VN fragen nach: Wie gelingt heute der strategische Vermögensaufbau?

Markt / 20.02.2026 • 13:51 Uhr
VN fragen nach: Wie gelingt heute der strategische Vermögensaufbau?
Alexandra Serra

Vermögensberater Martin Walser über hilfreiche Strategien, wie man vom Sparer zum Gestalter wird.

Wie können Vorarlberger Haushalte ihr Potenzial zum Vermögensaufbau besser ausschöpfen?

Vorarlberger Haushalte halten nach wie vor einen viel zu hohen Anteil liquider Mittel (Girokonten, Bargeld, Sparbücher, Bausparer, …). Rund 37 Prozent des gesamten Finanzvermögens wird so konventionell geparkt. Schätzungen ergeben einen durchschnittlichen Bestand pro Haushalt von über 90.000 Euro in dieser nur als “Notfallreserve” geeigneten Assetklasse. Rund 45.000 Euro pro Person sind dafür jedenfalls viel zu hoch, wenn man bedenkt, dass Vorarlberger im Schnitt pro Monat rund 2300 Euro zum Leben benötigen. Die Empfehlung für eine Notfallreserve lautet: maximal 3 bis 6 Netto-Monatsbedarfe (und nicht 1,6 Jahresbedarfe).

Warum ist ein zu hoher Anteil liquider Mittel dem Vermögensaufbau so abträglich?

Wer Vermögen aufbauen will, muss zwangsläufig unter seinen Verhältnissen leben. Die Vorarlberger tun dies auch vorbildlich und haben eine Sparquote von rund 11 Prozent. Allerdings ist diese ausgeprägte Tugend aufgrund einer Vielzahl von Faktoren (überhöhte Risikoaversion, politische Beeinflussung) in der Vergangenheit nicht in erfolgversprechende Investitionsaktivitäten umgesetzt worden. Der monetäre Schaden durch eine zu hohe Veranlagung in “Sparbuch & Co” ist gut belegbar. In den letzten 15 Jahren war der reale Zinsertrag (Sparbuchzins abzüglich KESt und Inflation) überwiegend deutlich negativ! Seit Beginn der Niedrigzinspolitik der EZB lag der reale Zinsertrag bei ca. -3 % p. a. 10.000 Euro am Sparbuch haben damit nach 15 Jahren nur noch 6332 Euro an Kaufkraft. Ziemlich exakt das Gegenteil von Vermögensaufbau!

Vom Sparer zum Gestalter: Wie gelingt heute der strategische Vermögensaufbau?

Was kann ich tun? Nehmen Sie mehr Risiko und vertrauen zu Recht darauf, dass bei ausreichend langem Anlagehorizont Assetklassen wie Anleihen, Aktien oder Gold positive reale Ertragserwartungen aufweisen. Aus heutiger Sicht sind positive Realrenditen im Bereich von 2 % bis 4 % mittelfristig für diese Assetklassen realistisch. Wie gehe ich das an? Die Umsetzung dazu ist denkbar einfach: Fonds und ETFs auf diese Assetklassen sind auch mit sehr kleinen Investitionsbeträgen für alle Vorarlberger leicht zugänglich. Die einzige Frage, die jeder für sich selbst klären muss, lautet: Mache ich alles selbst oder hole ich mir, ähnlich wie bei rechtlichen oder medizinischen Fragen, Unterstützung durch einschlägige Fachexperten. Wann soll ich damit beginnen? Immer sofort! Zumindest mit einem Teil des Investitionskapitals. Dem Problem, dass manche (Aktien-)Märkte derzeit sehr teuer sind, kann man dadurch begegnen, dass man die Investition auf mehrere Zeitpunkte verteilt (z. B. 4× in 12 Monaten).

Dr. Martin Walser, CPM, ist Vermögensberater mit Schwerpunkt Family Office Services und Asset Management.