“Müssen zur Kenntnis nehmen, dass wir gesteckte Ziele nicht erreichen”

Markt / 15.06.2026 • 16:52 Uhr
Rosen Waibel
In den vergangenen Jahren wurden in der Gärtnerei millionenschwere Investitionen angeschoben. FA

Der Antrag auf Sanierung für drei Waibel-Betriebe schockt die Branche, die seit Jahren einem harten Wettbewerb ausgesetzt ist. Die Sanierung kann gelingen, denn das Unternehmen verfügt über Grundstücke und Immobilien, die verkauft werden sollen.

Mäder, Münchendorf Wer in einem österreichischen Supermarkt einen Strauß Blumen kauft, nimmt in den meisten Fällen einen Strauß des Vorarlberger Gärtnerei- und Blumenhandelsunternehmens Rosen Waibel mit nach Hause. Wer in Vorarlberg eine besonders breite Auswahl an Blumen und verschiedenen Pflanzen sucht, für den ist ein Besuch des Gärtnereibetriebs meist von Erfolg gekrönt.

Im Minutentakt

Die Familie Waibel hat ihre Gärtnerei 1968 gegründet. Seit dem Jahr 2022 führt Marco Waibel den Betrieb in dritter Generation. Und er ist es, der nun die schwierigste Phase des Blumenspezialisten meistern muss. Am Freitag schockten die Nachrichten im Minutentakt betroffene Waibel-Mitarbeiter und Partner, aber auch viele Kunden im Land. Gleich drei Betriebe der Gruppe beantragten an den Gerichten in Feldkirch und Wiener Neustadt Sanierungsverfahren. Es geht dabei um insgesamt 24,8 Millionen Euro. 84 Mitarbeitende und 113 Gläubiger sind in den drei Firmen betroffen.

"Müssen zur Kenntnis nehmen, dass wir gesteckte Ziele nicht erreichen"
Rosen Waibel gehört zu den größten Betrieben in der Branche – in Vorarlberg und Österreich. FA

Für alle drei Betriebe bietet Marco Waibel den Gläubigern eine Sanierungsquote von 20 Prozent an, die innert der nächsten zwei Jahre bezahlt werden soll. “Bei der Sanierungsplanquote handelt es sich um die gesetzliche Mindestquote. Die Angemessenheit und Erfüllbarkeit wird der noch zu bestellende Insolvenzverwalter entsprechend zu evaluieren haben”, informiert Alexander Greifeneder vom KSV1870 Niederösterreich. Marco Waibel ist am Freitag selbst an die Öffentlichkeit getreten: Die letzten Jahre seien für Waibel herausfordernd gewesen. “Wir haben versucht, das mit mutigen Investitionsentscheidungen abzufedern”, berichtet Marco Waibel über die schwierige Zeit, die für Rosen Waibel in Mäder sogar schon vor Corona, nämlich 2019, begonnen hat. Damals gab es einen spürbaren Umsatzrückgang, da die Brücke über den Rhein neu gebaut wurde und den Schweizern – immerhin 60 Prozent der damaligen Waibel-Kunden in Mäder – den Weg versperrt hat.

"Müssen zur Kenntnis nehmen, dass wir gesteckte Ziele nicht erreichen"
Marco Waibel, im Bild mit Spar-Vorarlberg-Geschäftsführerin Carina Pollhammer, sorgt in den Märkten von Spar und Co. für eine Auswahl “fair” gepflanzter und gehandelter Blumen. FA

Es folgte der erste Corona-Lockdown im März 2020, der Umsatz sackte um gut 40 Prozent ab. Und seither folgten viele weitere große und kleine Krisen. Blumen Waibel schob in dieser Zeit Investitionen in einem insgesamt zweistelligen Millionen-Euro-Bereich an. Doch die “mutigen Investitionsentscheidungen” griffen nicht, so Waibel: “Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass wir unsere gesteckten Ziele nicht erreichen werden.” Mit dem Antrag auf Sanierung wolle man alle Betriebe wieder auf “eine solide betriebliche Basis” stellen.

Der “größte Brocken” ist die Waibel Produktions GmbH in Mäder, die Forderungen in der Höhe von 16,6 Millionen Euro angibt. Der Betrieb im niederösterreichischen Münchendorf, der 2007 gegründet wurde, hat Passiva in der Höhe von rund 5,7 Millionen Euro. Dort hatte der Verlust eines wichtigen Großkunden nicht nur erhebliche Umsatzrückgänge zur Folge, sondern führte auch zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit den Lieferanten der Schuldnerin.

“Die Inflation hat bei wesentlichen Käuferkreisen eine Verringerung der Kaufkraft bewirkt, dies, verbunden mit Überkapazitäten am Markt und einer damit einhergehenden verschärften Wettbewerbssituation, hat letztlich zur Folge gehabt, dass die B2B-Kunden der Schuldnerin nicht mehr die erforderlichen Mengen abgenommen haben”, erklärt Waibel und bittet die Kunden nun, weiterhin die Dienste der Gärtnerei und des Blumenhandels anzunehmen. “Ich bitte Sie um Empathie und Menschlichkeit unseren Mitarbeitern gegenüber. Bitte unterstützen Sie uns”, so Marco Waibel. Das Unternehmen will die Quote unter anderem durch die Veräußerung von Immobilien und Grundstücken mit Wert im niedrigen zweistelligen Millionenbereich erreichen, so ein involvierter Vorarlberger Insolvenzspezialist gegenüber den VN. Und mit dieser Option sei eine erfolgreiche Sanierung durchaus möglich.