Mut baut Zukunft. Angst baut Parkplätze

Markt / 01.06.2026 • 09:42 Uhr
Mut baut Zukunft. Angst baut Parkplätze

25 Jahre MuseumsQuartier Wien. Heute ist das MQ eines der Wahrzeichen der österreichischen Kulturlandschaft. Millionen Menschen besuchen jedes Jahr diesen Ort. Kaum jemand würde heute noch behaupten, das Projekt sei ein Fehler gewesen. Dabei war der Widerstand gewaltig. Zu teuer, zu groß, zu elitär. Österreich brauche so etwas nicht.

Mitten in dieser Debatte stand eine Vorarlbergerin: Elisabeth Gehrer. Als zuständige Ministerin hielt sie Kurs, setzte das MQ konsequent um und eröffnete es. Sie ließ sich von Kritik, Protesten und politischen Angriffen nicht beirren. Das Ergebnis kann heute jeder besichtigen. Doch das MuseumsQuartier war nicht ihr einziges Vermächtnis. Unter Gehrers Verantwortung wurde das ISTA in Klosterneuburg auf den Weg gebracht. Heute zählt es zu den renommiertesten Forschungseinrichtungen Europas und genießt weltweit Anerkennung. Wieder gab es Skepsis. Wieder brauchte es Mut. Wieder zeigte sich: Große Projekte werden selten von allen geliebt, bevor sie Realität werden. Vielleicht sollten wir deshalb gerade jetzt über Elisabeth Gehrer sprechen. Nicht wegen der Vergangenheit, sondern wegen der Gegenwart.

Denn wo sind die großen Visionen heute? Die S18 beschäftigt Vorarlberg seit Jahrzehnten. Bei Rhesi wird seit Jahren diskutiert. Die Entwicklung des Bodenseeufers in Bregenz wirkt vielerorts noch immer so, als hätte man sich mit Parkplätzen zufriedengegeben. Von einer unterirdischen Bahntrasse hört man kaum mehr etwas. Überall wird geprüft, diskutiert und verschoben. Natürlich ist Sparen wichtig. Aber ein Land entwickelt sich nicht durch Sparbücher, sondern durch Zukunftsbilder. Wohlstand entsteht nicht dort, wo man Risiken vermeidet, sondern dort, wo man Chancen nutzt. Der Eindruck drängt sich auf, dass wir das Gestalten verlernt haben. Wir verwalten hervorragend. Wir analysieren gründlich. Wir beteiligen vorbildlich. Aber wir entscheiden immer seltener mutig.

Das MuseumsQuartier und das ISTA erinnern daran, was möglich ist, wenn Menschen Verantwortung übernehmen und Gegenwind aushalten. Beides sind Projekte mit internationaler Strahlkraft. Beide Projekte, die Österreich größer gemacht haben und die unter Vorarlberger Beteiligung entstanden sind. Die unbequeme Frage lautet daher: Wo ist heute die Vorarlberger Politikerin oder der Vorarlberger Politiker, über den man in 25 Jahren dasselbe sagen wird? Wollen wir in 25 Jahren für unsere Visionen bekannt sein – oder für unsere Parkplätze?