Wie Anna Grausgruber mit Senseven die industrielle Inspektion verändert

Markt / 03.04.2026 • 14:25 Uhr
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Anna Maria Grausgruber stellte das Geschäftsmodell des Startups in Götzis vor.Frederick Sams

Vorarlbergerin gewinnt Startup-Wettbewerb in Götzis. Die Lösung erkennt Lecks in Ventilen.

Götzis, Wien “Unser System ist wie ein digitales Stethoskop”, sagt Anna Maria Grausgruber über das Geschäftsmodell von Senseven. Das Startup hat es sich zur Aufgabe gemacht, die industrielle Inspektion völlig neu zu denken.

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Die Lösung von Senseven verknüpft Smartphone, Schallemissionssensoren und Software.Senseven

Die Lösung des Wiener Unternehmens erkennt mittels Schallemissionssensoren, Smartphone und Software Leckagen in Ventilen. KI-Modelle liefern außerdem eine Schätzung der Leckgröße dazu. “Damit kann jeder Ventile auf ihre Dichtheit überprüfen. Unabhängig davon, ob Gas, Dampf, Öl oder Wasser durchfließt”, sagt die Vorarlbergerin, die für ihr Studium von Nüziders nach Wien zog und seither in der Bundeshauptstadt lebt. Mitarbeitende können quasi in die Maschinen bzw. die geschlossenen Systeme hineinhören und dadurch mögliche Schäden frühzeitig erkennen.

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Die Jury mit allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern beim Startup-Pitch in Götzis.Frederick Sams

Ein mannhohes Ventil

“Unsere Mission ist es, Kunden mehr Flexibilität zu geben und gleichzeitig Zeit und Kosten zu sparen”, erklärt Grausgruber im VN-Gespräch. Denn ein Dampfverlust in einem Kraftwerk oder einer Raffinerie kann immense finanzielle Folgen haben. Bisher mussten regelmäßig alle Ventile ausgebaut und ausgetauscht werden – ein Aufwand, der besonders offshore enorme Logistik erfordert. “Ein einzelnes Ventil kann mannhoch sein. Dann braucht es Helikopter, Kran oder Schiff für den Austausch”, berichtet Grausgruber über die bisherigen Herausforderungen.

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Anna Maria Grausgruber will mit Senseven den Kunden Zeit und Geld ersparen.Frederick Sams

100 Kunden, 40 Länder

100 Kunden in 40 Ländern weltweit vertrauen mittlerweile auf die Senseven-Lösung, die aktuell vor allem in den Branchen Öl und Gas, Chemie und Petrochemie eingesetzt wird. “Wir haben von Tag eins an global gedacht”, sagt Anna Grausgruber, die zuvor die globale Finanzmarktkommunikation bei der Wienerberger AG leitete, bevor sie zur Mitgründerin wurde. “Ich war in Karenz und wollte flexibler arbeiten”, begründet sie den Schritt in die Selbstständigkeit. Als ihr Mitgründer die Idee für Senseven vorstellte, erkannte sie sofort das enorme Potenzial im Bereich Wartung. Denn die Ventile sind nur ein Anwendungsfall. Senseven arbeitet daran, die Technologie auch auf andere Anlageteile wie etwa Kondensatableiter auszuweiten.

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Anna Grausgruber mit den Jurymitgliedern Udo Filzmaier, René Krall, Lukas Rippitsch, Snezana Arsic und Johanna Ernst (v. l.).Frederick Sams

Startup des Jahres

Kürzlich stellte Grausgruber das Geschäftsmodell bei der glaubandich-Challenge in Götzis vor. Bei dem Wettbewerb suchen Erste Bank und Sparkasse österreichweit bereits zum fünften Mal das Startup des Jahres. Grausgruber gewann mit Senseven den ersten Platz in der Kategorie “Industry & Green Mobility”. Jurymitglied René Krall, Leiter des Bereichs KMU der Dornbirner Sparkasse, war von dem Pitch generell sehr begeistert. “Das Niveau der Präsentationen und das Niveau der Startups war dieses Mal enorm hoch. Letztlich hat aber Anna Grausgruber am meisten überzeugen können, weil sie am besten in der Lage war, das Geschäftsmodell auch Branchenfremden zu vermitteln.” Das große Finale findet am 13. April in Wien statt.