Hybride Konflikte: “Wir müssen schauen, dass wir ins Handeln kommen”
![ABD0121_20260205 – BRAUNSCHWEIG – DEUTSCHLAND: ++ ARCHIVBILD ++ ARCHIV – 21.10.2025, Niedersachsen, Braunschweig: Ein DLR-Mitarbeiter hlt eine Drohne vor einem Fahrzeug zur Drohnendetektion auf dem Gelnde vom DLR Deutsches Zentrum fr Luft- und Raumfahrt bei der Erffnung des Drohnentestfelds Flybots. Mit dem Forschungsfahrzeug knnen Drohnen am Himmel erkannt, verfolgt und ggf. identifiziert werden. (zu dpa: […]](/2026/03/ABD0121-20260205-1-768x462.jpg)
Wehr- und Wirtschaftsexperte Bernhard Müller sieht bei Unternehmen Nachholbedarf, um sich in einer neuen weltpolitischen Lage stabil aufzustellen.
Bregenz “Hybride Konflikte und wie diese die Logik der Unternehmensführung verändern” ist der sperrige Titel für ein Thema, das trotz der allerorten brennenden Krisenherde und einer völlig veränderten Weltpolitik für die Wirtschaft in gleich mehreren Bereichen drängt. Bernhard Müller, beim international vernetzten Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers Österreich (PwC) für den Bereich “Defence & Security” verantwortlich, appelliert zusammen mit PwC Österreich-CEO Rudolf Krickl im Gespräch mit den VN an die Topmanager der österreichischen Wirtschaft, dieses Thema in den Fokus zu nehmen. Denn Gefahr droht gleich von mehreren Seiten. “Wir müssen schauen, dass wir ins Handeln kommen.”
Krisen überdauern
“Resilienz muss einen höheren Stellenwert bekommen, so hoch, dass wir in Österreich in der Lage sind, Krisen zu überdauern. Das beginnt bei den Lieferketten: Wie sensibel diese sind, zeigt derzeit wieder an der Straße von Hormus eindrücklich. Das trifft auch die digitale Welt, denn Cyberangriffe auf Unternehmen werden nicht nur von Kriminellen ausgeführt, sondern sind auch Teil der hybriden Kriegsführung”, so Müller, dessen Expertise unbestritten ist. Der Partner für Defence & Security bei PwC Legal Austria arbeitet an der Schnittstelle von Verteidigung, Sicherheit und öffentlichem Wirtschaftsrecht. Als Milizoffizier mit über 30 Jahren Erfahrung verantwortete er 2023–2025 als Vorsitzender die Beschaffungsprüfkommission im Verteidigungsministerium für zentrale Vorhaben des Aufbauplans 2032+.

“Wenn möglich, sollten die Unternehmen auch in mögliche Energiequellen und -ketten investieren”, erklärt er und weist darauf hin, dass es Anstrengungen brauche, um kritische Infrastruktur vor Sabotage und Angriffen zu schützen. In den Unternehmen selbst gelte es, Themen wie Werkschutz, Drohnen-Bedrohung oder auch Cyber-Fähigkeiten im Auge zu behalten. “Das Bewusstsein ist gewachsen, es hat bereits ein Umdenken in den Chefetagen der Unternehmen eingesetzt”, informiert Krickl, doch es bedürfe einer weiteren Schärfung, die Effektivität vor Effizienz setze, d. h. die richtigen Dinge zu tun, um ein Ziel zu erreichen, und nicht etwa darauf zu achten, Dinge mit minimalem Einsatz zu erledigen. “Das ist ein neuer Führungsansatz”, so Krickl, der die Unternehmen wie den Standort resilienter machen würde.
Was ist zivil, was militärisch?
Ein großes Thema in der Produktion und im Portfolio ist auch die Definition von Dual Use: Was gilt als Rüstungsprodukt, wo sind die Grenzen? “Alles, was retten, löschen, schützen kann, ist sowohl im zivilen Bereich als auch im militärischen Bereich einsetzbar”, erklärt Müller, aber da brauche es klare Einschätzungen etwa von der Europäischen Investitionsbank und von politischer Seite. Eine der Fragen, die jetzt beantwortet werden müssen, sind auch die Möglichkeiten für österreichische und auch Vorarlberger Firmen, in die Rüstungs- bzw. die Defense-Industrie einzusteigen. “Auf Initiative der IV und WKÖ wird derzeit an einer Novelle gearbeitet, um den Export von Dual-Use- bzw. Verteidigungsgütern zu erleichtern, die nicht ausschließlich militärischen Zwecken dienen.”
Europäischer Schulterschluss
Jetzt in die Defense-Industrie einzusteigen, sei ein langfristiges Unterfangen, weiß Müller. Mit einer Vorlaufzeit von rund elf Jahren und einem Produktionszyklus von fünf bis zwölf Jahren sei zu rechnen. Insgesamt aber brauche es auch einen europäischen Schulterschluss, was die Sicherheitspolitik angehe. “Europa muss sich aber schnell einigen, das geht bisher viel zu langsam”, analysiert Defence- und Militärfachmann Müller. Unternehmen sind also gefordert, nicht darauf zu warten, sondern sich selbst krisensicher aufzustellen.