Eine App gegen die Angst: Wie Marc Reutz für Sicherheit an öffentlichen Orten sorgt

Mit “connected” setzt der 23-Jährige ein starkes Zeichen gegen Gewalt an Frauen.
Mäder Viele Frauen kennen diese Situation: Es ist abends, es ist dunkel, der Heimweg wirkt plötzlich länger als sonst – und das Gefühl der Unsicherheit geht mit. Für seine Kolleginnen war Marc Reutz in solchen Momenten oft die erste Anlaufstelle.
“Sie haben mich angerufen, wenn sie auf dem Heimweg waren und sich unwohl fühlten”, erzählt der 23-Jährige. Manche hätten Belästigungen erlebt, auch das Thema K.-o.-Tropfen sei immer präsenter geworden. “Aber was ist, wenn ich einmal nicht erreichbar bin? Oder wenn es wirklich zu einem Notfall kommt?” Diese Frage ließ ihn nicht mehr los.

Großes Arbeitspensum
Marc Reutz arbeitet als Softwareentwickler in einem Oberländer Unternehmen und studiert außerdem Informatik an der Fachhochschule. Obwohl er damit ohnehin stark eingespannt ist, entschied er sich, eine Lösung für dieses Problem zu entwickeln. “Mein Arbeitspensum war bereits sehr hoch. Aber ich kann nicht einfach herumsitzen. Wenn ich für eine Idee brenne, muss ich etwas tun”, sagt er über seinen Antrieb.
Reutz meldete sich beim Pre-Inkubationsprogramm von Startup Vorarlberg an, das junge Gründer vier Monate lang bei der Umsetzung ihrer Ideen begleitet. So entstand seine App “connected”.

Drei Sekunden bis zum Alarm
Wie die Anwendung funktioniert? “Die Nutzerin oder der Nutzer muss drei Sekunden auf den Handybildschirm drücken, dann wird der Alarm ausgelöst.” Hinterlegte Kontakte werden automatisch verständigt und können den Live-Standort mitverfolgen. Die App ist für iOS-Nutzer kostenlos verfügbar. “Mir ist wichtiger, dass sich die Menschen sicher fühlen, als damit Geld zu verdienen”, sagt der 23-Jährige. Der Standort wird dabei nur beim Auslösen des Alarms geteilt. “Es ist also keine Stalking-App”, betont Reutz.
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Langfristig möchte er die Nutzerzahl deutlich erhöhen. Auch bei Festivals oder Großveranstaltungen sieht er großes Potenzial. “Viele junge Menschen in meiner Generation gehen nicht mehr so gern auf große Events, weil sie sich dort unsicher fühlen.”
Studium und Unternehmen
Außerdem stehen weitere Ziele an. Nach dem Bachelorabschluss soll der Master folgen. Außerdem hat er mit Axiona ein Einzelunternehmen für Softwarelösungen gegründet. Denn die Begeisterung für Informatik begleitet ihn seit seiner Kindheit. “Mein Vater hat mich sehr geprägt. Er verfügt über enormes technisches Know-how – das hat mich schon früh fasziniert.”

Dass Künstliche Intelligenz ihn bald ersetzen könnte, glaubt er indes nicht. “Für Prototypen ist KI sehr hilfreich. Aber sobald es bei Apps um komplexe Funktionen und Lösungen geht, stößt sie an Grenzen.” Gerade deshalb war ihm wichtig, dass “connected” mehr ist als ein technisches Produkt. “Es geht um das Menschliche, um das Wohlbefinden im realen Leben.”