illwerke vkw reicht Milliardenprojekt zur UVP ein

Start für Lünerseewerk II rückt näher. Mit Wasserkraft werden gute Erlöse erzielt, mit Haushaltskunden nicht.
Bregenz Ende Juli will die illwerke vkw das Pumpspeicherkraftwerk Lünerseewerk II zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) einreichen. Läuft alles nach Plan, könnte Ende 2028 der Baubeschluss erfolgen, die Inbetriebnahme wäre Ende 2036 realistisch. Mit Investitionen von 2,7 Milliarden Euro wird es das größte Einzelprojekt in der Geschichte des Unternehmens. “An der eigentlichen Bauzeit können wir kaum etwas verkürzen, weil es sich um Arbeiten im Hochgebirge handelt”, sagt Vorstandschef Christof Germann. Umso wichtiger sei ein rasches UVP-Verfahren.

150.000 Stunden aufgewendet
Wie komplex die Vorbereitungen für die Einreichung sind, zeigen die Zahlen: Insgesamt sind 40 Fachbereiche, 21 Experten und 35 Sachverständige an den Vorbereitungen beteiligt. “Allein unsere Mitarbeiter haben bislang rund 150.000 Arbeitsstunden investiert”, so Germann. Entsprechend zuversichtlich sei man, nun ein qualitativ hochwertiges Projekt einreichen zu können. Das Lünerseewerk II soll zudem schwarzstartfähig sein und damit auch im Fall eines Blackouts unabhängig anlaufen können.

Erlöse aus Wasserkraft
Für die illwerke vkw ist das Pumpspeicherkraftwerk von großer strategischer Bedeutung. Denn der Großteil der Erlöse stammt aus dem Exportgeschäft, konkret aus der Vermarktung von Wasserkraft auf dem deutschen Markt. Erlöse werden dabei sowohl über Lieferverträge mit der EnBW Energie Baden-Württemberg als auch über den freien Strommarkt erzielt. “Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung des europäischen Energiesystems”, sagt Landeshauptmann Markus Wallner. Gerade für Projekte dieser Größenordnung wären aus seiner Sicht deshalb Beschleunigungsmöglichkeiten im UVP-Verfahren wünschenswert.

400 Millionen an Investitionen
Doch auch abseits des Milliardenprojekts stehen beim Energieunternehmen heuer umfangreiche Investitionen an. Insgesamt 400 Millionen Euro sollen in verschiedene Bauvorhaben fließen. Investiert wird unter anderem in die Generalerneuerung bestehender Kraftwerke wie Kops II und das Vermuntwerk sowie in den Ausbau der Netzinfrastruktur mit Umspannwerken und Trafostationen. Hintergrund ist der stetig steigende Bedarf an Netzkapazitäten. Darüber hinaus wird der Ausbau von Glasfaser- und Nahwärmenetzen fortgesetzt. Erst kürzlich wurde der Baubeschluss für das Nahwärmeprojekt Bludenz-Bürs gefasst. Der Baustart soll Ende des Sommers erfolgen.

Die Bedeutung der illwerke vkw reicht dabei weit über das Unternehmen selbst hinaus. So zeigt eine aktuelle Erhebung des Wirtschaftsforschungsinstituts Economica, dass das Energieunternehmen mit seiner laufenden Geschäftstätigkeit jährlich eine Bruttowertschöpfung von rund 780 Millionen Euro in Vorarlberg auslöst.

159 Millionen Jahresüberschuss
Im vergangenen Jahr erzielte die illwerke vkw einen Jahresüberschuss von 159 Millionen Euro. Das sind rund 40 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Germann begründet den Rückgang mit höheren Instandhaltungskosten, einer geringeren Wasserführung sowie neuen steuerlichen Belastungen. Für das Geschäftsjahr 2025 fließen dennoch insgesamt 97 Millionen Euro direkt an den Eigentümer, das Land Vorarlberg.

Während mit Wasserkraft auf dem deutschen Markt weiterhin gute Erträge erzielt werden, verlief das Geschäft mit Haushaltskunden im vergangenen Jahr negativ. “Dazu haben auch Sondereffekte beigetragen”, sagt Germann. Angesichts der im europäischen Vergleich sehr niedrigen Strompreise werde sich in diesem Bereich jedoch dauerhaft kaum mehr als eine schwarze Null erwirtschaften lassen. Auch das Geschäft mit Industrie- und Gewerbekunden sei letztlich ein “Durchläufer”. Neben der Wasserkraft sei lediglich der Netzbereich ein nennenswerter Ergebnisbringer.