Vom Bodensee in die Burggasse

Die dritte Generation von Luger Mode zog es nach Wien und plant die nächsten Schritte.
Hard, Wien Das Harder Modehaus Luger ist unter modebewussten Vorarlbergerinnen seit 70 Jahren eine Institution. In Wien ist die dritte Generation drauf und dran, sich diesen Ruf zu erarbeiten.

Dort haben die Geschwister Clara und Benedikt Böhler im März erstmals eine zweite Filiale eröffnet. „Viel Second Hand, künstlerisch mit vielen Galerien, kleine Spezialgeschäfte“, so beschreibt Storemanagerin Clara Böhler ihre Nachbarschaft zwischen Museumsquartier und Spittelberg. Überzeugen möchte sie zahlungskräftiges Publikum vor allem durch ausgesuchte Markenkleidung, bunte Looks und persönliche Beratung: „Wenn du heutzutage willst, dass dein Geschäft gut läuft, musst du dem Kunden ein Erlebnis bieten. Er muss sich geborgen fühlen.“
Teamgeist mit „Trüffelschwein“
Die Konkurrenz, ob im hippen 7. Bezirk oder online, ist hart. Das Personal Shopping soll deshalb ausgebaut werden. Zusätzlich zum frechen Instagram-Auftritt wird an der Umsetzung eines Online-Shops gearbeitet. Dass der durchschnittliche Österreicher im Internet am meisten Geld für Bekleidung ausgibt, ist auch Team Luger-Böhler bewusst: 2,3 Milliarden Euro waren es laut einer Studie des Handelsverbands 2025.

Entscheidungen werden nach wie vor mit Tante Judith Luger gemeinsam getroffen, wie Clara Böhler gerne betont. Im Fall von Meinungsverschiedenheiten werden diese ausgeredet. Derzeit befinde man sich in einer Übergangsphase, einen klaren Zeitplan für den Generationenwechsel gebe es nicht. Dennoch sind die Aufgaben klar verteilt.
Die 29-Jährige hält mit fünf Mitarbeiterinnen in der Burggasse die Stellung. Den Einkauf macht Böhler gemeinsam mit Seniorchefin Judith Luger, die sie als Vorarlberger Trendsetterin und daher wertschätzend als „Trüffelschwein der Modebranche“ bezeichnet. Ihr um ein Jahr älterer Bruder Benedikt verantwortet die Finanzen und entscheidet beim Herrensortiment für den Harder Standort mit. Er war es auch, der seine Schwester zum Einstieg ins Familienunternehmen animierte.
Algen inmitten Wiens
In ihrem letzten Job in der Unternehmensberatung im Bereich Lieferkettenmanagement fehlten Clara Böhler die Menschen: „Ich wollte selber etwas machen und nicht dauernd am Laptop sitzen.“ Erfahrung hat Böhler mehr als genug, bereits als Jugendliche jobbte sie im Harder Geschäft. Nach ihrem Studium in Irland und Schweden dockte sie auch beim Unterwäscheproduzenten Palmers und beim auf Sportmode spezialisierten Björn Borg an.

Aus Irland brachte Böhler Herzlichkeit, aus Schweden Bewusstsein für nachhaltige Mode mit nach Wien, wo sie seit vier Jahren lebt. Deshalb gibt es in der Burggasse etwa auch Mode der Marke FTC, die für ihren Mix aus Zellulose, Algen und Kaschmir bekannt ist. „In einer Stadt wie Wien gibt es viele Läden, deshalb musst du spezieller sein als die anderen.“ Auffällig sei, dass die Wienerinnen oft mit einer klaren Vorstellung auf der Suche nach einer bestimmten Marke durch die Tür kämen.
Als Nächstes steht in der Burggasse am Wochenende eine Kunstauktion am Programm. Und weiter voraus gedacht? Die Juniorchefin muss nicht lange überlegen: „Geschäft drei, Geschäft vier? Es bleibt spannend!“