarbeitet und sorgt für die “Oohs” und “Aahs” bei den Präsentationen. Das tun die Stickereien auch in einem der berühmtesten Varietes der Welt, dem Crazy Horse in Paris. Das Kabarett (im deutschen Sprachraum als Variete bezeichnet) ist bekannt für seine Tänzerinnen, die in durchaus gewagten Kostümen für Pariser Flair sorgen und deshalb vor allem internationales Publikum anlocken. Das Unternehmen gibt im Rahmen seiner Markenpflege auch einen begehrten Kalender heraus, für den die besten und bekanntesten Lingerie-Häuser die Tänzerinnen mit exklusiven Kostümen – die in diesem Fall sehr freizügig sind – ausstatten. Der Kalender hat ähnlichen Kultstatus wie der berühmte Pirelli-Kalender, der nur an einen ausgesuchten Personenkreis vergeben wird.

Für die anspruchsvolle Lingerie für die Kollektion LIVYxCrazy Horse entwickelte Hämmerle &amp; Vogel die Stickerei. <span class="copyright">FA/Morel</span>
Für die anspruchsvolle Lingerie für die Kollektion LIVYxCrazy Horse entwickelte Hämmerle & Vogel die Stickerei. FA/Morel

Aktuell hat das das angesagte französische Underwear-Label Livy die Modelle gestaltet. Hämmerle & Vogel hat eigens für die Kollektion eine Spezial-Serie entwickelt. “Das ganze Hämmerle & Vogel-Team ist sehr stolz dass wir für das Projekt ausgewählt wurden”, sagt Firmenchef Markus Hämmerle im Gespräch mit den VN, “die Kreativität und Stickerei in einem differenzierten Kontext zu entwickeln sehen wir als unsere Leidenschaft.” Die LIVYxCrazy Horse-Kollektion umfasst zwanzig Teile, die weltweit verkauft werden und die im Online-Shop des Labes zwischen 140 und 755 Dollar kosten.

Markus Hämmerle, Geschäftsführer von Hämmerle &amp; Vogel. Das Unternehmen erregt mit technischen Innovationen (z. B. gestickten Briefmarken) immer wieder Aufsehen und ist seit Jahrzehnten am Hotspot Paris ein gefragter Spezialist. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Markus Hämmerle, Geschäftsführer von Hämmerle & Vogel. Das Unternehmen erregt mit technischen Innovationen (z. B. gestickten Briefmarken) immer wieder Aufsehen und ist seit Jahrzehnten am Hotspot Paris ein gefragter Spezialist. VN/Steurer

Hämmerle & Vogel

1958 hatte Heinz Hämmerle den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Mit klaren Vorstellungen und einem Gespür dafür, was Mode ist. Hämmerle, der schon zuvor in der Branche tätig war, nahm die wegen des Krieges eingemottete Stickmaschine der Familie wieder in Betrieb. Um die fei- nen „Embroideries“ an den

Modeschöpfer zu bringen, musste der spätere langjährige Präsident des Vorarlberger

Stickereiverbandes bei der Handelskammer in Feldkirch erst um eine Exporterlaubnis ansuchen.

Heute ist die ganze Welt der Markt des Herstellers. In Vorarlberg, so Geschäftsführer Markus Hämmerle, sind Design, Entwicklung und Verwaltung des Unternehmens konzentriert. Rund 40 Personen arbeiten in bei Hämmerle & Vogel, damit sei man einer der größten Sticker im Land, so Markus Hämmerle, der bereits seit fast 40 Jahren im Familienunternehmen tätig ist. Für die Gestaltung der Kollektionen zeichnet Iris Hämmerle verantwortlich, rund 200 Designs verlassen jährlich die Designabteilung des Herstellers, der in der Modeszene unter dem Kürzel „H and V“ bekannt ist („wegen der einfacheren Aussprache“).

Crazy Horse

Am 19. Mai 1951 gründete Alain Bernardin im Souterrain der Avenue George V das heute legendäre Crazy Horse. Bernardin war fasziniert von Striptease «à l’américaine». Schon damals sorgten Artisten und Comedians für Kurzweil zwischen den Auftritten der makellosen Damen.

Regelmäßig stehen Gaststars wie Dita von Teese, Carmen Electra oder Pamela Anderson auf der Bühne, auf der Charles Aznavour einst seine ersten Bühnenerfahrungen als Chansonnier und Conférencier sammelte.

Livy

Die Branchenwebside Fashion Network über die Lingerie-Marke Livy, welche für die Kollektion mit Hämmerle & Vogel zusammenarbeitete. Lingerie im Bereich des zugänglichen Luxus zu etablieren – das ist das Ziel von Lisa Chavy mit ihrer Marke Livy.

Livy ist nicht nur in Frankreich aktiv, sondern auch in den Vereinigten Staaten, wo die Marke vom Chef des Lingerie-Labels Victoria’s Secret entdeckt wurde. Auch in Europa entwickelt sich die Marke kontinuierlich weiter und wird in Kaufhäusern präsentiert, wie im Le Bon Marché, wo Livy eine Sonderausstellung zum 170-jährigen Bestehen des Gebäudes zeigt. Der Erfolg der Marke ist nicht zuletzt dem starken Charakter ihrer Gründerin zu verdanken, die ihre Karriere mit der Kreation und dem Design von Dessous begann.

Nachdem sie bei der Sociète International de Lingerie (SIL) an den Dessous-Linien von Luxushäusern gearbeitet hatte, wechselte Lisa Chavy zur Etam-Gruppe und gründete für den französischen Akteur dessen junge Marke Undiz. 2016 brachte sie Livy auf den Markt und entschied sich für eine Positionierung im Bereich des zugänglichen Luxus.