“Wir schlittern von Krise zu Krise, ohne Plan und ohne Vision”

Markt / 24.04.2026 • 13:49 Uhr
"Wir schlittern von Krise zu Krise, ohne Plan und ohne Vision"
STEFAN FRIEDRICH MAYR

Unternehmerin Verena Eugster über das Einsparpotenzial im Doppelbudget.

Das Doppelbudget 2027/28 wird aktuell unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen verhandelt. Wo steckt aus Ihrer Sicht konkretes Einsparpotenzial?

Wenn jetzt im Zuge der Verhandlungen wieder Rufe nach Steuer- und Abgabenerhöhungen laut werden, muss man ganz klar entgegenhalten: Wir haben kein Einnahmenproblem, sondern ein Ausgabenproblem. Einsparpotenzial gibt es vor allem bei den immer wieder genannten strukturellen Doppelgleisigkeiten, in der Verwaltung, bei Förderungen und in der Bürokratie. Hier besteht enormes Potenzial durch schnellere Verfahren, weniger Berichtspflichten und eine konsequente Digitalisierung der Verwaltung.

Die Pensionsausgaben sind ein weiterer großer Budgettreiber. Wie könnte man diesen Bereich angehen?

Wir brauchen ein modernes, flexibles Pensionsmodell, das das Antrittsalter an die Lebenserwartung koppelt. Nur so lassen sich die öffentlichen Finanzen nachhaltig stabilisieren und Spielräume für Entlastungen schaffen, etwa beim Faktor Arbeit. Die aktuelle OECD-Studie “Taxing Wages” zeigt deutlich, wie dringend diese Entlastung ist: Österreich gehört bei der Abgabenbelastung auf Arbeit zur internationalen Spitze und hat damit einen klaren Wettbewerbsnachteil. Hohe Abgaben schwächen die Kaufkraft, bremsen das Wachstum und gefährden Arbeitsplätze. Eine Senkung der Lohnnebenkosten ist daher längst überfällig.

Viele sprechen von fehlenden Visionen in der Politik. Ist das auch Ihr Eindruck?

Wir schlittern von Krise zu Krise, ohne Plan und ohne Vision. Was wir jetzt brauchen, ist ein klares Ziel, wohin es gehen soll, damit wir wieder in Lösungen denken und ins Tun kommen. Wichtig ist für mich: Arbeit muss sich lohnen, für Arbeitnehmer genauso wie für Unternehmer. Es ist eine Katastrophe, wenn Investitionen, Expansionen und Weiterentwicklungen gebremst werden, weil sie sich nicht mehr lohnen. Wenn sich ein Unternehmer fragt, ob er sich den bürokratischen Aufwand und das Risiko noch antun soll, dann ist das ein großer Schaden für alle, wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch. Wir brauchen wieder mehr Unternehmergeist in Österreich. Wir müssen ein Land der Möglichkeiten werden, unkompliziert, zukunftsgerichtet und gewinnbringend!