Warum der Chef eines Milliardenkonzerns auf Papier setzt

Alpla-CEO Philipp Lehner spricht beim Vorarlberger Wirtschaftsforum zum Thema “Führung gegen den Mainstream”.
Bregenz Digitalisierung gilt in Unternehmen meist als Garant für mehr Effizienz. Neue Tools, mehr Vernetzung und schnellere Kommunikation sollen Entscheidungen beschleunigen und die Zusammenarbeit verbessern. Doch was passiert, wenn genau diese Entwicklung Führungskräfte davon abhält, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren?
Neue Perspektive
Mit dieser Frage beschäftigt sich Philipp Lehner, CEO des Vorarlberger Verpackungsspezialisten Alpla, beim Vorarlberger Wirtschaftsforum am 12. November im Festspielhaus Bregenz. Seine Keynote trägt den Titel “Führung gegen den Mainstream” – und verspricht eine Perspektive, die bewusst mit gängigen Managementprinzipien bricht.

Lehner ist überzeugt: Führungskräfte bei Alpla sollen ihre Zeit künftig mit einem Papierkalender statt ausschließlich mit digitalen Planungstools organisieren. Was zunächst wie ein nostalgischer Rückschritt wirkt, versteht der 41-Jährige als bewussten Gegenentwurf zur permanenten digitalen Reizüberflutung.

Alltag zu fremdbestimmt
Sein Argument: Viele Führungskräfte verbringen heute einen Großteil ihrer Arbeitszeit damit, auf E-Mails, Chatnachrichten und Besprechungsanfragen zu reagieren. Der Arbeitstag werde zunehmend fremdbestimmt, während strategisches Denken und konzentriertes Arbeiten zu kurz kämen. Der handschriftlich geführte Kalender soll deshalb nicht Digitalisierung ersetzen, sondern mehr Eigenverantwortung, bewusstere Planung und realistischere Prioritäten fördern. Der analoge Kalender wird damit zum Symbol einer grundsätzlichen Frage: Wie gelingt Führung in einer Arbeitswelt, die immer schneller, komplexer und digitaler wird?

5,2 Milliarden Umsatz
Lehner steht seit 2021 an der Spitze von Alpla, einem der weltweit führenden Hersteller von Kunststoffverpackungen mit Hauptsitz in Hard. Das Familienunternehmen beschäftigt rund 24.000 Mitarbeitende und erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von 5,2 Milliarden Euro. Das Unternehmen investiert konsequent in Automatisierung, Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft und zählt zu den international erfolgreichsten Industrieunternehmen Vorarlbergs.
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Beim Vorarlberger Wirtschaftsforum wird Lehner seine Überlegungen über den Papierkalender hinaus erweitern. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Führungskräfte in einer Zeit permanenter Erreichbarkeit wieder wirksamer werden können. Seine These: Gute Führung entsteht nicht durch immer mehr Werkzeuge, sondern durch Klarheit, Fokus und die Bereitschaft, etablierte Routinen kritisch zu hinterfragen.

Termin: 12. November
Damit greift das Vorarlberger Wirtschaftsforum einmal mehr Themen auf, die weit über kurzfristige Managementtrends hinausreichen. Neben Innovation, Künstlicher Intelligenz sowie Politik und Finanzen steht auch die Frage im Mittelpunkt, wie Unternehmen ihre Organisation so gestalten können, dass Leistungsfähigkeit und Gesundheit langfristig erhalten bleiben.
Neben den Keynotes bietet das Vorarlberger Wirtschaftsforum auch sogenannte Deep Dives, in denen zentrale Themen in kleinerem Rahmen vertieft werden. Ziel ist es, aktuelle Entwicklungen nicht nur zu beleuchten, sondern auch konkrete Fragen und unterschiedliche Perspektiven zu diskutieren.