Wie Privatanleger ihren Anlageerfolg spürbar verbessern können

Markt / 29.05.2026 • 14:51 Uhr
Wie Privatanleger ihren Anlageerfolg spürbar verbessern können
Alexandra Serra

Vermögensberater Martin Walser über psychologische Fallen und typische Verhaltensmuster.

Warum erreichen die meisten Privatanleger langfristig deutlich weniger Rendite als der Kapitalmarkt, auf dem sie sich bewegen?

Studien zeigen seit Jahren, dass die real erzielte Anlegerrendite deutlich unter den möglichen Marktrenditen liegt. Einschlägige Quellen (DALBAR) belegen seit 32 Jahren, dass Privatanleger die Rendite des Markts, auf dem sie investieren, um jährlich drei bis vier Prozent verfehlen. Neben zu hohen Kosten für Anlageprodukte sowie Depot- und Handelsgebühren sind vor allem Verhaltensfehler von Privatanlegern maßgeblich für die schlechte Performance. Neuere Studien (Morningstar: “mind the gap”) legen nahe, dass Selbstentscheider bis zu 1,7 Prozent Renditenachteil pro Jahr durch Verhaltensfehler erleiden. Klingt nicht dramatisch? Ist es aber. Bei einem Investitionsbetrag von 100.000 Euro, zwanzig Jahren Investitionszeitraum und acht Prozent Marktrendite summiert sich der Schaden auf beachtliche 126.700 Euro.

Welche psychologischen Fallen und typischen Verhaltensmuster stecken dahinter?

Der weit überwiegende Teil unserer Alltagsentscheidungen läuft schnell, intuitiv und ohne viel bewusstes Nachdenken ab – nach “Faustregeln” und “Bauchgefühl”. Das ist evolutionär sinnvoll, denn ohne diese mentalen Abkürzungen wären wir ständig geistig überfordert. Bei Investitionsentscheidungen jedoch werden aus diesen nützlichen Heuristiken gefährliche Fallen. Ein klassisches Beispiel ist die Aktualitätsverzerrung: Steigt eine Aktie mehrere Monate kräftig im Kurs, denken viele automatisch: “Das muss ein gutes Unternehmen sein – die Aktie sollte man jetzt kaufen.” Fallen die Märkte stark und ohne erkennbaren Grund, greift der Herdentrieb: “Die anderen werden schon wissen, warum – besser auch verkaufen.” Und hat eine im Kurs gefallene Aktie endlich wieder meinen ursprünglichen Einstiegskurs erreicht, meldet sich der Ankereffekt: “Jetzt bin ich wenigstens wieder bei null – Zeit zu verkaufen.” Diese drei (und viele weitere) Verzerrungen führen dazu, dass wir häufig genau das Gegenteil von dem tun, was langfristig beim Investieren sinnvoll wäre.

Welche konkreten Möglichkeiten hat ein Privatanleger, diese Fallen zu vermeiden und seinen Anlageerfolg spürbar zu verbessern?

Vier Handlungsmöglichkeiten helfen Privatanlegern nachweislich dabei, eine bessere Rendite zu erzielen (am stärksten in Kombination). Erstens: (teilweises) Automatisieren. Ein Sparplan und nach Möglichkeit automatisiertes Rebalancing nehmen Ihnen die Entscheidung in jeder Marktphase ab – egal ob im Crash, in der Euphorie oder im Alltag. Zweitens: schwankungsärmere Produkte wählen. Ein guter Multi-Asset-Fonds mit sieben Prozent Rendite, in dem Sie bleiben, schlägt einen Aktienfonds mit zehn Prozent, aus dem Sie im Crash fliehen. Drittens: einen guten Berater engagieren, der objektiv und unemotional die zu treffenden Entscheidungen unterstützt. Studien (Vanguard) belegen einen deutlichen Mehrwert (vor allem in extremen Marktphasen). Viertens: Wissen über typische Denkfallen aufbauen und das eigene Verhalten diesbezüglich laufend beobachten, um daraus zu lernen.