Götzner Startup Atmosvere kämpft gegen Bots und für ein menschliches Internet

Mit neuem Namen und erweiterten Anwendungen setzen Eva Roth und Ludwig Thoma ein Zeichen gegen digitale Manipulation.
Götzis Bei Startups tut sich innerhalb kurzer Zeit oft viel. So auch bei der Götzner Firma Atmosvere von Eva Roth und Ludwig Thoma. Gegründet wurde das Unternehmen ursprünglich unter dem Namen Trusted Accounts, nun erfolgte die Umbenennung – und das aus einem erfreulichen Grund.
Identifikation von Nutzern
Anfangs entwickelten die Gründer eine Anwendung, mit der sich Nutzer auf Internetplattformen als echte Menschen verifizieren können, ohne dabei ihren Namen preiszugeben. So lässt sich nachweisen, dass es sich um reale Personen handelt. Die Lösung dient damit als Schutzschild gegen Manipulation und Missbrauch im Netz. Doch mit den zunehmenden Gefahren im Internet erweiterten sich auch die Einsatzmöglichkeiten des Startups.

“Haben lange überlegt”
„Wir haben zunächst gehadert und lange überlegt, ob wir unter einem neuen Namen auftreten sollen. Den richtigen Zeitpunkt gibt es wahrscheinlich nie, aber das Bauchgefühl stimmt“, sagt Mitgründerin Eva Roth. Da sich das Produkt stetig weiterentwickelt habe, sei der ursprüngliche Name nicht mehr passend gewesen. „So wie die Atmosphäre als Schutzschild für die Menschheit agiert, wollen wir das auch für das Internet sein. Wir lassen das Gute durch und schützen es vor schlechten Vorhaben.“ Aus diesem Gedanken heraus entstand der neue Name Atmosvere.
Ein zentrales Problem stellen sogenannte „Bots“ dar – automatisierte Computerprogramme, die menschliches Verhalten imitieren und bösartige Handlungen ausführen. „Das betrifft längst nicht mehr nur die Nutzerverifizierung“, erklärt Ludwig Thoma. „Auch im Marketing ist der Traffic auf Webseiten oft nicht echt, sondern belastet lediglich die Server. Rund die Hälfte des gesamten Internet-Traffics stammt inzwischen nicht mehr von echten Menschen, sondern von Bots oder KI-Agenten.“

Neue Anwendungsfälle
Diese Entwicklung eröffnet neue Anwendungsfelder für das Götzner Startup. „Unsere Lösungen sind für viele Branchen geeignet, in unseren Köpfen schwirren zahlreiche Industrien. Dennoch müssen wir uns fokussieren“, betont Roth. Der Schwerpunkt liege weiterhin auf dem Bereich News und Medien, ergänzt um einen neuen Fokus auf den E-Commerce.

In der Auswertung ist derzeit auch ihre Studie mit der Technischen Universität München. Untersucht wird, in welchem Ausmaß Nachrichtenseiten von Inhaltsdiebstahl betroffen sind. Ziel ist es, exklusive Inhalte auch tatsächlich exklusiv zu halten. Insgesamt werden dabei rund 150 Millionen Datensätze analysiert.

Die Vision von Eva Roth und Ludwig Thoma für Atmosvere ist ambitioniert: „Wir wollen das Internet am Leben erhalten. Es soll nicht von bösartigen Bots und Künstlicher Intelligenz dominiert werden, sondern menschlich bleiben und der Gesellschaft dienen.“
Das tote Internet
Damit positioniert sich das Startup quasi als Gegengewicht zur sogenannten „Dead Internet Theory“, die besagt, dass das Internet, wie wir es einst kannten, bereits „gestorben“ sei, da ein Großteil der Inhalte und Interaktionen nicht mehr von Menschen stammt. „Wir werden alles daransetzen, dem entgegenzuwirken. Das motiviert uns jeden Tag. Als Startup erlebt man immer wieder schwierige Phasen, aber diese Vision gibt uns die nötige Energie. Wir brennen für eine bessere Zukunft.“