“Fairbruary”: Vorarlberger Konsumenten kaufen trotz höherer Preise fair

Die Preissteigerungen bei Lebensmitteln sind eine echte Herausforderung. Im “Fairbruary” wird mit Aktionen und Informationen über die Situation in den Anbaugebieten von Kakao, Kaffee und Südfrüchten informiert und für fairen Einkauf geworben.
Schwarzach Die Preissteigerungen bei Lebensmitteln machen den täglichen Einkauf für viele Menschen in Vorarlberg und Österreich nicht unbedingt einfacher. Vielen bleibt gar nichts anderes übrig, als Aktionen und Rabatte zu nutzen. Dennoch – und das ist aus Sicht von Fairtrade Österreich erfreulich – wird Solidarität mit den Produzenten trotz der Preisentwicklung von Unternehmen als auch Konsumenten großgeschrieben, wie die aktuellen Zahlen zeigen. Nun soll ab Sonntag der “Fairbruary” das Bewusstsein für “fairen Handel mit den Ländern des Südens” (so heißt es im Vereinsnamen) und diese Unterstützung weiter fördern und stabilisieren.

Der Absatz von fair gehandeltem Kakao stieg im laufenden Jahr um rund 17 Prozent, jener von Bananen um fast neun Prozent, informiert Fairtrade Österreich. Die Direkteinnahmen („Producer Benefit“) erhöhten sich auf 88 Mill. US-Dollar, rund 11 Prozent mehr als im Vorjahr. Und das bei schmerzhaften Preissteigerungen am Weltmarkt, die freilich nicht deshalb ausgeschlagen haben, weil die Produzenten und ihre Familien plötzlich deutlich mehr Geld bekämen. Es sind z. B. Missernten, die vor allem durch den Klimawandel verursacht wurden und werden, die die Preise nach oben treiben. Auf große Preisschwankungen und -steigerungen müsse man sich aber insgesamt einstellen, sagt Bernhard Moser von Fairtrade Österreich.
“Vorarlberg zeigt seit Jahren, wie konsequent fairer Handel gelebt werden kann – in engagierten Gemeinden, Schulen, im regionalen Handel und durch starke Unternehmenspartnerschaften. Mit dem Fairbruary möchten wir dieses Engagement den ganzen Februar über sichtbar machen. Wir wollen damit bewusst machen, dass jede faire Kaufentscheidung hier in Vorarlberg Menschen in den Ursprungsländern direkt unterstützt”, unterstreicht Hartwig Kirner, Geschäftsführer der Organisation.

Der “Fairbruary” wird genutzt, um über ihre Projekte und Ziele zu informieren, mit einem Gewinnspiel auf Fairness im Handel aufmerksam zu machen und überhaupt die breite Produktpalette von Fairtrade-Partnern zu promoten. Der Umsatz mit Fairtrade-Produkten in Österreich stieg im Vorjahr übrigens um 6,5 Prozent auf 706 Mio. Euro. Rund 2600 Produkte mit dem Gütesiegel werden hierzulande angeboten. Österreich ist unter den Top-3-Fairtradeländern weltweit und Vorarlberg im Bundesländervergleich an der Spitze. Einige der größten Anbieter von Fairtrade-Produkten sind im Land beheimatet. Der Lebensmittelhändler Gunz gehört in Österreich zu den größten Abnehmern von Kakao, die Fruchtsafthersteller Pfanner und Rauch sind ebenso starke Partner wie Hämmerle Kaffee – die Großbäckerei Ölz setzt als erste Backwarenmarke weltweit zu 100 Prozent auf Fairtrade-Kakao.

Die Firmen hatten es im vergangenen Jahr trotz treuer Fairtrade-Kunden oft nicht leicht. Orangensaft mit dem Fairtrade-Logo kostete immerhin deutlich mehr als konventioneller Saft, berichtet Peter Pfanner, der aber dank guter Ernte eine Entspannung in der Preisrallye am Weltmarkt sieht. Auch Lebensmittelspezialist Gunz musste die Preise für Schokoladeprodukte anheben, besonders Pralinen seien deutlich teurer geworden, sagt Geschäftsführer Michael Temel. Aber anders als manche Mitbewerber biete man dennoch keine Produkte ohne Fairtrade-Label an. “Da machen wir keinen Kompromiss, bei uns gibt es nur Fairtrade”, so Temel und weist darauf hin, dass Gunz an der Elfenbeinküste in den Partner-Kooperativen auch in Schulen investiere. Aus Überzeugung.