Holzbau boomt: Bregenzerwälder Firma baut größten Holzmodulbau Europas

Markt / 10.02.2026 • 15:43 Uhr
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624 Unterkunftseinheiten wurden auf dem Campus errichtet. FA/Primus

Der Holzbau ist weltweit am Wachsen. Neben der Auftragslage im Land zeigt der Bregenzerwälder Innovationsführer in Deutschland mit spektakulären Projekten auf: Der gerade fertiggestellte Campus der deutschen Zollhochschule ist das größte Holzmodulbauprojekt Europas: Über 1000 Holzmodule verbaut.

Reuthe, Rostock-Lichtenhagen, Schwarzach Holzbau ist weltweit ein Gebot der Stunde – in Vorarlberg ist das zwar schon länger der Fall, doch inzwischen wird im Zeichen der Klimawende buchstäblich überall auf den nachwachsenden Baustoff gesetzt. Die Betriebe im Land sind ausgelastet. Dass in Vorarlberg nicht so aufsehenerregende Wolkenkratzer wie in Milwaukee, Melbourne oder Wien entstehen, sei der Größe des Landes geschuldet, ist sich der Dornbirner Architekt Johannes Kaufmann, Mitglied im erweiterten Vorstand der Vorarlberger Holzbaukunst, sicher: “Vorarlberg ist ein kleines Land mit kleinen Städten”, da seien solche Bauten nicht möglich. Allerdings, so Kaufmann, ist der Holzbau im Land in der Breite angekommen – vom Häuslebauer über kommunale Bauten bis zu Gewerbegebäuden werde hier der Baustoff Holz verwendet. Die Vorarlberger Zimmerer können nicht über zu wenig Aufträge klagen. Doch der Vorarlberger Holzbau ist auch über der Grenze höchst erfolgreich, wie das Beispiel Holzmodulbau und der Erfolg des Unternehmens Kaufmann Bausysteme zeigt.

Holzbau boomt: Bregenzerwälder Firma baut größten Holzmodulbau Europas
Christian Kaufmann, Geschäftsführer von Kaufmann Bausysteme: “Wir haben volle Auftragsbücher. Alle Projekte sind in Deutschland, keines in Österreich.” FA

Jetzt punktet das Unternehmen zum wiederholten Mal mit positiven Superlativen, denn es hat in Rostock-Lichtenhagen gerade das größte Holzmodulbauprojekt Europas verwirklicht. Der Holzmodulbaupionier aus Reuthe hat als Totalunternehmer mit bzw. für seinen langjährigen deutschen Partner Primus developments das Projekt Zollhochschule Rostock entwickelt und umgesetzt – Architektur und Planung stammen von Sauerbruch Hutton. Die neue Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung, Fachbereich Finanzen, wurde nach Fertigstellung planmäßig an das Staatliche Bau- und Liegenschaftsamt Rostock und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben übergeben, berichtet Firmenchef Christian Kaufmann im Gespräch mit den VN.

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Das Großprojekt hat auch je nach Nutzung viele Gestaltungsfacetten.

Der Standort der Zollhochschule vereint auf rund 55.000 Quadratmetern Bruttogrundfläche Lehre, Wohnen und gemeinschaftliche Nutzungen in einem zusammenhängenden Campus. Neben dem Lehrgebäude mit Hörsälen, Bibliothek, Mensa und Verwaltungsflächen umfasst das Projekt zwei siebengeschossige Wohngebäude mit insgesamt 624 Unterkunftseinheiten. Ein öffentlich zugänglicher Campus-Park verbindet die Gebäude und öffnet das Areal in den Stadtteil.

Verlässlich und termingerecht

“Mit der Zollhochschule ist es uns gelungen, eines der größten und zugleich komplexesten öffentlichen Bauvorhaben Deutschlands verlässlich und termingerecht zu realisieren”, sagt Lorenz Nagel, Geschäftsführer von Primus developments. Mit dem deutschen Projektentwickler hat Kaufmann Bausysteme bereits in den vergangenen Jahren richtungsweisende und international beachtete Vorhaben wie “Woodie” und “Luise” sowie “Rockywood” in Offenbach realisiert.

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Die Realisierung erfolgte im Auftrag der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben unter Projektsteuerung des Staatlichen Bau- und Liegenschaftsamts Rostock. Mit Investitionskosten von rund 230 Millionen Euro zählt die Zollhochschule zu den bedeutendsten Bauvorhaben in Mecklenburg-Vorpommern. Der aufsehenerregende Bau ist ein weiterer Meilenstein für das Bregenzerwälder Unternehmen, doch weitere folgen Schlag auf Schlag, wie Christian Kaufmann berichtet. “Wir haben Aufträge bis Ende 2027 in den Büchern” – Wohnbauten, Schulen, Studentenheime sind nur einige der wichtigsten Anwendungen, für die dann bis zu 3000 Module zum Einsatz kommen.

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“Alle Projekte haben wir in Deutschland”, erklärt Kaufmann, in Österreich sei das Interesse an dieser ökologisch und ökonomisch sinnvollen Bauweise offenbar nicht gefragt. Die Aufträge des Reuthner Unternehmens generieren auch Aufträge für eine ganze Reihe von Vorarlberger Firmen. Die Wertschöpfung für den Standort Vorarlberg liege bei rund 80 Millionen Euro. Ein ordentlicher Brocken, wo doch die Bauwirtschaft insgesamt nach wie vor nur schwer in Gang kommt.

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