Mit Elektrokraft auf dem Acker: “Günstig, einfach, stabil”

Markt / 26.05.2026 • 17:16 Uhr
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Das Testfahrzeug – die Entwicklung kann im Agrarsektor z. B. in Tansania einen echten Fortschritt bringen – die jungen Tester jedenfalls sind begeistert vom Prototyp. FA/REB-Systems (6)

Drei Studenten der FHV haben einen “Minitraktor” mit Elektroantrieb entwickelt. Das Gerät mache unabhängig von fossilem Treibstoff, ist günstig und soll in Tansania gefertigt werden.

Dornbirn Markus Erhard, Daniel Bickel und Philipp Rigo studieren berufsbegleitend Mechatronik an der Fachhochschule Vorarlberg. Die jungen Männer wissen also, was zielgerichtete Arbeit ist, und das war für sie auch bei ihrem Semesterprojekt ausschlaggebend. Deshalb kam der Vorschlag der “Eine Welt Gruppe Schlins-Röns” zur rechten Zeit. Die Eine-Welt-Gruppe aus dem Walgau stellt integrierte ländliche Entwicklungsprojekte in Tansania in ihren Fokus. Und dabei ist der Gruppe wichtig, den Menschen Werkzeuge zur Hand zu geben, die Selbstbestimmung und Nachhaltigkeit möglich machen.

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Studierende, Entwickler und Unternehmer in spe (v. l.) Markus Erhard, Philipp Rigo und Daniel Bickel.

Die Aufgabe, der sich die drei Studenten stellten, war es, die weit verbreiteten und für die kleinbäuerliche Landwirtschaft essenziellen Einachsschlepper vom Verbrennungsmotor auf Elektroantrieb umzurüsten, und zwar so, dass sie vor Ort produziert und gewartet werden können. Die Finanzierung der technischen Komponenten für die ersten Prototypen dafür wurde vollständig von der “Eine Welt Gruppe” über Spendengelder abgedeckt. “Eine coole Sache”, wie Philipp Rigo betont: Dreieinhalb Monate arbeiteten sie in Vorarlberg an ihrer “Aufgabe”, berichten die Studenten, die nun zu Unternehmern mutieren. “Reb.System FlexCo”, so der Name ihrer Firma, ist aktuell in Gründung.

Gute Grundlage für Schlepper

Erhard, Bickel und Rigo gingen das Projekt von Grund auf an: Mit den Parametern “Günstig, einfach, stabil” starteten sie eine Machbarkeitsstudie. Als Basis für den Prototyp wählten sie einen benzinbetriebenen Einachsschlepper aus den 1950er-Jahren, der eine gute Grundlage für das nachhaltige und umweltfreundliche Fahrzeug bot. Für den Elektromotor wurde angesichts des geplanten Einsatzes in Tansania eine besonders sichere und langlebige Variante des Lithium-Ionen-Akkus ausgewählt, der besonders robust ist und keine kritischen Rohstoffe enthält, informiert Daniel Bickel. Außerdem wurde von den drei Technikern während der gesamten Projektierung darauf Bedacht genommen, dass das Ackergerät von den Nutzern sowohl selbst umgerüstet als auch gewartet und repariert werden kann. Für die Stromerzeugung wird auf Photovoltaik gesetzt.

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Das erste Versuchsmodell der drei Techniker ist ein Modell, das in Vorarlberg im Einsatz war.
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Die große Bewährungsprobe für ihren Traktor und natürlich sie selbst war der Praxistest in Ostafrika, wie sie berichten. Die Reise finanzierten sie aus eigener Tasche. “Wir haben im Vorhinein alles zusammengebaut, im Großen Walsertal ausprobiert und dann mit Unterstützung von Gebrüder Weiss nach Tansania verschifft”, erzählt Markus Erhard. “Es ging dabei um Verbesserungen, mögliche Probleme zu beheben und überhaupt den Einsatz am Feld”, so Rigo. Die künftigen Nutzer waren von Anfang an eingebunden und werden es auch in Zukunft sein: “Die Tansanier führen jetzt ein Logbuch, das mit den ‚Erfindern‘ regelmäßig abgeglichen wird. Ihre Erfahrungen fließen in die Produktion ein, die ebenfalls vor Ort mit dezentralen Microfactorys erfolgen soll.”

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Markus und Philipp mit wissbegierigen Nachwuchstechnikern beim Verkabeln des Fahrzeugs.

Die Geschäftsidee fußt auf soliden Überlegungen: Für die künftigen Kunden und die Vorarlberger Gründer ist wichtig, dass die Geräte nicht teurer sind als solche mit konventionellem Antrieb. Zirka 3000 Euro sind für das Agrar-Fahrzeug zu zahlen. Nach dem Umbau zum Elektro-Schlepper fällt der teure Diesel weg. Der Startschuss für die Serienproduktion in Tansania – derzeit ist ein Standort in der Nähe einer Berufsschule geplant – wird 2027 erfolgen. Die Nutzer bezahlen dann nicht die Batterie, sondern den verbrauchten Strom. Eine wirtschaftliche Perspektive lässt sich mit den Batterien und Ladestationen skalieren. “Der Markt ist riesig”, versichern sie potenziellen Partnern, Investoren oder NGOs.

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Daniel testet das in Vorarlberg entwickelte Agrargerät unter kritischer, aber auch erwartungsvoller Beobachtung.