Nicht von Pappe: Herausforderungen für Wellpappe-Industrie im Steigflug

Markt / 28.04.2026 • 11:55 Uhr
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In Frastanz wurde erst zu Jahresbeginn 2025 die neue Wellpappe-Maschine in Betrieb genommen: Sie ist 135 Meter lang, 300 Tonnen schwer und kostete 16,5 Millionen Euro. FA

Vorarlberger Branchensprecher bilanziert ein schwieriges Jahr 2026 und sieht auch für heuer hohen Druck auf Betriebe.

Wien, Frastanz 2025 war für die heimische Wellpappe-Industrie ein herausforderndes Jahr: Volatile Rohstoffpreise, hohe Energiekosten und das notleidende Konsumklima setzten die sieben Unternehmen, die im Forum Wellpappe die Branche repräsentieren, unter Druck. Das Produktionsvolumen sank im vergangenen Jahr dementsprechend um 1,6 Prozent auf 709 Millionen Quadratmeter, der Umsatz konnte mit 509 Millionen Euro ein minimales Plus von 0,7 Prozent erreichen. “Die Lage bleibt angespannt. Die stabile Nachfrage nach Wellpappe-Verpackungen ist erfreulich, aber die Kosten gehen weiter deutlich nach oben”, fasst Stephan Kaar, Geschäftsleiter des Rondo Wellpappe-Werkes in Frastanz und Sprecher des Forum Wellpappe Austria, das vergangene Jahr zusammen und gibt einen Ausblick auf das laufende Jahr. Die Unternehmen der österreichischen Wellpappe-Industrie müssen sich in einem Markt behaupten, der von hohen Personal- und Produktionskosten sowie großen wirtschaftlichen Schwankungen geprägt ist, betont der Vorarlberger Manager.

Weiterer Druck 2026

Für das Jahr 2026 erwarte die Wellpappe-Branche weiteren Druck. “Wir sehen eine Preisrallye bei Energie, Rohstoffen und Logistik, getrieben durch internationale Krisen. Die kommenden Monate sind schwer kalkulierbar”, so Kaar. “Dank starker regionaler und europäischer Lieferketten sowie hoher Recyclingquoten ist aber die Versorgung aktuell gesichert”, betont der Branchensprecher. Gleichzeitig zu diesen Herausforderungen wachse der bürokratische Aufwand durch neue EU- und nationale Vorgaben deutlich. Eine aktuelle Branchenumfrage zeigt, dass regulatorische Anforderungen mittlerweile zu den großen Belastungsfaktoren zählen, gleichauf mit den stark gestiegenen Arbeitskosten. “Ohne wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen drohen Nachteile für den Standort Österreich und die Betriebe.”

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Stephan Kaar, Sprecher des Forums Wellpappe Austria: “Wir sehen eine Preisrallye bei Energie, Rohstoffen und Logistik, getrieben durch internationale Krisen. Die kommenden Monate sind schwer kalkulierbar.” FA

Die sieben Unternehmen beschäftigen rund 1600 Mitarbeitende und bilden jährlich rund 70 Lehrlinge aus. “Hier setzen die anhaltend hohen Personalkosten unsere Betriebe massiv unter Druck. Allein in den vergangenen fünf Jahren sind die Gehälter um insgesamt 27 Prozent gestiegen. Das können wir durch Produktivitätssteigerungen bei weitem nicht wettmachen”, warnt Horst Santner vom Forum Wellpappe Austria.