Was der neue Chef von Rupp Käse jetzt vorhat

Rupp-CEO John Broekmans: „Bei Kernkompetenz bleiben“ und die Firmenstrategie weiterführen.
Lochau „Ganz bei null beginne ich nicht“, sagt John Broekmans. Der Niederländer führt seit Montag die Geschäfte im größten Familienunternehmen der österreichischen Milchwirtschaft, der Rupp AG. Das Unternehmen kennt er natürlich, auch den bisherigen Geschäftsführer Josef Rupp „kenne ich seit 15, 16 Jahren“, erzählt er. Beeindruckt habe ihn an seinem neuen Arbeitgeber die kluge Expansionspolitik sowie die hohe Unternehmenskultur und natürlich die Produkte der Hörbranzer, die in allen Geschäftsbereichen im Premiumbereich angesiedelt seien.

Sein Engagement hat in der Branche und in der Fachpresse europaweit für großes Aufsehen gesorgt, denn Broekmans ist – wie man salopp sagt – eine große Nummer in der Milchwirtschaft. Er hat in führenden Positionen bei Savencia SA, einem börsennotierten französischen Milchindustriekonzern, der weltweit Marktführer im Käsesegment ist, in Europa und Asien und zuletzt bei der Unternehmensgruppe Theo Müller, dem deutschen Branchenprimus, als Vorstand für das gesamte Molkereigeschäft gewirkt.
International aufgestellt
Bei Rupp übernehme er die Führung eines Betriebs, der sehr breit aufgestellt sei. Tätig sind die Hörbranzer in den Bereichen Naturkäse und Schmelzkäse mit den beiden Marken Rupp und Alma. Rupp ist aber auch Produzent vieler Eigenmarken zum Beispiel von Handelskonzernen, die Lieferung von Käse für die Industrie (Pizzen, Burger etc.) und der Rupp Cheese Innovation, die neue Produkte für Kunden der Lebensmittelbranche maßschneidert. Acht Werke betreibt das Unternehmen in sieben Ländern, dazu kommen drei Verkaufsniederlassungen, erhältlich sind die Produkte derzeit in 65 Ländern. Beschäftigt werden 930 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, im vergangenen Jahr wurde ein Umsatz von 330 Millionen Euro erzielt.

Produktionsgebäude des Rupp-Betriebs „Ingredient Solutions“ in Irland. Fa
Man werde auch weiterhin expandieren und Betriebe übernehmen, wenn sie in die Strategie passen, erklären der neue und der ehemalige CEO, Broekmans und Rupp, der in den Aufsichtsrat wechselt, im Gespräch mit den VN.
Kernkompetenz stärken
Broekmans sieht für Käse trotz des Umbruchs, der auch am Lebensmittelmarkt greift, eine große und sichere Zukunft: „Käse ist ein Naturprodukt, das alles hat – ohne lange Zutatenliste“, spielt er auf Ersatzprodukte an, die Rupp seit kurzem mit „Veinschmecker Aufstrich“ in kleinem Umfang aber auch im Angebot hat. Die hohe Käsekultur, die bei Rupp seit Jahren gepflegt wird, sei ein weiterer Trumpf – andere Hersteller müssen Marken und Geschichten erfinden, bei Rupp und Alma sei alles echt und in der Region verwurzelt, stellt Broekmans fest. Der Fokus bleibt auch unter dem neuen Chef beim Käse, man werde keine anderen Milchprodukte herstellen. „Man muss schon bei der Kernkompetenz bleiben.“

Die Käser der Alma-Sennereien beeindruckten mit ihrem Können. FA
Neben dem Premium-Hartkäse, der bei Genießern international gefragt ist, aber freilich schon wegen der handwerklichen Produktion limitiert ist, sieht der neue Chef große Chancen für Wachstum in Asien und im Zuliefergeschäft für die Lebensmittelindustrie.

Rupp AG
Die 1908 gegründete Privatkäserei Rupp ist das größte Familienunternehmen der österreichischen Milchwirtschaft und bietet unter den Marken Rupp und Alma Schmelz- sowie Naturkäsespezialitäten an. Darüber hinaus ist man auch im B2B-Segment tätig. Mit über 930 Mitarbeitenden weltweit erzielte Rupp 2022 einen Umsatz von 330 Millionen Euro in 65 Verkaufsländern. Das Stammwerk liegt in Hörbranz und wurde 2008 in Betrieb genommen.
Josef Rupp I. startete sein Unternehmen mit einer Innovation. Er stellte als Erster in Österreich Emmentalerkäse nach Schweizer Art her. Schon bald exportierte er in ferne Länder und später bis nach Amerika. Ein Meilenstein folgte dem anderen, in der Folge nur einige wichtige Firmenentscheidungen: 1935 erfolgte der Start der Schmelzkäse-Produktion, 1955 wurde die erste Vakuumverpackung Österreichs eingesetzt, 1972 startet Gertrud Rupp mit der Scheibenkäse-Produktion, 2008 wurde der Vorarlberger Mitbewerber Alma übernommen.