“Ich hätte gerne auch weibliche Investoren an Bord”

Mit neuen Partnerschaften und einer Finanzierungsrunde will HealthBlokk-Gründerin Shideh Heravi europaweit expandieren.
Dornbirn Shideh Heravi erinnert sich noch gut an ihren jüngsten Aha-Moment: Bei einer Veranstaltung wurde erstmals ein Catering angeboten, bei dem sie nicht genau prüfen musste, ob sie das Essen auch verträgt. Die 28-Jährige leidet an Laktoseintoleranz – und weiß daher, wie selten sich ein Restaurantbesuch wirklich unbeschwert anfühlt.
Ist da Sahne drinnen?
Millionen Menschen weltweit haben Nahrungsmittelunverträglichkeiten, etwa gegenüber Laktose oder Gluten. Für viele bedeutet Essen gehen vor allem eines: Unsicherheit. Was kann ich bestellen? Stimmen die Angaben zu den Zutaten? “Es bedeutet Stress, denn egal, was man isst, man fragt sich: Werde ich krank? Das ist unangenehm – auch weil man das Servicepersonal nicht ständig mit Fragen konfrontieren möchte”, sagt Heravi.

2024 kündigte sie ihren Job und gründete das Startup HealthBlokk. Die App, die mittlerweile in iOS und Android verfügbar ist, weist Restaurants aus, die auf spezielle Ernährungsbedürfnisse eingehen, und soll Betroffenen mehr Sicherheit geben. Seither hat sich einiges getan. “Wir haben tolle neue Partnerschaften”, sagt die gebürtige Iranerin, die mit 19 Jahren zum Studium nach Wien kam.
150 nutzen Angebot
Neu dabei ist das Sutterlüty-Restaurant in Hohenems. Gäste mit Intoleranzen können dort per QR-Code prüfen, welche Gerichte für sie geeignet sind. “Wir wollen testen, wie das Angebot ankommt, und es im besten Fall auf weitere Restaurants ausrollen.” Das Feedback sei bislang sehr positiv: Rund 150 Nutzer hätten den Service innerhalb von drei Wochen in Anspruch genommen. “Das Küchenteam dort ist sehr motiviert.”

Auch international fasst HealthBlokk Fuß. “In Zürich arbeiten wir mit dem Zöliakie-Verband zusammen. Er verfügt über Listen mit Restaurants, die glutenfreie Gerichte anbieten – wir sind mit unserer App die Schnittstelle.” Der Fokus liege heuer darauf, weitere Kooperationen dieser Art aufzubauen. Auch in Lissabon finden Nutzer bereits Restaurantempfehlungen über die Plattform.
Für teilnehmende Betriebe ist der Aufwand überschaubar. Eine eigens entwickelte Künstliche Intelligenz identifiziert Allergene in Speisekarten, die anschließend vom Restaurantbetreiber oder Koch verifiziert werden. “Der Zeitaufwand liegt bei etwa fünf Minuten”, erklärt die Gründerin. Auf Wunsch unterstütze man Lokale zudem mit Ideen für verträgliche Gerichte.

Heravis persönliches Motto lautet: lernen, adaptieren, weitermachen. “Ein Startup zu gründen ist oft mühsam und macht auch Angst. Aber Iraner sind es gewohnt, Lösungen zu finden – das habe ich verinnerlicht. Ich möchte Menschen mit Intoleranzen etwas Gutes tun.”
Der nächste Schritt ist die Aufnahme von Risikokapital, möglichst auch von Frauen. “Ich hätte gerne auch weibliche Investoren an Bord”, sagt sie. Ende des Monats soll die Frühphasen-Finanzierungsrunde starten. “Mit 280.000 Euro könnte ich die kommenden 18 Monate absichern und nachhaltig wachsen.” Danach soll eine Seed-Runde folgen.

Expansion und Mitarbeiter
Wagniskapital zu bekommen sei hierzulande nicht einfach, viele Investoren wollten auf Nummer sicher gehen. Doch Heravi bleibt ihrem Leitsatz treu: lernen, adaptieren, weitermachen. Ihr großes Ziel ist klar formuliert: “Wir wollen europaweit expandieren – und auch Mitarbeiter einstellen.”