“Vorarlberg fehlen qualifizierte Reiseleiter”

Markt / 19.02.2026 • 13:29 Uhr
"Vorarlberg fehlen qualifizierte Reiseleiter"
Karin Fetz vor der Festspielbühne. Die Nachfrage nach Reiseleitern sei aber das ganze Jahr über vorhanden, nicht nur während der Festspielzeit.Roland Paulitsch

Fremdenführerin Karin Fetz macht Vorarlbergs Geschichte erlebbar – und kämpft für mehr Nachwuchs.

Bregenz Karin Fetz (62) erinnert sich noch gut an ihre erste Stadtführung. “Es war in Feldkirch. Ich hatte mich gründlich vorbereitet, bin die Route abgegangen, habe alle Jahreszahlen recherchiert – und kurz davor erfahren, dass es eine Gruppe von Professoren ist. Da wurde ich schon nervös”, erzählt sie lachend. Am Ende lief alles glatt: viel Lob, und wenige Monate später buchte dieselbe Gruppe erneut.

Mit Mut und Vorbereitung

Mut, Vorbereitung und Begeisterung – das seien die wichtigsten Zutaten ihres Traumberufs, sagt die Eichenbergerin. Fetz arbeitet sowohl als Reiseleiterin als auch als Fremdenführerin. Zwei Tätigkeiten, die oft verwechselt werden, sich aber deutlich unterscheiden: Reiseleiter begleiten Busgruppen organisatorisch, dürfen vor Ort jedoch keine Führungen übernehmen. Dafür braucht es die staatliche Ausbildung zum Fremdenführer, oder wie sie heute genannt werden – Austria Guides. “Sie dauert rund vier Semester und hat fast Bachelor-Niveau”, sagt Fetz.

"Vorarlberg fehlen qualifizierte Reiseleiter"
Für Karin Fetz ist ihr Beruf auch nach all den Jahren nach wie vor ein “Traumjob”.Roland Paulitsch

“Es fehlen uns Reiseleiter”

Doch die Branche steht vor Herausforderungen. “Es fehlen qualifizierte Reiseleiter”, berichtet Fetz. Rund 50 Aktive seien derzeit in Vorarlberg tätig, ein Teil davon auch für Reisegruppen. Viele Anfragen müssten dennoch abgelehnt werden. Seit der Pandemie erlebe die Bodenseeregion einen deutlichen Boom: Gruppen, Paare und Familien buchen private Führungen – und das ganzjährig. “Alle Busgruppen zu bedienen, war schon im vergangenen Jahr schwierig. Für die Festspielzeit bin ich heuer komplett ausgebucht.”

Die Begeisterung für ihren Beruf wurde Fetz dabei in die Wiege gelegt. Im Busunternehmen ihrer Eltern in Lochau half sie schon früh mit. “Mein Papa fragte immer: Wer fährt mit? Wer verteilt die Getränke?” Besonders bewundert habe sie damals die Stadtführer. Die Ausbildung zur Fremdenführerin machte sie aber erst mit 50, als ihre Kinder größer waren. “Eine intensive Zeit”, erinnert sie sich.

"Vorarlberg fehlen qualifizierte Reiseleiter"
Karin Fetz leitet ab Freitag den Reiseleiter-Kurs im WIFI.Roland Paulitsch

Jede Gruppe ist individuell

Heute führt sie Gäste mit großer Leidenschaft durch Vorarlberg. Ihr Ziel: Geschichte erlebbar machen und die Schönheit der Region zeigen. “Wir sind Botschafter für unser Land.” Dafür bildet sie sich auch regelmäßig weiter – als Natur- und Landschaftsvermittlerin und zertifizierte Kirchenraumpädagogin. Denn jede Gruppe sei anders: Alter, Interessen, Tempo. Wichtig dabei sei deshalb, individuell darauf einzugehen. Dazu gelte es, auf Feinheiten zu achten. Wo kann der Bus parken? Wie ist der Zeitablauf? Was erzähle ich den Reisenden? Muss ich auf Barrierefreiheit achten?

"Vorarlberg fehlen qualifizierte Reiseleiter"
Ein Gespräch bei zunächst Schnee und anschließend Regen. “Für uns Reiseleiter nicht ungewöhnlich”, sagt die Eichenbergerin.Roland Paulitsch

Ein Hoffnungsschimmer, um wieder mehr Menschen für den Beruf zu begeistern, ist der neue Kurs im WIFI, den sie gemeinsam mit der Fachgruppe initiiert hat und den sie selbst leiten wird. Er startet am Freitag und ist komplett ausgebucht. An insgesamt sechs Kurstagen bereitet sie die Teilnehmer auf den Beruf des Reiseleiters vor. “Ich freue mich, meine Erfahrungen weiterzugeben”, sagt Karin Fetz. Außerdem soll im Herbst erstmals seit fast zehn Jahren wieder ein Fremdenführerkurs in Vorarlberg stattfinden.

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Karin Fetz ist in verschiedenen Städten unterwegs und begleitet Gruppen auch in die Vier-Länder-Region.Beate Rhomberg pauschal

Keine Angst vor KI

Dass künstliche Intelligenz oder Audioguides ihren Beruf ersetzen könnten, glaubt Fetz nicht. “Wir vermitteln Emotionen, kennen Land und Leute und gehen individuell auf jeden Gast ein. Das kann kein Smartphone.”