Stephen Kaltheier rechnet vor: So viel kostet das Laden fürs Elektroauto im Jahr

Markt / 02.02.2024 • 17:10 Uhr
Stephen Kaltheier berichtet über seine E-Auto-Erfahrungen. VN/Steurer

Verschiedene Tarife sorgen für große Unterschiede. Plus: Was kosten im Vergleich dazu Benziner und Diesel?

Egg/Schwarzach Eines ist für Stephen Kaltheier klar: “Wir sind nach wie vor mit der Entscheidung zufrieden und würden uns wieder so entscheiden.” 2015 hatte das Team vom Planungsbüro für Energietechnik E-Plus in Egg seine Dieselfahrzeuge gegen E-Autos getauscht. Mittlerweile fahren die Ingenieure die Renault Zoes schon in der zweiten und einen auch schon in der dritten Generation.

Vorteil: “Unser Aktionsradius ist gleich geblieben.” Über 90 Prozent der Fahrten bleiben innerhalb Vorarlbergs. Die Ladung reicht also fast immer für Hin- und Rückweg. “Was sich gravierend geändert hat, ist die Laderei”, sagt Kaltheier. Doch wie viel muss man in Vorarlberg eigentlich für eine E-Auto-Ladung hinlegen?

Er hat seinen Renault quasi täglich im Einsatz. VN/STEURER

“Am Anfang gab es ein sehr interessantes und lukratives Einstiegsszenario mit einfachen Tarifen der vkw und eine gute Lademöglichkeit an unserem Bürostandort”, berichtet der 54-Jährige. Für eine monatliche Flatrate habe er elf, zwölf Euro gezahlt und konnte an den damals noch wenigen Ladesäulen laden. “Ganz einfach mit einer Karte oder einem Schlüssel.”

Tarife nicht mehr so lukrativ wie früher

Doch die Zeiten änderten sich. Ladesäulen gibt es mittlerweile zwar mehr, aber: “Später gab es nur noch zwei Tarifmodelle, die beide für uns völlig uninteressant waren”, schildert Kaltheier. Nachdem die Ladesäulen am Büro auch noch entfernt wurden, folgte der komplette Umstieg. “Jetzt lädt jeder von uns zu über 90 Prozent zu Hause an einer eigenen Wallbox beziehungsweise an einem eigenen Stecker und rechnet das mit der Firma ab.” Ein herber Dämpfer für die Lukrativität der Elektromobilität.

Stephen Kaltheier fährt seit 2015 E-Auto. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Stephen Kaltheier fährt seit 2015 E-Auto. VN/Steurer

Er rechnet vor: Etwa 2000 Kilowattstunden pro Jahr laden die E-Plus-Mitarbeiter jeweils zu Hause. Damit sind sie ungefähr 13.500 bis 15.000 Kilometer unterwegs. “Mal mehr, mal weniger.” Bei einem Haushaltsstromtarif von rund 20 bis 25 Cent kommt er am Jahresende auf Ausgaben fürs Laden zwischen 350 und maximal 500 Euro. Durch die neuen Angebote der illwerke vkw dürfte auch der Preis weiter sinken. In Ausnahmefällen lädt der 54-Jährige an öffentlichen Säulen. “Vielleicht zehnmal im Jahr für im Schnitt vier Euro.” 40 bis 50 Euro kommen also noch mal dazu. “Für diese Anwendung ist das nach wie vor das richtige Konzept”, meint er. 

Früher seien die Tarife zum Laden aus seiner Sicht attraktiver gewesen. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Früher seien die Tarife zum Laden aus seiner Sicht attraktiver gewesen. VN/Steurer
Mit seinem Renault Zoe schafft er über 90 Prozent der anfallenden Strecken mit einer Ladung. <span class="copyright">VN/Plesch</span>
Mit seinem Renault Zoe schafft er über 90 Prozent der anfallenden Strecken mit einer Ladung. VN/Plesch

Der große Preisvergleich

Zum Vergleich: Lädt man sein E-Auto komplett mit dem neuesten heimischen vkw-Tarif, kommt man auf 4,40 Euro pro 100 Kilometer. So rechnen es die vkw vor. Je größer der Ladeanteil an öffentlichen Säulen ist, umso höher ist der durchschnittliche Preis. Für ein dieselbetriebenes Fahrzeug kommt man bei einem Literpreis von 1,75 Euro und einem durchschnittlichen Verbrauch von 6,80 Liter auf einen Preis von 11,90 Euro. Beim Benziner sind es 12,60 Euro (Liter: 1,63 Euro, Verbrauch 7,70 Liter pro 100 Kilometer).

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Bei 11.000 Kilometern im Jahr und einem durchschnittlichen Verbrauch von 20 Kilowattstunden pro 100 Kilometer bedeutet das für ein E-Auto Gesamtkosten von 480,92 Euro, wenn man nur zu Hause lädt. Wenn man jedoch immer an einer DC-Schnellladestation ansteckt, steigen die Ausgaben auf 1051,60 Euro. Damit liegen sie aber immer noch unter denen für einen Diesel (1309,00 Euro) und einen Benziner (1380,61 Euro).

Über 600 Ladepunkte im Land

Und so läuft das mit dem Laden: Die illwerke vkw betreibt in Vorarlberg derzeit 614 Ladepunkte an 329 Standorten mit AD-Ladesäulen bis 22 Kilowatt und 107 Ladepunkte an 40 Standorten, an denen Schnellladen bis 400 Kilowatt möglich ist. Dabei werden etwa 90 Prozent zu Hause oder in der Arbeit und etwa zehn Prozent öffentlich geladen.

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“Unser großer Fokus ist, die Schnellladeparks auszubauen”, erklärt Stefan Hartmann. Er ist Produktmanager für E-Mobilität bei der illwerke vkw. 2023 hat sich bereits in Bregenz, Dornbirn, Rankweil und Hohenems etwas getan. Dieses Jahr soll es in Bludenz/Bürs und an der Raststätte Hörbranz weitergehen. Vor allem für Urlauber und Durchreisende ist diese Infrastruktur noch wichtiger. Dass der Bedarf da ist, zeigen die Zahlen. Es sind mehr E-Autos unterwegs, der Absatz steigt.

Stefan Hartmann ist Produktmanager für E-Mobilität bei der illwerke vkw. <span class="copyright"> VN/STeurer</span>
Stefan Hartmann ist Produktmanager für E-Mobilität bei der illwerke vkw. VN/STeurer

Wie viel das Laden letztlich kostet, hängt also unter anderem auch davon ab, ob man an der heimischen Wallbox, an einer Schnellladestation (DC) mit mehr Kilowatt oder einer normalen Station (AC) lädt. Dazu kommt die Frage, wie hoch der Verbrauch für eine Fahrt tatsächlich ist.

Verbrauch hängt von diversen Faktoren ab

Das hängt wie beim Benziner auch von verschiedenen Faktoren ab. Fahrweise, Strecke und auch vom Akku. Elektroautos der Klein- bis Mittelklasse (40 bis 50 Kilowattstunden Akku) laden durchschnittlich AC elf Kilowatt und DC 80 bis 100 Kilowatt. Bei Autos der Premiumklasse (über 50 Kilowattstunden) sind es AC elf bis 22 Kilowatt und DC über 100 Kilowatt. Weitere Unterschiede gibt es je nach Tarif und Anbieter. Handelt es sich um einen Zeittarif, oder werden die geladenen Kilowattstunden berechnet?

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“Der Durchschnittspreis, den wir ermittelt haben, ist 46 Cent pro Kilowattstunde”, berichtet Christian Klejna, ÖAMTC-Experte für E-Mobilität. Durch die niedrigen Strompreise in Vorarlberg sind die Preise hier im österreichweiten Vergleich unterdurchschnittlich. Für eine Vollladung bei einer AC-Ladestation ergeben sich in vielen Teilen Österreichs also zwischen sechs und acht Euro. Langsame Ladestationen bis 22 Kilowattstunden sind günstiger. Da kann es bei einem Zeittarif aber schon mal passieren, dass man mit einem großen E-Auto lange an der Säule steht, viel bezahlt und dennoch nicht voll aufgeladen hat. “Es werden aber weniger, die so agieren”, informiert der ÖAMTC-Experte.

Stephen Kaltheier rechnet vor: So viel kostet das Laden fürs Elektroauto im Jahr
Christian Klejna ist Experte für Elektromobilität. ÖAMTC/Postl

Beim Schnellladen können bis 86 Cent pro Kilowattstunde fällig werden. “Mit Vertrag kann der Preis aber auch bei 36 Cent liegen”, sagt Klejna. Wer nicht zu viel bezahlen möchte, sollte sich also vorab informieren und nicht einfach unbedarft an eine Ladesäule fahren, den QR-Code einscannen und loslegen. Das kann teuer werden. Es kann also auch ratsam sein, nur den für die Strecke notwendigen Strom aufzuladen und dann wieder daheim oder am Arbeitsplatz anzustecken.

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Was Klejna ein Lächeln ins Gesicht zaubert, sind Autos an Schnellladestationen, die selbst gar nicht darauf ausgelegt sind. Es kann nämlich sein, dass eine DC-Säule 400 Kilowattstunden abgibt, das Auto aber gar nicht so viel auf einmal aufnehmen kann. Dann zahlt man dennoch den teuren Tarif, ist zwar in ein paar Minuten fertig, hat aber gar nicht so viel davon.

Stephen Kaltheier rechnet vor: So viel kostet das Laden fürs Elektroauto im Jahr
Österreichweit gibt es rund 22.000 öffentliche Ladepunkte. ÖAMTC/Lorenz

Laut ÖAMTC gibt es mittlerweile österreichweit rund 22.000 Ladepunkte, die (teil-)öffentlich sind. Der ÖAMTC hat Ladesäulen an seinen Stützpunkten und dazu Vertragspartner, damit man mit einer Karte an mehreren Stationen laden kann. Anbieter schließen sich bundesländerübergreifend zusammen. “Da ist immer mehr Bewegung drin”, sagt Klejna. Das liege auch daran, dass ab 2027 die Abwicklung pro Kilowattstunde verpflichtend wird. Schneller geht der Umstieg nicht, da einige Zapfsäulen nicht mit den nötigen Zählern ausgestattet sind und erst nachgerüstet werden müssen.

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Das sei auch ein langjähriger Wunsch der Vorarlberg Kunden gewesen, berichtet Stefan Hartmann. Die illwerke vkw hat daher schon zum Jahreswechsel umgestellt. “Die Kilowattstunden-Abrechnung ist die einzig faire Abrechnungsvariante, da alle E-Autos jetzt das Gleiche pro geladener Kilowattstunde zahlen. E-Autos mit einer höheren Ladeleistung sind dementsprechend schneller fertig.” Daher wurden vonseiten der illwerke vkw sämtliche Bestandsverträge gekündigt. Kunden sollten in den vergangenen Tagen ein Schreiben mit der weiteren Vorgehensweise bekommen haben.

Asfinag investiert 300 Millionen Euro

Auch die Asfinag möchte ihren Beitrag leisten. “Für die Asfinag ist der Ausbau der E-Lademöglichkeiten ein zentrales Thema in Richtung nachhaltige Mobilität der Zukunft”, heißt es von Pressesprecher Alexander Holzedl. 300 Millionen Euro sollen in den nächsten zehn Jahren in Stromversorgung und Ladeinfrastruktur investiert werden. Bereits jetzt gebe es mit 220 Ladepunkten an 36 Standorten alle 62 Kilometer eine Lademöglichkeit für Elektroautos. Bis 2035 sollen es 3.000 sein, davon 1.500 für Pkw (150 Kilowatt) bis 2030 und 1.300 für Lkw (je bis zu 1.000 Kilowatt). “An diesem Ausbauprogramm arbeiten wir aktuell – auch Vorarlberg wird selbstverständlich Teil dieser Ausbau-Vorhaben sein.”

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Aktuell gibt es vier Ladestationen an der A 14 und der S 16. Und zwar an den Raststationen Innerbraz, Klösterle, Hörbranz und Hohenems. Die Ladeleistungen gehen dabei von 43 Kilowatt (AC) bis 350 Kilowatt (DC). Infos zu den Preisen der einzelnen Stationen gibt es bei der Rastanlagensuche auf asfinag.at: Raststation auswählen, Reiter Ladestationen aufklappen und auf Preisinfo klicken.

Neben den Kosten fürs Tanken beziehungsweise Laden spielen freilich auch andere Faktoren eine Rolle. Die Anschaffungskosten für E-Autos sind heute noch deutlich höher als für Verbrenner. In Sachen Verschleiß aber lässt sich einiges sparen. Zahnriemen und Ölwechsel fallen weg. Die Wartungskosten seien im Vergleich gering, sagt Klejna. Das liegt auch daran, dass der Bremsverschleiß durch die Rekuperationsleistung, also die Rückgewinnung der Bremsenergie, geringer ist. Und auch beim Service fallen laut dem Experten weniger Kosten an.

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Eines versteht Stephen Kaltheier bei allen Vorteilen dennoch nicht. Warum das bidirektionale Laden nicht forciert wird. In dem Fall wird das E-Auto als Speicher genutzt, kann beispielsweise tagsüber über eine Photovoltaikanlage gespeist werden und nachts die Energie zurückgeben. Er sieht darin einen entscheidenden Punkt für die Forcierung des ganzen Themas, denn auch die Anschaffungskosten würden dadurch anders gewichtet werden. Das Fahrzeug dient gleichzeitig als Stromspeicher und könnte bei einem Blackout helfen. Das, kombiniert mit günstigen Tarifen und einer einfachen Handhabung, wären für ihn wichtige Ansätze, um die E-Mobilität weiterzuverbreiten.

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