Warum Schoeller nur der Anfang sein könnte: Warnung vor Flächenbrand in der Branche

Fussenegger-Geschäftsführer Helmut Schrenk in der Fussenegger-Produktion für Afrika-Damaste in Dornbirn: Warnung vor weiteren Schließungen in der Branche. wpa
ÖGB und Fussenegger Textil schlagen wegen Energiepreisen Alarm und fordern Maßnahmen von illwerke vkw und Landesregierung.
Dornbirn Die Textilwirtschaft in Vorarlberg entwickelte sich im 19. Jahrhundert vor allem deshalb so gut, weil es genug Wasserkraft gab. Die Textiler waren die Ersten, die Kraftwerke bauten, einige weitsichtige Unternehmen betreiben ihre Werke noch heute. Doch die meisten haben sich von ihren Kraftwerken getrennt und leiden jetzt unter den hohen Energiepreisen, weil die Textilproduktion auch heute noch besonders energieintensiv ist. Der ÖGB Vorarlberg, die Geschäftsführung und der Betriebsrat des Textilunternehmens Fussenegger nehmen die Schließung der Produktion bei Schoeller zum Anlass, um eine Energiepreissenkung zu fordern. Helmut Schrenk, Geschäftsführer der Fussenegger Textil Veredelung GmbH in Dornbirn: „Die derzeitigen Energiepreise und das fehlende Entgegenkommen von illwerke vkw und der Politik können in kürzester Zeit zu einem massiven Problem werden.“ ÖGB-Landesvorsitzender Reinhard Stemmer warnt vor einem „Lauffeuer“ in der Branche und dem Verlust Hunderter Arbeitsplätze.

Viele Unternehmen im Land mussten in der durch den Ukrainekrieg verursachten Energiekrise neue Verträge mit dem heimischen Energieversorger abschließen. Zu einer Zeit, in der die Preise drei- bzw. viermal höher waren als die Jahre davor. „Für Unternehmen gibt es jedoch keine Reduzierung wie für Privathaushalte“, kritisiert Helmut Schrenk, Geschäftsführer der Fussenegger Textil Veredelung GmbH in Dornbirn, wo rund 110 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt sind, in einer gemeinsamen Aussendung mit dem ÖGB die Firmenpolitik des Landesenergiekonzerns.
Schrenk betont, dass Fussenegger gerade den Turnaround geschafft habe und stabil in die Zukunft blicke, aber: „Der Kostendruck ist extrem hoch. Investitionen sind aufgrund der hohen Ausgaben nicht möglich, und die Wettbewerbsfähigkeit leidet. Die hohen Energiekosten können auf Dauer zu einem massiven Problem werden.“ Der vom Land angekündigte Energiekostenzuschuss sei zu begrüßen, „bis es zur Auszahlung kommt, dauert es aber wohl viele Monate bis Jahre. Das hat das Beispiel Coronahilfen gezeigt, die nach vier Jahren immer noch nicht gänzlich ausbezahlt wurden“, so Schrenk in dem Statement und fürchtet einen Flächenbrand in der Branche, nachdem der Harder Wollspezialist Schoeller wegen zu hoher Kosten seine Produktion im Land schließt und nach Polen ausweicht.

ÖGB-Landesvorsitzender Reinhard Stemmer warnt deshalb vor einem „Lauffeuer“ in der Branche. „Es geht um einige hundert Arbeitsplätze in Vorarlberg. Das Land ist gut beraten, rasch auf die hohen Energiepreise für die Unternehmen zu reagieren. Sonst war Schoeller nur der Anfang!“ Sowohl die Fussenegger-Geschäftsleitung als auch Gewerkschaft und Betriebsrat haben sich deshalb zusammengetan und fordern sozialpartnerschaftlich eine Reduktion der Energiepreise auch für Unternehmen und eine raschere Umsetzung und Auszahlung des versprochenen Energiekostenzuschusses. „Die Großhandelspreise sind deutlich gesunken, das muss auch bei den Firmen im Land ankommen“, fordert Stemmer. „Es geht darum, Arbeitsplätze langfristig zu sichern und dem Unternehmen die Weiterentwicklung zu ermöglichen, um den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weiterhin gute Rahmenbedingungen bieten zu können“, betont der Betriebsratsvorsitzende von Fussenegger, Michael Mourkiozis.
„Das Land ist gut beraten, auf die aktuelle Situation rasch zu reagieren und den Unternehmen entgegenzukommen“, fordert Stemmer und verweist auf weitere Stimmen aus der Textilbranche im Land. „Gewerkschaft und Unternehmen ziehen als Sozialpartner an einem Strang, wenn es um den Erhalt von Arbeitsplätzen geht“, versucht der ÖGB-Landesvorsitzende abschließend, den Druck auf die Landesregierung nochmal zu erhöhen.