“Wichtig, dass unsere Mitarbeitenden eine Zukunftsperspektive haben”

Markt / 07.04.2026 • 15:25 Uhr
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Die Wohnanlage Längleweg in Altach. In der Anlage, die höchsten Nachhaltigkeitskriterien entspricht, stehen bereits fertiggestellte Wohnungen zum Verkauf.FA

Bauunternehmer berichtet nach Insolvenzeröffnung über seine schwersten Stunden. Und darüber, dass fast alle Mitarbeitenden einen neuen Arbeitsplatz haben.

Altach, Feldkirch “Ich hätte früher reagieren müssen, die Firma zu verschlanken habe ich verpasst”, sagt Gerhard Müller, Eigentümer und Geschäftsführer der Müller Bau GmbH & Co KG, über die am 2. März auf Eigenantrag das Konkursverfahren am Landesgericht Feldkirch eröffnet wurde, im Gespräch mit den VN. Er habe einfach immer daran geglaubt, dass die Krise am Wohnungsmarkt nicht so lange dauere, “dass man das durchstehen kann.” Doch das Altacher Unternehmen ist nicht groß genug, um den Wohnbau mit anderen Sparten auszugleichen, und andererseits zu groß, um in schwierigen Zeiten durchzuhalten – “eine Zwischengröße”. Es wurde Opfer der schlussendlich jahrelang anhaltenden Abwärtsbewegung im Wohnbau.

“Immer besser bauen”

Dabei gilt Gerhard Müller in der Branche als Vordenker. Die Müller Bau GmbH & Co KG wurde von ihm als Gemeinwohl-Unternehmen positioniert, die Bauten sind sowohl architektonisch als auch ökologisch vorbildlich. “Ich wollte immer besser bauen, wenn ich weiß, dass es möglich ist”, sagt der gelernte Architekt im Gespräch mit den VN. Die Margen wurden deshalb nicht höher, “die waren sehr gering”. Er habe einfach nicht damit gerechnet, dass die Krise im Wohnbau so lange andauert. Irgendwann traf er dann die Entscheidung, keine Wohnanlagen mehr zu bauen, sondern Bauaufträge auszuführen. Doch auch das brachte nicht die notwendige Auslastung. Die Zinsen für unbebaute Grundstücke und nicht verkaufte Wohnungen wurden für Müller Bau zur Last, die nicht mehr zu stemmen war. Dazu kamen die Personalkosten, die innerhalb von drei Jahren um fast 20 Prozent gestiegen sind. Dennoch war ihm, als schließlich klar wurde, dass die Lage nicht besser wird, “wichtig, dass die Mitarbeitenden eine Zukunftsperspektive haben”, erzählt er. Gelungen ist ihm schlussendlich, dass der größte Teil der Mitarbeitenden weiterhin einen sicheren Arbeitsplatz hat.

"Wichtig, dass unsere Mitarbeitenden eine Zukunftsperspektive haben"
Bauunternehmer Gerhard Müller musste im März den Gang zum Handelsgericht antreten. Nun berichtet er über die Integration der meisten Mitarbeitenden bei Hilti & Jehle.VN/Paulitsch

Die Müller Bau-Mitarbeitenden werden in die Hilti & Jehle-Gruppe integriert, kann er berichten, “seit Anfang April alle einen neuen Dienstvertrag”. Neben rund 30 Mitarbeitenden werden auch Müller und weitere Führungskräfte ab sofort ihren Arbeitsplatz in Altenstadt bei Hilti & Jehle haben. “Unser Unternehmen verbindet mit Müller Bau eine enge Zusammenarbeit im Bereich Holzbau. Durch die Übernahme sichern wir bestehende Aufträge und schaffen zusätzliche Auslastung. Das gibt uns Stabilität und eröffnet gleichzeitig neue Perspektiven für unsere Kunden, vor allem private Hausbauer”, erklärt Anna Hilti, Geschäftsführerin des Feldkircher Bauunternehmens.

Zukunftsorientierte Lösungen

Für Müller, der bei Hilti & Jehle die Leitung des Bereichs Bauen und Sanieren übernimmt, und Anna Hilti ist wichtig, dass mit diesem Schritt das Potenzial und das Leistungsangebot in den Bereichen Bauen und Sanieren im Bestand sowie im gesunden, nachhaltigen Einfamilienhausbau gezielt ausgebaut und weiter gestärkt werden. Künftig werde man noch mehr innovative und zukunftsorientierte Lösungen im Wohnbau entwickeln. Nachverdichtung und Sanierung seien zentrale Lösungen gegen Bodenversiegelung und für den Klimaschutz, erklären Hilti und Müller.

"Wichtig, dass unsere Mitarbeitenden eine Zukunftsperspektive haben"
Hilti & Jehle-Geschäftsführerin Anna Hilti: “Durch die Übernahme sichern wir bestehende Aufträge und schaffen zusätzliche Auslastung.” Das eröffnet gleichzeitig neue Perspektiven für unsere Kunden, vor allem private Hausbauer.FA/Rauch

“Ich will das Bauen mitgestalten”, erklärt Müller, das könne er in dieser Funktion. Schließlich stehe die Branche nicht nur angesichts der Flaute beim Neubau unter Druck, sondern es stehe auch die Transformation an – “es braucht im Bau verbindliche Klimaziele, die eine breite Mehrheit haben, wie sie in anderen Ländern schon auf den Weg gebracht wurden. Und es müsse über die Standards nachgedacht werden, damit sich junge Menschen wieder Eigentum leisten können.”