Leere öffentliche Kassen: Feldkircher Bank unterstützt Gemeinwohlprojekte mit 500.000 Euro

Markt / 18.01.2026 • 12:00 Uhr
Leere öffentliche Kassen: Feldkircher Bank unterstützt Gemeinwohlprojekte mit 500.000 Euro
Unterstützung für wichtige Projekte kommt von Feldkircher Bank. APA

Der Sparkurs der öffentlichen Hand bringt viele Vereine und ihre Projekte in Not. Nun hat eine Bank, die schon bei der Gründung das Gemeinwohl im Fokus hatte, die Initiative ergriffen. Sie stellt eine halbe Million Euro für sie zur Verfügung.

Feldkirch Das 19. Jahrhundert war geprägt von einer Zeitenwende – die Industrialisierung schüttelte die Gesellschaft in Europa durch – die entstehende Arbeiterklasse erforderte besonders in Städten neue Ideen, um der damit einhergehenden Umwälzung zu begegnen. Eine Möglichkeit, der ärmeren Bevölkerungsschicht beim Aufbau einer finanziellen Basis zu verhelfen, war die Gründung einer Sparkasse.

“Menschenfreunde” als Gründer

Die erste Stadt in Vorarlberg, welche die Idee des schottischen Geistlichen Henry Duncan, der 1810 in Ruthwell die erste Sparkasse weltweit gründete, aufnahm, war Feldkirch im Jahr 1842. Paragraph 1 der Statuten der Spar-Casse in Feldkirch: “Der Zweck der Sparkasse ist, dem Handwerker, dem Taglöhner, dem Dienstboten, dem Fabrikarbeiter und anderen Personen der unbemittelten Volksklasse ihre Ersparnisse sicher und fruchtbringend zu verwahren und sie dadurch zur Arbeitssamkeit und Sparsamkeit anzueifern.” Die Gesellschaft, so heißt es weiter, “besteht aus Menschenfreunden, welche sich zu unentgeltlicher Dienstleistung der Anstalt verpflichteten”. Die Aufgabe der Menschenfreunde – Fabrikanten, Händler, Anwälte, Gastwirte und hohe Beamte – mussten ihr Engagement aber auch mit einer damals hohen Einlage untermauern – einem quasi verlorenen Zuschuss.

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Die Sparkasse Feldkirch-Vorstände Daniel Mierer (li.) und Hermann Bachmann stellt die Initiative, die der Verein der Sparkasse Feldkirch initiert hat, bei einem Gespräch mit den VN vor. VN

Das Engagement der 40 Gründer ist heute so aktuell wie 1842. Das Finanzinstitut, das sich selbst gehört, rückt die Gemeinnützigkeit in den Fokus, wie die Vorstände der Sparkasse, Hermann Bachmann und Daniel Mierer, im Gespräch mit den VN informieren. Der Verein der Sparkasse der Stadt Feldkirch hat mit Bezug auf die Gründungsstatuten die Gründung eines Gemeinnützigkeitsgremiums und eine Geschäftsordnung für dieses beschlossen. Die Sparkasse Feldkirch wird abhängig vom wirtschaftlichen Erfolg bis zu 500.000 Euro pro Jahr für gemeinnützige Zwecke ausschütten. “Gerade in Zeiten, in denen Fördermittel der öffentlichen Hand knapper werden, übernimmt unser Verein – unterstützt durch Mittel der Sparkasse – sichtbar Verantwortung für unsere Region und stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt in spürbarer Weise”, betonen Bachmann und Mierer. Dass es sich bei der Initiative um eine Marketing-Aktion handeln könnte, weisen sie von sich.

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Statut der Sparkasse Feldkirch

Gemeinnütziger Zweck

So funktioniert die Gemeinnützigkeitsinitiative: Gefördert werden Projekte im Einzugsgebiet der Sparkasse Feldkirch, die einen gemeinnützigen Zweck mit erkennbarem Nutzen für die Allgemeinheit haben. Die Umsetzung soll z. B. durch einen Verein oder eine Institution erfolgen. Das Gemeinnützigkeitsgremium, das aus fünf Persönlichkeiten besteht, wird die Projekte auf ihre Schlüssigkeit (Ziel des Projektes, Zeitplan, das notwendige Budget und die Verantwortlichkeiten) prüfen, entscheiden wird schlussendlich der Verein der Sparkasse Feldkirch: “Wir wollen damit das Ehrenamt und Vereine unterstützen, die ihrerseits wertvolle Arbeit leisten. Das Ehrenamt ist der Kit der Gesellschaft”, betont Vorstand Hermann Bachmann, “es ist eine Verbeugung vor den Menschen, die sich in den Dienst der Allgemeinheit stellen”, ergänzt Vorstand Daniel Mierer.

Leere öffentliche Kassen: Feldkircher Bank unterstützt Gemeinwohlprojekte mit 500.000 Euro
Der Gemeinnützigkeit seit der Gründung 1842 verpflichtet: Die Sparkasse Feldkirch (im Bild der Hauptstandort) nimmt die Statuten ernst. FA

Projekte können ab 1. März eingereicht werden (Details dazu auf der Homepage der Sparkasse), bis dann bleibt Zeit, um das jeweilige Konzept auszuarbeiten, so der Sparkassen-Vorstand. Die ausgewählten Projekte werden dann auch öffentlich vorgestellt. Nicht zuletzt wolle man mit dieser Initiative nicht alleine bleiben, sondern auch andere genossenschaftlich organisierte Institutionen anregen, ebenfalls im Sinne des Gemeinwohls tätig zu werden, hoffen Mierer und Bachmann.