Deshalb dauerte in diesem Unternehmen die Übergabe zehn Jahre lang

Markt / 08.02.2026 • 14:26 Uhr
Deshalb dauerte in diesem Unternehmen die Übergabe zehn Jahre lang
Kunststoff ist für das Unternehmen ein Wertstoff, bei dem auf einen schonenden Umgang aller
eingesetzten Materialien und Ressourcen geachtet wird, betont der nunmehrige Firmeneigentümer. VN/Steurer

Vor 64 Jahren gegründet, hat sich der Höchster Kunststoff-Spezialist stetig weiterentwickelt. Seit Jahresbeginn ist das Unternehmen in neuer Hand – nach einem bewusst langfristigen Übergabeprozess von rund zehn Jahren.

Höchst Im Jahr 1962 gründete Egon Grabher mit Blick auf die künftige Rolle von Kunststoff in fast allen Bereichen der Wirtschaft seinen Betrieb Tecnoplast in Höchst. Sechs Jahre später tat es ihm August Böhler in Lochau gleich und startete mit “boehler-plastic” ins unternehmerische Leben. 1981 übernahm Frank Böhler die Geschäftsführung im Familienunternehmen, zehn Jahre später schlossen sich die beiden Betriebe zusammen – technischer Leiter, Gesellschafter und Geschäftsführer war ab diesem Zeitpunkt Frank Böhler. Er übergab die Geschäftsführung im Jahr 2016 an Daniel Zerlauth.

Deshalb dauerte in diesem Unternehmen die Übergabe zehn Jahre lang
Frank Böhler (li.) übergibt die Staffel an Daniel Zerlauth – über ein Jahrzehnt dauerte der Übergabeprozess bei Tecnoplast, der mit Jahresbeginn finalisiert wurde. VN/Serra

In der Geschichte des innovativen Kunststoff-Spezialisten mit Sitz in Höchst ist nun das nächste Kapitel aufgeschlagen worden. Nach 45 Jahren im Unternehmen hat der bisherige Chef Frank Böhler die ihm verbliebenen Anteile an Tecnoplast endgültig an Geschäftsführer Zerlauth abgegeben. “Ich hab mich als Gesellschafter zurückgezogen, bleibe aber dem Betrieb als Berater verbunden”, erklärt Böhler im Gespräch mit den VN. Er und der nunmehrige Eigentümer von Tecnoplast haben die Nachfolge als Langzeitprojekt gestartet, wie sie schildern. “Es war für uns wichtig, dass wir uns möglichst früh Gedanken über die Zukunft gemacht haben.” Deshalb habe Böhler vor zehn Jahren die Geschäftsführung, basierend auf Verantwortung und Vertrauen, übergeben. Er habe zu viele gescheiterte Übergaben gesehen”, so Böhler, der weiterhin Bundesinnungsmeister der Kunststoffverarbeiter bleibt.

“Einige harte Kämpfe”

Natürlich sei man in den mittlerweile zehn Jahren, in der Konstellation mit Zerlauth als Geschäftsführer und Böhler als Gesellschafter, zusammengearbeitet habe, auch “einige harte Fights”, erzählt Zerlauth, schlussendlich sei es aber beiden immer darum gegangen, das Unternehmen weiterzuentwickeln, “zukunftsfit aufzustellen”. “Loslassen ist die letzte unternehmerische Kompetenz”, formuliert das Böhler. Man habe in der Zeit große Investitionen in Infrastruktur und technische Ausstattung getätigt. Auch die Weiterentwicklung der Kompetenzen und die Mitarbeiter sei im Fokus gestanden. Auszeichnungen als familienfreundliches Unternehmen und seit 20 Jahren auch als “Ausgezeichneter Lehrbetrieb” dokumentieren dieses Engagement, das durch die Zusammenarbeit mit Institutionen wie der Lebenshilfe, Pro Mente oder der Aqua Mühle ergänzt wird.

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Tecnoplast-Hauptsitz in Höchst. FA

Im vergangenen Jahr wurde Tecnoplast außerdem mit dem Vorarlberger KMU-Preis im Bereich Gewerbe und Handwerk ausgezeichnet. Die Übergabe des Unternehmens, das sich auf professionelle Spritzgusslösungen in Metall und Kunststoff spezialisiert, erfolgt trotz der allgemeinen Wirtschaftskrise zu einem für die Firma guten Zeitpunkt: “Wir haben eine gute Auftragslage, die beste seit Bestehen”, berichtet Zerlauth, und schränkt ein: “Wir wissen natürlich auch nicht, wie sich die Wirtschaft entwickelt.” Es gebe, so Böhler, viele Faktoren wie die globalen Verwerfungen, Kriege, Inflation, um nur einige zu nennen, die den Erfolg gefährden – egal, ob man nun ein regional tätiges oder international agierendes Unternehmen sei.

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Das Unternehmen ist seit Jahrzehnten Zulieferer und Technologiepartner großer Unternehmen in der DACH-Region. FA

Tecnoplast ist das eine wie das andere: “Mit unseren Produkten sind wir international vertreten, allerdings integriert in die Erzeugnisse unserer Partner”, erklärt Böhler. Langjährige Kunden sind u. a. Blum, Zumtobel, IMA Schelling, Ivoclar, Omicron oder SFS, alle in der DACH-Region. Gefertigt und entwickelt wird von den insgesamt fast 60 Mitarbeitern am Hauptsitz in Höchst und in Tschechien, einen weiteren Standort hat das Unternehmen in Widnau.