Traditionsladen Feurstein macht zu: 155 Jahre Geschichte enden

Nach mehr als einem Jahrhundert schließt der Schreibwarenladen “Daniel Feurstein” in Dornbirn. Mit dem Abschied von Annette Bohle geht auch ein Ort verloren, an dem viele Stammkunden regelmäßig zusammenkamen.
Von Pia Prodinger
Dornbirn Nach 155 Jahren und vier Generationen endet in Dornbirn ein Kapitel: Der Schreibwarenladen “Daniel Feurstein” schließt am 31. März endgültig seine Türen. Die Druckerei hinter dem Verkaufsladen läuft aber noch weiter bis in den Sommer. Was einst als kleiner Familienbetrieb begann, entwickelte sich über Jahrzehnte zu einem vertrauten Ort für Schulkinder, Berufstätige und vor allem für viele ältere Menschen, die hier nicht nur einkauften, sondern auch miteinander ins Gespräch kamen und soziale Kontakte pflegten.

Kein leichter Abschied
Für Annette Bohle, die den Laden seit vielen Jahren führt, bedeutet die Schließung zugleich den Schritt in die Pension. Ganz unberührt lässt sie dieser Abschied nicht. Zu viele Begegnungen und Geschichten sind mit ihrem Geschäft verknüpft. 40 Jahre verkaufte sie Schulanfängern ihre ersten Füller, Gratulanten Geschenkkarten und den Dornbirnerinnen und Dornbirnern alles, was es für das Büro braucht.

“Im Jahre 1870 hat mein Urgroßvater die Druckerei gegründet”, erzählt die 62-Jährige lächelnd. Der Abschied fällt ihr dennoch nicht leicht. “Es ist sehr emotional, aber es ist gut so, wie es ist. Das Kaufverhalten der Kunden hat sich stark verändert”, erklärt Bohle. Der Alltag eines klassischen Papierwarengeschäfts sei heute viel schwieriger geworden. “Wir sprechen eher ältere Kundschaft an und der Onlinehandel heutzutage macht es zusätzlich schwieriger.”

Neue Wege
Für die Geschäftsführerin bedeutet die Schließung auch einen persönlichen Neubeginn. Sie geht in Pension, und wie es danach weitergeht, ist noch offen. “Wir schauen, wo die Reise hingeht”, sagt sie optimistisch. Auch einen Nachmieter gibt es noch nicht.

Eine ungewisse Zeit
Vor allem für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeutet die Schließung eine ungewisse Zeit. “Eine Mitarbeiterin muss jetzt für dreieinhalb Jahre einen neuen Job suchen”, erzählt Annette Bohle. Auch die Beschäftigten in der angeschlossenen Druckerei müssen sich neu orientieren.
Für das kleine Team sei diese Umstellung nicht einfach, weiß auch Bohle. Viele seien schon lange im Betrieb und stark mit dem Geschäft verbunden. Die bevorstehende Auflösung stelle sie vor eine Situation, die niemand gern erlebt.

Für viele ein Begegnungsort
Besonders betroffen zeigen sich die Stammkunden, denn viele von ihnen kennen das Geschäft schon lange. “Die sozialen Kontakte, das Reden, das Lachen, werden unseren Kundschaften sehr fehlen”, sagt die Inhaberin.
Der Laden war für ältere Menschen oft ein Begegnungsort, ein Platz für kurze Gespräche und vertraute Gesichter. Mit der Schließung verschwindet nicht nur ein Geschäft, sondern ein Stück alltägliche Nähe im Zentrum der Dornbirner Innenstadt.

