“Österreich wird sicherlich keine führende Rolle in der KI einnehmen”

Michael Grahammer (BDO) über Elon Musk, den ersten Billionär der Welt, und die Anforderungen der KI.
Elon Musk – der erste Billionär der Welt. Was heißt das nun für uns alle?
Mit 75 Milliarden Dollar hat SpaceX letzte Woche so viel Geld von der Börse vereinnahmt wie noch nie ein Unternehmen zuvor. Die Bewertung des Unternehmens liegt bei 1,8 Billionen Dollar – das entspricht dem 100-fachen Vorjahresumsatz. Das Geschäftsmodell von SpaceX ist auf Satellitenkommunikation, auf Künstliche Intelligenz (KI) und Rechenzentren im Orbit ausgerichtet. Und dieser Börsengang ist eine Richtschnur für die geplanten Börsengänge der zwei großen Mitbewerber in der KI – OpenAI und Anthropic. Neben einer beispiellosen Machtkonzentration können diese Bewertungen sich in zwei verschiedenen Richtungen auswirken. Entweder die Unternehmen sind massiv überbewertet und es kommt in den nächsten paar Jahren zu einer schmerzhaften Kurskorrektur, oder sie produzieren eine unglaubliche Nachfrage nach Ressourcen und Energie.
Welche Anforderungen an die Infrastruktur bringt die Künstliche Intelligenz mit sich?
KI benötigt Rechnerleistung, Rechnerleistung benötigt Energie und (vielfach kritische) Ressourcen und Rohstoffe. Daher führt die Nachfrage nach Ressourcen und Energie potenziell zu weiter steigenden Preisen und einer langfristig inflationären Entwicklung mit vielen unerwünschten Folgen. Es verwundert daher nicht, dass Anthropic ein temporäres Aussetzen der weiteren KI-Entwicklung vorgeschlagen hat, um die Rahmenbedingungen nachzuziehen.
Wie könnte man den enormen Investitionsbedarf aufbringen und gleichzeitig für die österreichische Bevölkerung sinnvoll nützen?
Österreich wird sicherlich keine führende Rolle in der KI einnehmen. Dass aber wegen der KI und wegen der Reduktion der Abhängigkeit von fossiler Energie immense Investitionen in Infrastruktur erforderlich sind, ist unbestritten. Um diese Investitionen stemmen zu können, ist auch privates Kapital gefordert. Und damit wir alle davon profitieren, könnte sinnvollerweise eine 2. Pensionssäule auf Anteilen an Unternehmen aufgebaut werden, die in kritische österreichische Infrastruktur investieren. Damit schaffen wir Wohlstand, von dem alle etwas haben.