Ein Rekord, der in Vorarlberg die Alarmglocken schrillen lässt

Markt / 17.06.2026 • 11:57 Uhr
Ein Rekord, der in Vorarlberg die Alarmglocken schrillen lässt
Am Landesgericht in Feldkirch sind heuer bereits deutlich mehr Insolvenzen angemeldet worden als im Vergleichszeitraum 2025.VN

Bundesweit ganz vorne – das ist Vorarlberg gerne. Doch diesmal ist es die Zahl der Insolvenzen, die Vorarlberg vor allen Bundesländern an die Spitze bringt.

Feldkirch Für Vorarlbergs Wirtschaft war es ein schweres erstes Halbjahr, gezeichnet von Mitarbeiterabbau und zahlreichen Insolvenzen. Laut der aktuellen Hochrechnung des KSV1870 ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Vorarlberg im ersten Halbjahr 2026 – verglichen mit dem ersten Halbjahr 2025 – deutlich gestiegen: Waren es im Vorjahreszeitraum 73 Unternehmenspleiten, gab es heuer bereits 101 Insolvenzen. Das ist bundesweit der größte Anstieg. Österreichweit ging die Zahl der Unternehmensinsolvenzen um 2,6 Prozent zurück.

Ein Rekord, der in Vorarlberg die Alarmglocken schrillen lässt
KSV-Vorarlberg-Leiter Nathaniel Heinritz geht davon aus, dass die Insolvenzaktivität auch im zweiten Halbjahr anhalten wird. FA/Montamedia Schilcher

Die Zahl der Insolvenzen ist im Vergleichszeitraum um 38,4 Prozent gestiegen. Tatsächlich eröffnet wurden 70 Verfahren – ein Anstieg bei den eröffneten Verfahren von mehr als 55 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Nathaniel Heinritz, Standortleiter des KSV1870 in Feldkirch, analysiert: “Dieses Halbjahr gab es mehr Unternehmenspleiten mit werthaltigem Vermögen. Weshalb auch um 50 Prozent mehr Insolvenzen eröffnet wurden. Blickt man auf die Sanierungsverfahren, so hat sich dieser Wert gegenüber dem Vorjahr versechsfacht: Waren es 2025 gesamt zwei Sanierungsverfahren, sind es heuer bereits zwölf Unternehmen, die sich sanieren möchten.”

97 Millionen Euro

Noch dramatischer fällt der Anstieg bei den Verbindlichkeiten aus: Während die Passiva im Vergleichszeitraum des Vorjahres 37 Millionen Euro betrugen, wurden im ersten Halbjahr 2026 Verbindlichkeiten in Höhe von 97 Millionen Euro verzeichnet. Heinritz erklärt dazu: “Wesentlich für diesen massiven Anstieg der Verbindlichkeiten sind größere Insolvenzen im Bausektor als auch das vor Kurzem eröffnete Insolvenzverfahren über die Waibel Produktions GmbH in Mäder.”

Bau bleibt Sorgenkind

Der Negativtrend in der Baubranche setzt sich im ersten Halbjahr unvermindert fort. So ist der Bau mit 22 Insolvenzen in der Statistik am häufigsten vertreten, dicht gefolgt von Handel und Gastronomie mit je 20 Fällen. Heinritz: “Blickt man auf die Verbindlichkeiten, so macht der Bau mit Passiva in Höhe von 41 Millionen Euro nahezu die Hälfte der Gesamtverbindlichkeiten aus.” Der KSV1870 geht davon aus, dass die erhöhte Insolvenzaktivität auch im zweiten Halbjahr anhalten wird.

Konstant hohes Niveau

Die Zahl der Privatinsolvenzen in Vorarlberg ist im ersten Halbjahr 2026 leicht gestiegen. Mit einem Plus von 3,9 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres bleibt das private Insolvenzgeschehen damit weiterhin auf einem konstant hohen Niveau, so Heinritz.