Schwarzarbeit wächst: “Wer Teilzeit arbeitet, hat viel mehr Zeit zum Pfuschen”

Während die offizielle Wirtschaft nur im niedrigsten Prozentbereich wächst, ist der Anstieg der Schattenwirtschaft in Vorarlberg und Österreich über viermal so hoch. Warum das so ist und was man dagegen tun kann, erklärt Ökonom Friedrich Schneider.
Schwarzach, Linz Die Wirtschaft in Österreich sollte nach drei schwierigen Jahren heuer wieder ganz leicht wachsen, sagen die Wirtschaftsforscher von IHS und WIFO. Es gibt aber auch einen Ökonomen, der seinen scharfen Blick auf einen anderen Bereich der Wirtschaft legt, und der konnte weder in den letzten Jahren einen Rückgang beobachten, noch kann er es in seiner Prognose für 2026 tun. Prof. Friedrich Schneider von der Johannes Kepler-Universität Linz ist Spezialist der Schattenwirtschaftsforschung. Er beobachtet, untersucht und analysiert diesen Bereich nicht nur am Standort Österreich, sondern auch in Deutschland und vergleicht den Anteil der Schwarzarbeit EU-weit.

Schattenwirtschaft – das klingt etwas freundlicher als Schwarzarbeit oder Pfusch – ist ein Milliardenbusiness. Die nominelle Schattenwirtschaft hat demnach im Vorjahr 40,080 Mrd. Euro oder 7,8 Prozent des österreichischen Bruttoinlandsproduktes (BIP) betragen. Ein Plus um 1,850 Mrd. Euro. Heuer wird sie, so Schneider in seiner Prognose für 2026, weiter wachsen. Zwar nicht mehr so stark wie im letzten Jahr, aber “2026 wird die Schattenwirtschaft insgesamt 41,960 Milliarden Euro oder 7,91 Prozent des offiziellen BIP betragen.” Dies ist ein Anstieg um 1,880 Milliarden oder ein Zuwachs von circa 4,5 Prozent gegenüber 2025, rechnet Schneider vor.
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Schwarzarbeit ist aber nicht nur österreichweit ein beträchtlicher Teil der Wirtschaftsleistung, auch in Vorarlberg beziffert Schneider den Anteil der Schattenwirtschaft am BIP für das Jahr 2026 mit 1,35 Milliarden Euro (2025: 1,29 Mrd. Euro), im Jahr 2016 betrug der Pfusch-Anteil noch 930 Millionen Euro.
Milliardenschaden
Der öffentlichen Hand entgehen durch den Pfusch nach Schätzungen des Ökonomen Steuer- und Sozialversicherungsbeitragsausfälle in Höhe von circa 2 bis 3,5 Milliarden Euro jährlich. Immerhin – die Schwarzarbeit sorgt wenigstens dafür, dass Geld in Umlauf kommt. “Das im Pfusch verdiente Geld wird zu 85 Prozent sofort wieder in der offiziellen Wirtschaft ausgegeben, d. h. von der Schattenwirtschaft profitieren die Wirtschaft und wir, d. h. jeder, der pfuschen lässt oder selbst pfuscht”, so Schneider. Zusätzlich diene das von der Schattenwirtschaft verdiente Einkommen auch als Puffer für die durch die Pandemie verursachte Rezession.
Thema Nachbarschaftshilfe
Traditionell sind die Bauwirtschaft und die damit verbundenen Gewerke ein Tummelplatz für den Pfusch mit einem Anteil an der Schattenwirtschaft von rund 39 Prozent. In Vorarlberg hat das gute Tradition: Die auch von Politikern gelobte Nachbarschaftshilfe (etwa beim Hausbau) sei, so der Professor im Gespräch mit den VN, “zu ca. 40 Prozent Pfusch, bei dem Geld fließt.”
“Zwei Drittel der Pfuscher, so der Wirtschaftswissenschafter, sind selbstständig oder angestellt in der offiziellen Wirtschaft beschäftigte Personen, 20 Prozent sind arbeitslos gemeldete Personen und Pensionisten. 14 Prozent sind Beschäftigte in illegalen, also kriminellen Firmen”, schlüsselt Schneider die “Täter” auf. Vorarlberg unterscheide sich da nicht von anderen Bundesländern, betont er gegenüber den VN. Auch der Trend zu kürzeren Arbeitszeiten bzw. Teilzeitarbeit fördert den Pfusch, so Schneider, “wer offiziell Teilzeit arbeitet, hat viel mehr Zeit zum Pfuschen und das geschieht auch so.”
Handwerkerbonus-Comeback
Was man gegen Pfusch machen kann? “Ich schlage folgende drei konkrete anreizorientierte Maßnahmen vor: die Wiedereinführung des Handwerkerbonus von 2000 Euro pro Haushalt und pro Jahr, die Senkung der Lohnnebenkosten und die Wiedereinführung der Abschaffung der kalten Progression zu 100 Prozent”, so Schneider.