Investor Hendrik Leber: “Nicht die KI-Stars, sondern ihre Zulieferer”

Markt / 21.06.2026 • 10:24 Uhr
Investor Hendrik Leber: "Nicht die KI-Stars, sondern ihre Zulieferer"
Investor Hendrik Leber (r.) mit Tobias Wirnsperger vom Acatis-Vertriebspartner W&L Asset Management.Roland Paulitsch

Acatis-Gründer hält viele Bewertungen für überzogen. Auf welche Aktien er stattdessen setzt.

Schwarzach Hält der Boom an oder platzt die Blase? Das Thema Künstliche Intelligenz wird am Aktienmarkt kontrovers diskutiert. Investor Hendrik Leber, Gründer und Geschäftsführer der Fondsgesellschaft Acatis, die sich auf unterbewertete Unternehmen mit starken Geschäftsmodellen spezialisiert hat, ist derzeit vorsichtig. Die Bewertungen seien extrem hoch, die Frage sei nun, wann diese Entwicklung kippe. “Es gibt Indikatoren, dass der Gipfel an Gier und Sorglosigkeit erreicht ist.” Das lasse bei ihm die Alarmglocken läuten.

Wer damit Geld verdient

Allerdings macht Leber bei Investments in Künstliche Intelligenz deutliche Unterschiede. Es gebe Unternehmen, die in KI investieren, und solche, die damit tatsächlich Geld verdienen. Stichwort Rechenzentren: “Oft sind die KI-Umsätze nicht vorhanden, um solche Milliardeninvestitionen zu rechtfertigen. Es ist ein Kampf um Marktanteile zum Preis von Defiziten”, beschreibt Leber die Herausforderungen für Tech-Unternehmen. Die Gefahr bestehe, dass sich diese massiven Investitionen letztlich nicht mehr zurückverdienen lassen.

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Das Thema Künstliche Intelligenz dominiert derzeit auch den Aktienmarkt. afp

Spezialisten und Zulieferer

Auch reine KI-“Modellbauer” interessieren ihn weniger. Vielmehr setzt er auf hoch spezialisierte Unternehmen, die sich an ein Fachpublikum richten – etwa Anbieter spezieller KI-Agenten für Anwaltskanzleien. Interessant seien zudem Firmen entlang der KI-Zulieferkette. Dazu zählen Halbleiterunternehmen wie der taiwanesische Chiphersteller TSMC oder Kokusai Electric aus Japan, ein Hersteller spezieller Halbleiterfertigungsanlagen, ebenso wie Hamamatsu Photonics, das optoelektronische Sensoren und Lichtquellen produziert.

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TSMC ist der weltgrößte Chip-Auftragsfertiger. afp

“Die japanischen Firmen sind perfektionistisch”, sagt Leber. Die Chinesen seien dafür innovativer, etwa wenn es um Robotik gehe. “Roboterarme können einen Espresso zubereiten oder Gerichte kochen. Außerdem ist in China das Thema dunkle Fabriken sehr präsent.” Dabei handelt es sich um Fabriken, in denen vollständig automatisiert produziert wird und keine menschlichen Arbeitskräfte mehr vor Ort benötigt werden.

“Ich mag langweilige Firmen”

Generell investiert Hendrik Leber derzeit auch gerne in “langweilige” Unternehmen. Dazu zählen Sach- und Rückversicherer wie die Markel Corporation oder Hannover Rück. Ebenfalls interessant seien Weltmarktführer wie Krones, dessen Maschinen jedes vierte verpackte Getränk weltweit abfüllen.

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Dank robuster Konsumausgaben hat der Bezahldienst PayPal heuer im ersten Quartal den Umsatz um sieben Prozent auf 8,35 Mrd. Dollar gesteigert. afp

Außerdem setzt Leber auf Unternehmen, die viel Geld in Aktienrückkäufe investieren. “Kannibalen” nennt er sie. Dazu zählt etwa der US-Konzern General Mills, Hersteller von Eiscreme und Cornflakes. Auch PayPal gehört dazu. “Wenn es weniger Aktien gibt, habe ich als Investor mehr vom Kuchen. Seit 2020 hat PayPal die Zahl der ausstehenden Aktien um 25 Prozent verringert. Der Gewinn pro Aktie steigt dadurch automatisch um 33 Prozent.”

Investor Hendrik Leber: "Nicht die KI-Stars, sondern ihre Zulieferer"
Hendrik Leber setzt aktuell gerne auf langweilige Firmen mit gesundem Geschäftsmodell. Roland Paulitsch

Ebenfalls spannend seien “Cashflow-Riesen” – hochprofitable Unternehmen, die kaum jemand kennt. Ein Beispiel sei der australische Konzern Fortescue Metals, der jährlich rund 200 Millionen Tonnen Eisenerz verschifft. Interessant seien außerdem “Welteroberer” wie die Google-Mutter Alphabet. “Alphabet hat täglich 14 Milliarden Suchanfragen, 5,3 Milliarden Menschen nutzen Google. Somit sind sie wahnsinnig nah am Kunden.”

Und Palantir? “Sie haben wenig Industrieaufträge und werden ihren Wettbewerbsvorteil auf Dauer nicht halten können”, ist der Investor überzeugt.

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Die Datenanalyse-Firma Palantir ist vor allem für seine Zusammenarbeit mit US-Sicherheitsbehörden bekannt. afp

Potenzial sieht der Acatis-Gründer im Gesundheitssektor. Dieser laufe an der Börse derzeit allerdings nicht besonders gut und sei günstig bewertet. Das liege auch an den Übertreibungen während Corona. “Viele Anleger haben die Lust darauf verloren. Dabei gibt es spannende Firmen, langfristig führt kein Weg daran vorbei.”