Über diese Skipiste sollen bald Mountainbiker brettern

Beliebtes Familienskigebiet kämpft immer wieder mit Schneemangel. Nun plant die Skilift-Genossenschaft, die Piste im Sommer für Mountainbiker freizugeben.
Sulzberg, Thal Skigebiete in niedrigen und mittleren Lagen haben in den vergangenen Jahren den Klimawandel drastisch zu spüren bekommen. Aufgrund der fehlenden Schneedecke hatten sie deutlich öfter geschlossen als offen. Kosten fallen dennoch an. Die Skilifte Hagenberg in Sulzberg-Thal haben das zu spüren bekommen. Und klar ist, die traditionsreichen Skilifte sind so nicht wirtschaftlich zu betreiben, erklärt Manfred Baldauf, Obmann der Genossenschaft Skilifte Hagenberg, im Gespräch mit den VN. Finanzieller Spielraum sei eigentlich keiner vorhanden, schon gar nicht, um eine künstliche Beschneiung zu stemmen. Ziel sei es dennoch, das Mini-Skigebiet so oft wie möglich zu öffnen. “Uns geht es darum, den Kindern das Skifahren zu ermöglichen”, erklärt er seine und die Motivation seiner Mitgenossen.

Das Skigebiet bietet zwei Lifte und ein Liftstüble. Der Schlepplift Hagenberg erstreckt sich über 1200 Meter und führt von 600 Meter Seehöhe auf rund 900 Meter. Direkt an der Bergstation befindet sich das Liftstüble. Für Anfänger gibt es den Übungslift neben der Bergstation. Die Parkplätze an der Bergstation ermöglichen einen schnellen Zugang zu den Pisten, preist Baldauf das Skigebiet.
Attraktives Skigebiet
Heuer sei die Lage gar nicht so schlecht, informiert Baldauf, und man sehe am Besucheraufkommen, dass der Hagenberg durchaus Anziehungskraft habe. Statt langer Anfahrten sei der Hagenberg auch für Bregenzer, die mit ihren Kindern die ersten Stemmbögen üben, eine echte Option. Auch aus dem benachbarten Allgäu ist der Besucherstrom groß, so Baldauf.

Damit das auch in Zukunft erhalten und finanzierbar bleibt, plant die Genossenschaft nun die Nutzung der Anlage im Sommer. Der Hagenberg soll Mountainbike-Park werden und so ganzjährig zur Verfügung stehen. Wie das funktioniert, hat Baldauf, der von Maximilian Hugl von Vorarlberg Tourismus fachlich begleitet wird, in der niederösterreichischen Tourismusgemeinde St. Corona am Wechsel besichtigt und sich mit den Verantwortlichen ausgetauscht. “Das ist die Benchmark für einen erfolgreichen Ganzjahres-Betrieb”, erklärt Baldauf.
Alleinstellungsmerkmal
Hugl hat sich inzwischen auch mit der touristischen Nachfrage für einen Mountainbike-Park beschäftigt. Das Projekt hat gute Chancen. Erstens wachse die Nachfrage nach Mountainbike- bzw. Downhillstrecken überall, zweitens gibt es weit und breit kein ähnliches Angebot. Man wolle wie beim Skifahren die Familien und Mountainbike-Einsteiger erreichen. “Niederschwelliger Breitensport für Familien” konkretisiert Baldauf. Der Hagenberg hätte also ein Alleinstellungsmerkmal, das auch ins Allgäu ausstrahlt. Nun steht die Wirtschaftlichkeitsanalyse des Projektes an – die Gemeinden Sulzberg, Langen und Doren finanzieren diese Untersuchung. “Wenn daraus ein positives Ergebnis formuliert, werden wir das Gespräch mit allen Beteiligten suchen”, erklärt Baldauf, “und erst danach kann mit der Planung begonnen werden.”

Die Genossenschaft hat bereits anhand eines Luftbildes die Projektumsetzung vorgestellt, auch der Eigentümer des Grundstücks oberhalb der Bergstation habe das Projekt positiv beurteilt. Das ist wichtig, denn für die verschiedenen Trails, also speziell angelegte Strecken, werden Erdarbeiten notwendig. Die sind wahrscheinlich teurer als die entsprechenden Transporteinrichtungen für die Umrüstung des Skiliftes oder eines Förderbandes für die Kinder. “Der Lift ist schnell für die jeweilige Nutzung umgebaut”, weiß Baldauf. “In zwei Stunden ist das erledigt.” Der Genossenschaftsobmann ist zuversichtlich, dass die nicht allzu hohen Hürden genommen werden können – inklusive eines Fahrradverleihs: “Dann braucht es keinen Zuschuss für unser Skigebiet, sondern wir können Steuern zahlen.” Auch fünf bis acht Arbeitsplätze könnten geschaffen werden.