PRO-GE-Chef Binder: Betriebe, die nicht ausbilden, sollen Abgabe zahlen

Im März beginnt die Frühjahrslohnrunde für 130.000 Industriebeschäftigte. Gewerkschaftsvorsitzender Reinhold Binder legt bei den Verhandlungen einen starken Fokus auf die Ausbildung.
Schwarzach Die Gewerkschaft Pro-GE, eine von sieben Teilgewerkschaften, die im ÖGB vereint sind, ist die größte Arbeitergewerkschaft in Österreich mit über 230.000 Mitgliedern. Sie verhandelt etwa 120 Kollektivverträge in verschiedensten Branchen und ist – z. B. in Vorarlberg – wieder am Wachsen. Zurückzuführen ist das auf die aus Sicht der Gewerkschaft guten Verhandlungsergebnisse für die Arbeiter bei den jüngsten Kollektivvertragsverhandlungen als auch auf die Situation am Wirtschaftsstandort, die zu großen Verunsicherungen unter den Beschäftigten geführt hat, ist sich Bundesvorsitzender der Gewerkschaft, Reinhold Binder, sicher. Bei seinem Besuch in Vorarlberg tauschte er sich vor Ort mit Betriebsräten und Gewerkschaftern aus.
Frühjahrslohnrunde startet
Am 5. März startet die Frühjahrslohnrunde für rund 130.000 Industriebeschäftigte – ein Austausch vor dem Start ist für Binder, der auch für die SPÖ seit Oktober 2024 im Nationalrat ist, wichtig. Die Elektro- und Elektronikindustrie, der es derzeit nicht wirklich gut geht, macht den Anfang, es folgen die Textilindustrie, die chemische Industrie, die Papierindustrie und zum Abschluss die Glasindustrie ab 12. Mai. Binder sieht eine zumindest leichte Erholung in der österreichischen Wirtschaft, deshalb wird es heuer wohl ein härteres Feilschen um die KV-Erhöhungen geben als im vergangenen Jahr. Was ihm aber besonders wichtig ist: In allen Branchen werde er das Thema Ausbildung in den Fokus rücken. Der Gewerkschafter fordert angesichts eines Rückgangs bei den Lehrlingszahlen eine “Strafzahlung” durch nicht ausbildende Betriebe, die den Sozialpartner Wirtschaftskammer auf die Palme gebracht hat. Er brachte einen Ausbildungsfonds ins Spiel, der von jenen Firmen dotiert werden soll, die nicht ausbilden, erklärt er im Gespräch mit den VN.

Die Argumente der Unternehmervertretung lässt er nicht gelten. “Ich richte einen Appell gerade an die Vorarlberger Betriebe”, sagt er, und legt Zahlen vor: “Die rückgängigen Zahlen der Erstjahr-Lehrlinge in Vorarlberg sind mit 8,9 Prozent österreichweit nach wie vor mit Abstand am höchsten.” In der Industrie sei der Rückgang mit 10,9 Prozent sogar im zweistelligen Bereich. “Qualifizierte Fachkräfte, die in vier Jahren fehlen”, so Binder, der auch darauf verweist, welche Aufgaben in Zukunft der Wirtschaft dräuen: technologischer Wandel, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz – und ja: auch die Demografie. Früher, so der Gewerkschafter, seien die Kinder ihren Eltern über Generationen in die Betriebe gefolgt, haben eine Lehre absolviert, “diesen Stolz der Industriearbeitnehmer braucht man wieder”, so der Vollblut-Gewerkschafter. Damit es wieder so wird, habe die Pro-GE durch zähes Verhandeln beim KV erreicht, dass Lehrlinge im ersten Lehrjahr eine deutlich erhöhte Entschädigung, meist über 1.000 Euro, erhalten.
Auf der Wachstumsspur
Binder war auch maßgeblich an der kürzlich von der Bundesregierung präsentierten Industriestrategie beteiligt und ist überzeugt, damit die Unternehmen im Land wieder auf die Wachstumsspur zu bringen. Und spätestens dann brauche man die Lehrlinge, aber auch die Energiepreise müsse man ebenso wie die Inflation wieder in den Griff bekommen und dafür seien die geplanten und ergriffenen Maßnahmen der Regierungskoalition richtig.
Klar positioniert er sich auch in Sachen Aufschwung durch die Defense Industry, die derzeit boomt. “Ich will nie eine Wette auf Kriege setzen, das ist für Österreich nicht gut”, erklärt Binder. “Die Hauptstrategie muss der Frieden sein und nicht der Krieg.”