Ein steiniger Weg zum Arbeitsmarkt für Asylwerber

Zwischen Hoffnung und Hürden: Trotz großen Willens bleiben Asylwerber in Österreich auf ihrem Weg in den Arbeitsmarkt oft hinter Barrieren stecken.
Bludenz, Hohenems „Die Mehrheit der Asylwerber möchte arbeiten, kann oder darf aber nicht“, deklariert Rohullah Mohammadi. Der 25-jährige Asylwerber floh vor 19 Monaten von Afghanistan nach Österreich und lebt nun in einem Flüchtlingsheim, unterstützt von der Caritas. Der Hohenemser ist derzeit arbeitslos und wie viele andere Asylwerber durchläuft er den langwierigen und wiederkehrenden Prozess der Arbeitssuche während des Asylverfahrens.
Asylwerber dürfen in Österreich nur unter bestimmten Voraussetzungen arbeiten. Wenn eine Arbeit gefunden wird, muss der Arbeitgeber eine Beschäftigungsbewilligung des AMS beantragen. Danach läuft bis zu sechs Wochen ein Ersatzkräfteverfahren, in dem geprüft wird, ob nicht eine andere geeignete Arbeitskraft infrage kommt. Das kostet viel Zeit, mit ungewissem Ausgang. Daher arbeiten viele Asylwerber häufiger in gemeinnützigen Tätigkeiten gegen einen kleinen Anerkennungsbeitrag.


Aber egal ob Beschäftigungsbewilligung oder gemeinnützige Tätigkeit: trotz Unterstützung möchte Rohullah gerne selbst arbeiten. „Es ist doch etwas anderes, wenn man für seine eigene Arbeit sein eigenes Geld verdient. Ich möchte mich durch die Arbeit auch in die Gesellschaft integrieren“, erklärt der ehemalige Informatik-Student. Die Langwierigkeit des Beschäftigungsprozesses und die Arbeitsmarktprüfung hindern ihn jedoch an einem Dienstverhältnis.
“Wer will, der kann”
Fardeen Hashemi hingegen sammelte ganz andere Erfahrungen: „Ich hatte schnell eine Arbeit, da ich motiviert und engagiert war. Wer will, der kann“, meint er. Fardeen erlangte bereits 2022, ein halbes Jahr, nachdem er in Österreich angekommen war, eine Beschäftigungsbewilligung und arbeitet seitdem bei McDonalds in Bludenz. Zuvor war der 32-jährige Journalist und Dolmetscher in Afghanistan. Er sieht die Schwierigkeiten der Arbeitssuche bei den Asylwerbern selbst. „Viele Asylwerber geben nach Absagen auf und bewerben sich nicht weiter. Das ist aber der falsche Weg“, sagt Fardeen.

In einem Punkt sind sich die beiden Männer aber einig: Die Sprachbarriere sei die größte Schwierigkeit bei der Arbeitssuche. „Ich verstehe, dass man gut Deutsch sprechen muss, aber es sollten schnell einfache Berufe zur Verfügung stehen, bei der Sprache keine große Rolle spielt“, sagt Rohullah, der bereits seit 15 Monaten Deutsch lernt. Nicht nur, dass er lange auf Zu- oder Absagen warte, zudem gäbe es kaum Jobs, bei welchen die Sprache zweitrangig ist und wo er sich bewerben könne.
Fardeen betont hingegen, dass mit viel Selbstdisziplin und Motivation, ein Jeder Deutsch und die hiesige Kultur lernen und infolgedessen erfolgreich in Arbeitsstrukturen integriert werden könne. „Ich hatte anfangs auch Angst und konnte mich nicht verständigen. An erster Stelle muss man die Situation akzeptieren, wirklich viel Deutsch lernen und üben sowie engagiert an Bewerbungen arbeiten. Dann ist alles möglich.“ Seine Einstellung führt ihn zu seinem persönlichen Erfolg: Fardeen ist sehr zufrieden mit seiner jetzigen Arbeit und sieht keine Probleme des Systems an sich. In Zukunft möchte der ehemalige Journalist seine Chancen auf eine Ausbildung im Pflegebereich erhöhen.
