Nach 40 Jahren bei Spar: Wieso Jürgen Albrecht zu Adeg wechselt

“Lange mit mir gerungen”: Nun stellt Kaufmann für seine beiden Märkte in Feldkirch und Schwarzach die Weichen neu.
Schwarzach Es ist in Vorarlberg eine Nachricht mit Seltenheitswert: Ein Lebensmittelkaufmann wechselt die Marke. Jürgen Albrecht (54), der seit Jahrzehnten zwei Spar-Märkte in Feldkirch-Tisis und Schwarzach führt, wechselt mit beiden Standorten zu Adeg und damit zum Rewe-Konzern. “Ich habe Spar viel zu verdanken. Gerade deshalb habe ich mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht”, sagt er im Gespräch mit den VN.

Dritte bzw. vierte Generation
Albrechts Geschichte mit Spar reicht weit zurück. Bereits mit 15 Jahren begann er dort seine Lehre, den Markt in Feldkirch führt er seit 1989, jenen in Schwarzach seit 1994. Auch familiär sind beide Standorte tief verwurzelt. “Meine Urgroßmutter Isabella Müller eröffnete in Feldkirch 1939 einen Laden für Wolle, Zucker und Mehl. In Schwarzach hatten meine Großeltern zunächst einen Sennerei-Laden und später ein A&O-Geschäft”, erzählt Albrecht.

Warum also der Wechsel? Für Albrecht liegt der Grund vor allem in der besonderen Entwicklung seiner Märkte. “Feldkirch ist seit dem Umbau 2015 sicherlich kein klassischer Spar-Markt mehr, sondern eher ein Gourmetmarkt. Er ist in dieser Form einzigartig. Auch in Schwarzach setzen wir eigene Schwerpunkte.”

Eigenständige Richtung
Gerade darin sieht er auch den Kern seiner Entscheidung: Spar sei mit seinem einheitlichen Marktauftritt groß und erfolgreich geworden, gleichzeitig hätten sich seine beiden Standorte in den vergangenen Jahren immer stärker in eine sehr eigenständige Richtung entwickelt. Aufgrund dieses Alleinstellungsmerkmals habe er sich die Frage gestellt, in welchem Umfeld sich so ein Weg langfristig am besten weiterentwickeln lässt, sagt der 54-Jährige.

Diese Einzigartigkeit, die er anspricht, zeigt sich auch in den Zahlen. “Feldkirch hat österreichweit unter allen Spar-Märkten den höchsten Umsatz pro Quadratmeter. Allein an gefüllten Brezeln verkaufen wir 2500 Stück im Jahr. Beide Märkte zusammen erwirtschaften rund 20 Millionen Euro Umsatz im Jahr. In Feldkirch zählen wir täglich rund 1400 Kunden, in Schwarzach zwischen 900 und 1000”, sagt Albrecht.

Besonderes Sortiment
Den Erfolg führt er vor allem auf das besondere Sortiment zurück. “Unsere Märkte haben ihre eigene Seele. Unser Klientel sucht nicht in erster Linie nach dem billigsten Produkt oder nach Aktionen. Wir arbeiten mit mehr als 300 Kleinstmanufakturen zusammen und führen Brot von sieben regionalen Bäckern statt Aufbackware. Wir veredeln unser Fleisch selbst und möchten dafür auch etwas mehr verlangen. Gerade Fleisch sollte ein wertvolles Lebensmittel sein.”

“Habe lange gerungen”
Dass sich seine Märkte damit bewusst vom Standard abheben, versteht Albrecht nicht als Kritik. Im Gegenteil: “Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass ein Konzern wie Spar auf einheitliche Strukturen und klare Formate setzt, und genau das macht Spar auch erfolgreich. Ich habe deshalb lange mit mir gerungen. Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Es ist keine Entscheidung gegen Spar, sondern eine Entscheidung für Albrecht.” Mit Adeg wiederum sehe er die Möglichkeit, die beiden Standorte weiterhin sehr eigenständig zu führen und weiterentwickeln zu können.
So geht es weiter
Wie es nun weitergeht: Die künftige Zusammenarbeit steht noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Prüfung und Freigabe durch die Bundeswettbewerbsbehörde sowie den Bundeskartellanwalt. Vorbehaltlich dieser Freigabe wäre der 31. Dezember der letzte Tag als Spar Albrecht. Danach sollen die Märkte adaptiert werden. Am 7. Jänner 2027 würden die Standorte unter dem Dach von Adeg neu eröffnen.