Vorarlberger kaufen weniger Getränke: So reagiert die Branche auf den Wandel

Markt / 18.06.2026 • 16:48 Uhr
Vorarlberger kaufen weniger Getränke: So reagiert die Branche auf den Wandel
Der Trend hält an: Der Bierkonsum ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Doch auch andere Getränkekategorien kämpfen mit Absatzminus. FA

Im vergangenen Jahr ging der Getränkeabsatz in fast allen Kategorien zurück. Vorarlberger Getränkehersteller kontern mit Innovationen und hoffen auf einen guten Sommer.

Schwarzach Haben die Menschen in Vorarlberg und Österreich weniger Durst? Man könnte es beim Studium der Bilanzen der Branchenvereinigungen der österreichischen Getränkehersteller vermuten. Der Gesamtausstoß von Bier fiel 2025 mit 9,25 Mio. Hektolitern um 7,1 Prozent geringer als 2024 aus, meldet der Brauereiverband. Auch Mineralwasser wurde deutlich weniger getrunken. “2025 lag der Absatz um rund 12 Prozent unter dem Vorjahr”, informiert Herbert Schlossnikl vom Forum Natürliches Mineralwasser. Mit einem Rückgang von zwölf Prozent gegenüber 2024 verlor auch der Fruchtsaftmarkt spürbar an Volumen, informiert der Branchenverband.

Vorarlberger kaufen weniger Getränke: So reagiert die Branche auf den Wandel
Getränkehersteller Peter Pfanner ortet gleich eine ganze Reihe von Ursachen für den Absatzrückgang bei Fruchtsäften und hofft auf gutes Sommerwetter als “Verkaufshilfe”. FA

Heuer ist die “Trink-Bilanz” bislang durchwachsen – so ist z. B. im Mai der Absatz bei Fruchtsäften um fünf Prozent gegenüber dem Vergleichsmonat 2025 zurückgegangen, “das hängt auch mit den Feiertagen zusammen”, so Peter Pfanner, Geschäftsführer des Lauteracher Getränkeherstellers. Jetzt keimt bei den Produzenten Hoffnung auf. Denn um der Hitze Paroli zu bieten, ist Trinken eine gute Option. “Der Wetterfaktor ist natürlich sehr wichtig”, sagt Pfanner. Für den Rückgang beim Absatz gebe es weitere triftige Gründe. “Die Pfandumstellung führte zu einem extremen Rückgang bei Pfandflaschen”, erklärt er. Dazu kamen eine Preisexplosion bei Rohwaren wie Orangen, hohe Energie- und Lohnkosten und ein verregneter Sommer 2025. Eine Zurückhaltung der Konsumenten gebe es zudem wegen der Inflation und anhaltender Krisen. “Wir haben heuer mehr gespritzte Säfte und Sirupe im Angebot”, sagt er zu den Maßnahmen, um den Rückgang 2025 auszugleichen.

Rauch Happy Day Produktion
Die Rauch-Premiummarke Happy Day entwickelt sich international sehr erfolgreich. Der Getränkeriese setzt im Sortiment auf Innovation und Hochwertigkeit. FA

Beim Getränkehersteller Rauch in Rankweil reagiert man auf diese Herausforderungen ebenfalls mit Innovationen, wie Geschäftsführer Daniel Wüstner betont – sowohl was die Produkte angehe als auch in Herstellung und Verpackung –, etwa mit neuen pfandfreien Gebinden. Dass die Rauch-Strategie wirkt, zeige die Premium-Marke Happy Day mit über 60 Sorten, die sich international erfolgreich entwickle. Auch in der Gastronomie habe man international deutlich zugelegt. Und in Deutschland zählen Happy Day und Co. zu den stärksten Marken im Fruchtsaftmarkt.

Mohrenbräu: Thomas Pachole und Tim Groeger
Mohrenbräu-Geschäftsführer Thomas Pachole und Braumeister Tim Groeger können auch mit ihrem alkoholfreien Bier am Markt punkten. Es wurde unter die besten Österreichs gewählt. FA

Beim Bier spielt der Trend zu antialkoholischen Alternativen eine immer größere Rolle. Die Mohrenbrauerei reagiere darauf mit neuen Produkten, aber auch einer Anpassung der Strategie in allen Bereichen, so Geschäftsführer Thomas Pachole. Ein geändertes Trinkverhalten merke man sowohl im Handel als auch in der Gastronomie, so der Bierbrauer, der auch aufgrund der derzeit laufenden Fußball-WM wegen der oft ungünstigen Spieltermine keinen großen Anstieg beim Absatz erwartet. Was ihn aber freut: Gerade wurde das alkoholfreie Mohren-Bier in einem österreichweiten Vergleichstest auf Platz 3 gereiht.

“Jokl” ist ein Verkaufshit

Alkoholfreies Bier gibt es von der kleinsten Brauerei im Land, der Brauerei Egg, nicht. Dafür macht der “Jokl”, ein helles Lagerbier, Geschäftsführer Lukas Dorner viel Freude. Gegen den allgemeinen Branchentrend verkaufe sich Jokl wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln, berichtet er. Was es von den Eggern auch in Zukunft nicht gebe, sei ein alkoholfreies Bier.

Vorarlberger kaufen weniger Getränke: So reagiert die Branche auf den Wandel
Brauerei-Egg-Geschäftsführer Lukas Dorner hat gegen den Branchentrend einen echten Hit im Programm: Das helle Lagerbier “Jokl” ist ein Liebling der Biertrinker.VN/ Sams

Im Lebensmittelhandel sei die Zurückhaltung der Kunden derzeit nicht feststellbar, gestiegen sei aber der Absatz alkoholfreier Biere, Weine und z. B. Aperitifs. Auch Teegetränke seien im Sommer sehr gefragt, informiert Spar-Vorarlberg-Geschäftsführerin Carina Pollhammer, die sich dennoch auf einen schönen Sommer mit entsprechendem Getränkekonsum freut. Und was trinkt man nun? “Wahrscheinlich trinken viele Leute Hahnenwasser”, mutmaßt ein Branchenvertreter.