“Ob die Handelsschule noch Platz hat, glaube ich nicht”

Markt / 15.06.2026 • 17:40 Uhr
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Lehrlinge mit Perspektive – bei der Z-Group (re. Geschäftsführer Johannes Steurer) werden Lehrlinge praxisnah ausgebildet. VN/sca

Über Jahrzehnte war Vorarlberg das Land der Lehre. Doch inzwischen gibt es auch in unserem Bundesland Handlungsbedarf für die Wirtschaft, wenn man das Erfolgsmodell fortsetzen will.

Dornbirn Bei der Z-Group in Dornbirn ist exemplarisch zu sehen, wie die duale Ausbildung heute durchgeführt wird. Die Werkstätte des Werkzeugbauers ist mit modernsten Maschinen ausgestattet, über die sich auch manche höhere technische Schule freuen würde. In den hellen, blitzsauberen Räumlichkeiten werden die Lehrlinge auf höchstem Niveau ausgebildet. “Wir haben heuer unsere sechs Wunschkandidaten bekommen”, freut sich Firmenchef Johannes Steurer über das aufgeweckte Nachwuchsteam bei der Z-Group.

Großer Aufwand

Die Wunschkandidaten habe man in den letzten Jahren nicht immer bekommen, so Steurer, doch in diesem Jahrgang habe man wieder ein Ansteigen des Interesses an einer Lehre bemerkt. Die “richtigen Lehrlinge” zu bekommen ist ein großer Aufwand. “Bei uns haben in diesem Jahrgang über 80 Jugendliche geschnuppert”, das sei schon ein großer Aufwand, so Steurer gegenüber den VN bei der Präsentation der Wirtschaftskammer-Studie zu Stärken, Schwächen und Handlungsbedarf der Lehrlingsausbildung im Land.

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Lehrlingsausbildung in Vorarlberg: Thomas Mayr, ibw-Geschäftsführer, untersuchte die Situation, Z-Group-GF Johannes Steurer berichtet über die Praxis, WKV-Präsident Karlheinz Kopf und WKV-Direktor-Stellvertreterin Gudrun Petz Bechter ziehen Schlussfolgerungen. VN/sca

Für den Wirtschaftsstandort Vorarlberg ist durchaus Gefahr in Verzug: Die Zahl der Lehrlinge ist seit den 1980er-Jahren von rund 9000 auf aktuell etwa 6300 zurückgegangen. Parallel dazu sank auch die Zahl der Lehrbetriebe allein zwischen 2016 und 2025 von knapp 2000 auf rund 1640 Betriebe.

Die Demografie ist einer der wichtigsten Gründe für den Rückgang, dazu kommt aber auch die Konkurrenz der verschiedenen Ausbildungsformen und -institutionen. Das duale Ausbildungssystem stehe vor tiefgreifenden Herausforderungen, stellt WKV-Präsident Karlheinz Kopf fest und verweist auf die Ergebnisse einer aktuellen Studie des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw), die im Auftrag der WKV erstellt wurde.

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Thomas Mayr, ibw-Geschäftsführer, präsentiert die Ergebnisse, berichtet aber auch über die aktuellen Entwicklungen, die die Lehre wieder in einem attraktiveren Licht erscheinen lassen: “In vielen Ländern wächst die Erkenntnis, dass ein einseitiger Fokus auf akademische Bildungswege zu einem Ungleichgewicht am Arbeitsmarkt führt. Während immer mehr junge Menschen höhere Schulen oder Hochschulen besuchen, fehlen gleichzeitig Fachkräfte mit praktischen Qualifikationen.”

Gute Perspektiven

Und die stellvertretende Direktorin der Wirtschaftskammer Vorarlberg, Gudrun Petz-Bechter, weist auf eine nicht unwesentliche Eigenschaft der Lehre hin: Besonders bemerkenswert seien die Einkommensperspektiven. Bereits 18 Monate nach Ausbildungsabschluss verdienen 74 Prozent mehr als 2400 Euro brutto pro Monat und erreichen damit nahezu das Einkommensniveau von Absolventinnen berufsbildender höherer Schulen.

Die Schulformen, die “aggressiv” Schüler anwerben, so Kopf, gehören hinterfragt. Man müsse den jungen Menschen Schulformen bieten, die ihnen später Chancen bieten und Skills vermitteln, die von der Wirtschaft benötigt werden. So etwa müssten die Polytechnischen Schulen weiter gestärkt werden. Während das Poly also gute Noten bekommt, will Kopf bei anderen Schulformen die Existenzfrage stellen: “Ob eine Handelsschule Platz hat, glaube ich nicht”.