Privatstiftung pleite: Was passiert jetzt mit dem Chalet N?

Markt / 11.03.2026 • 17:39 Uhr
Privatstiftung pleite: Was passiert jetzt mit dem Chalet N?

Insolvenz der Laura Privatstiftung könnte Verkauf des Luxusdomizils in Oberlech auslösen – auch die Hypo Vorarlberg ist mit Pfandrechten im Grundbuch.

Lech, Innsbruck Die Laura Privatstiftung hat am Mittwoch (11. März 2026) einen Eigenantrag auf Insolvenz gestellt. Grund für den Antrag sind Schiedssprüche des internationalen Schiedsgerichts ICC in Genf, die die Stiftung zur Zahlung von mehr als 900 Millionen Euro inklusive Zinsen an drei Gesellschaften aus den Vereinigten Arabischen Emiraten verpflichten.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von APA Livecenter angezeigt.

Die Laura Privatstiftung wurde 2007 von René Benko und seiner Mutter Ingeborg Benko offiziell gegründet. Sie hält zahlreiche Unternehmensbeteiligungen sowie einen umfangreichen Immobilienbestand.

Privatstiftung pleite: Was passiert jetzt mit dem Chalet N?
René Benko muss sich in verschiedenen Verfahren vor Gericht verantworten. apa

Vom Schlössle zum Chalet N

Für Vorarlberg besonders relevant ist die Beteiligung “Laura AT 2019 Zwei GmbH”, die der Stiftung gehört. Über mehrere Gesellschaften – die Laura Chronos GmbH und die Laura Cloris GmbH – hält sie indirekt die Muxel Berggasthof Schlössle GmbH. Dieser wiederum gehört das Chalet N in Oberlech, jenes luxuriöse Anwesen, das ein Hotel sein sollte, aber Benko bekanntlich gerne als Privatresidenz nutzte. Das Haus kann immer noch offiziell gebucht werden – eine Woche kostet derzeit rund 375.000 Euro.

Privatstiftung pleite: Was passiert jetzt mit dem Chalet N?
Das Chalet N in Oberlech gehört über ein Firmengeflecht der Laura Privatstiftung.Alexandra Serra

Die Geschichte des Chalet N reicht dabei bis ins Jahr 2011 zurück. Damals ließ Benko den traditionsreichen Berggasthof Schlössle abreißen und errichtete an dessen Stelle das Luxusdomizil, dessen Wert Immobilienexperten mit mindestens 40 Millionen Euro beziffern.

Privatstiftung pleite: Was passiert jetzt mit dem Chalet N?
Seit geraumer Zeit kann es auch privat gemietet werden – zu stolzen Preisen.vmh

Eine Herkulesaufgabe

Die Vorstände der Laura Privatstiftung gehen derzeit von Verbindlichkeiten in Höhe von rund 1,07 Milliarden Euro aus. Dem stehen Vermögenswerte von etwa 327 Millionen Euro gegenüber. Klaus Schaller, Leiter des KSV1870 in Innsbruck, spricht von einer “Herkulesaufgabe”. Nach seiner Einschätzung handelt es sich um eines der komplexesten Insolvenzverfahren, das es in Österreich je gegeben hat.

Privatstiftung pleite: Was passiert jetzt mit dem Chalet N?
Ein Blick in die Innenräume, hier der Wellnessbereich.Privat

Auch die Hypo Vorarlberg taucht im Zusammenhang mit der Laura Privatstiftung auf. Denn die Bank hat der Signa-Gruppe bekanntlich mehrere Kredite gewährt, unter anderem für das Chalet N. Im Grundbuch der Liegenschaft ist sie mit zwei Pfandrechten über insgesamt rund 20,8 Millionen Euro eingetragen.

Privatstiftung pleite: Was passiert jetzt mit dem Chalet N?
Das Chalet N wird als Sechs-Sterne-Deluxe-Haus angepriesen und verfügt über zehn Suiten.Privat

Wer bekommt was?

Für die Immobilie, um die es in den vergangenen Jahren viele Schlagzeilen gab, steht nun vermutlich der Verkauf an. Die Frage ist, welche Gläubiger im Insolvenzverfahren bedient werden beziehungsweise ob sich die Hypo Vorarlberg Hoffnung machen kann, wenn allein der Staatsfonds aus Abu Dhabi schon 900 Millionen Euro will? Die Antwort lautet grundsätzlich ja, sagt Klaus Schaller zu den VN. Denn in Österreich gilt eine strenge Rangordnung im Insolvenzrecht. So werden zunächst die besicherten Gläubiger – also die Bank mit Pfandrechten – aus dem Verwertungserlös bedient. Erst ein allfälliger Überschuss fließt in die allgemeine Insolvenzmasse, aus der dann die übrigen Gläubiger anteilig bedient werden. Da die “Laura AT 2019 Zwei GmbH” allerdings nur eine Beteiligung der Laura Privatstiftung ist, stellen sich hier noch weitere Fragen, die es nun vom Insolvenzverwalter zu klären gilt.

Privatstiftung pleite: Was passiert jetzt mit dem Chalet N?
Zuvor stand der Berggasthof Schlössle auf dem Grundstück. Bernd Hofmeister