“Jeder kann ein freundlicher Teil dieser Welt sein”

Das Female Future Festival zeigt, wie viel Kraft in echter Vernetzung steckt.
Bregenz Braucht es eine Veranstaltung nur für Frauen? Diese Frage stellt sich jedes Jahr, wenn Verena Eugster und Patricia Zupan-Eugster zum Female Future Festival ins Festspielhaus laden. Wer dann jedoch rund 1000 begeisterte Teilnehmerinnen – und auch immer mehr Teilnehmer – erlebt, bekommt schnell eine mögliche Antwort.
Tournee bis Hannover und Graz
Die beiden Unternehmerinnen, die insgesamt 23 Großveranstaltungen pro Jahr organisieren, hatten ihre eigenen Aha-Momente. Verena Eugster stand vor 16 Jahren bei einem Halbmarathon nahezu als einzige Frau am Start. Daraus entstand der Bodensee-Frauenlauf. Und auch bei Business-Events waren sie oft die einzigen weiblichen Gäste. “Wir haben uns gesagt: Es gibt viele top ausgebildete Frauen, aber sie sind zu wenig sichtbar.” 2019 wurde aus dieser Erkenntnis die Idee für das Female Future Festival. Heute macht die Veranstaltung in neun Städten von Hamburg bis Zürich Station.

Gegenwind gab es von Beginn an. “Braucht es das?”, war nur eine der Fragen. “Wir mussten uns immer wieder beweisen. Aber unser Motto ist: Gas geben, fleißig sein – und so viele Frauen wie möglich vernetzen, motivieren und fördern.”
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Das diesjährige Motto des Female Future Festivals lautete “The Power of Connection” – die Kraft der Vernetzung. Dahinter steckt eine klare Botschaft: “Wir werden oft in Schubladen gesteckt, auf unser Aussehen reduziert – leider häufig von Frauen. Wenn wir beurteilt werden, dann lieber für das, was wir sagen oder tun.” Deshalb liege in der Vernetzung so viel Kraft, denn sie bedeute, einander Türen zu öffnen. “Wer gibt, bekommt es auf irgendeine Art zurück.”

Die verlorene Verbundenheit
Dieses Prinzip griff auch Kulturanthropologin Bettina Ludwig auf. Eine Forschungsreise zu Jägern und Sammlern in der Kalahari-Wüste zeigte ihr, wie stark Gemeinschaft und Zugehörigkeit dort gelebt werden. “Diese Verbundenheit ist uns in der westlichen Welt teilweise verloren gegangen, dabei liegt die Fähigkeit, bedingungslos zu geben, in der Natur des Menschen, egal wann oder wo man geboren ist.”
In einem Selbstversuch stellte sie sich der “100 Days of Giving”-Challenge: 100 Tage lang gab sie täglich bedingungslos – sei es ein Blumenstrauß oder einfach Zeit zum Zuhören. “Viele hat das zum Weinen gebracht. Da frage ich mich: In was für einer Welt leben wir?” Ihre Botschaft: Jeder kann selbst ein freundlicher Teil dieser Welt sein.

“Kein Opfer sein”
Mit Freundlichkeit wuchs Jazzy Gabert nicht auf. Sie lebte im Kinderheim, später auf der Straße. “Ich hatte Angst, war hoffnungslos. Aber eines Tages habe ich mir gesagt: Ich bin kein Opfer.” Ihre Leidenschaft fand sie im Wrestling – “meine Zauberwelt”. Mit Disziplin und Einsatz gewann sie 14 Weltmeistertitel und trat in Japan vor 20.000 Menschen auf. Ihre Botschaft: “Was ich dir gebe, gebe ich auch mir selbst. Wer ehrlich ist, offen, respektvoll und auf sein Inneres hört, der ist ein Held.”