Konsumenten auch in schwieriger Zeit fair: Diese Organisation meldet Rekordumsatz

Vorarlberger Konsumenten und Lebensmittelproduzenten sind besonders engagiert bei der Förderung des fairen Handels. Organisation überweist heuer90 Millionen an die Produzenten im Süden.
Schwarzach, Wien Schaut man sich die Bilanz von Fairtrade Österreich an, fällt auf, dass die Lizenzeinahmen um lediglich 0,94 Prozent gestiegen sind. Dass der Geschäftsführer des gemeinnützigen Vereins, Hartmut Kirner, dennoch von einem guten Jahr spricht, hat einen anderen Grund: Denn an die Produzenten der Fairtrade-Produkte konnte die Organisation im vergangenen Jahr 89,3 Millionen Euro überweisen. Und um das gehe es schließlich, erklärt Kirner im Gespräch mit den VN. Der Zweck des “Vereins zur Förderung des fairen Handels mit den Ländern des Südens” ist nämlich genau das: Seit der Gründung 1993 setzt sich Fairtrade fairen Handel mit Bauernfamilien und Beschäftigten auf Plantagen in Afrika, Asien und Lateinamerika ein.

2025 konnte damit ein Gesamtumsatz von 796 Millionen Euro erzielt werden, 90 Millionen oder e12,7 Prozent mehr als im Jahr 2024. Das liege zum einen natürlich daran, dass die Preise für die Produkte am Weltmarkt stark gestiegen seien, aber auch daran, dass die Österreicher vermehrt nach den Produkten mit dem bekannten Logo greifen. “Es freut mich sehr, dass die Konsumenten trotz der Teuerung und Inflation, die sie belastet, weiterhin und sogar verstärkt zu Fairtrade-Produkten greift”, erklärt der Geschäftsführer. In Österreich sind die westlichen Bundesländer deutlich fairtrade-freundlicher als im Osten, informiert er.

Das gilt auch für die Partner: So sind der Lebensmittelspezialist Gunz Fruchtsafthersteller Pfanner echte Pionierbetriebe, aber auch Meisterbäcker Ölz, Amann Kaffee und Rauch verwenden Rohstoffe von Fairtradebetrieben, so Kirner. Im internationalen Vergleich ist Österreich die Nummer 2 mit 88 Euro durchschnittlicher Ausgaben für Fairtrade-Produkte: Nur die Schweizer kaufen mehr Fairtrade-Produkte als wir – sie geben 131 Euro im Jahr dafür aus. Erhältlich sind inzwischen über 2600 Artikel mit dem Fairtradesiegel bei allen großen Händlern von Spar über Sutterlüty, Lidl und Hofer, die auch Eigenprodukte aus Fairtrade-Rohstoffen im Angebot haben.
Erfreuliche Entwicklung
Die erfreuliche Entwicklung geht auf Zuwächse in den meisten Handelsbereichen zurück: 39.502 Tonnen Bananen (+6,9 Prozent), 44.09 Millionen Rosen (+11,3 Prozent) und 11.982 Tonnen Kakaobohnen (+3,7 %) , auch bei Rohbaumwolle gibt es zweistellige Zuwächse – immer öfter auch in Bio-Qualität Zurückgegangen gegenüber 2024 ist das Kaffeegeschäft (5167 Tonnen) mit einem Minus von 6,3 Prozent, vor allem wegen Sortimentsveränderungen und hoher Rohstoffpreise, die Kaffee ob fair oder konvetionell gehandelt inzwischen zum Luxusprodukt im Supermarktregal machen. Und auch wenn die Produzenten derzeit mehr Entgelt für die Urproduktion bekommen. In den Anbauländern verschärft sich die Lage: Die Betriebe – oft sind es Genossenschaften – kämpfen mit klimabedingte Ernteausfälle, unsicheren Weltmarktpreise und steigende Kosten. Und als wäre das nicht genug der Unsicherheit, wirken gleichzeitig politische Krisen negativ auf die globalen Lieferketten ein, erklärt der Geschäftsführer von Fairtrade Österreich.
Hohes Vertrauen
Und liefert gleich ein Beispiel: Momentan seien Düngemittel bei den Produzenten ein großes Thema, berichtet Kirner: Ein Drittel der Düngemittel werden in Nahost hergestellt, auch Folien werden deutlich kostspieliger durch den Nahostkonflikt. Doch neben der Umsatzsteigerung und des Producer Benefits ist auch das Vertrauen in das Fairtrade-Siegel hoch: 98 Prozent der Österreicher kennen das Siegel, 87 Prozent vertrauen ihm. Ein hoher Wert, den auch die Stiftung Warentest in Deutschland mit ihrem aktuellen Siegel-Check bestätigt.