Supermarktkette gerettet: Rewe und LEH Allgäu teilen sich 72 Geschäfte

Die Firma gilt in Deutschland als Vorreiter im Bereich Regionalität. Neuer Eigentümer aus Memmingen spricht von “einem Teil der Identität vieler Menschen im Allgäu”.
Kempten, Lindau, Riezlern Nach Monaten der Unsicherheit für Mitarbeiter und Kunden ist die Zukunft des Lebensmittelhändlers im benachbarten Bayern entschieden. Begonnen hat das Drama um den größten Edeka-Händler Deutschlands schon früher. Am 9. Januar 2026 hat das Unternehmen mit Sitz in Kempten dann Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt – es ging um mehrere hundert Millionen Euro. Eröffnet wurde das Insolvenzverfahren Anfang April. Als Gründe für die Pleite galten strukturelle Probleme im Filialnetz, eine hohe Schuldenlast sowie Altverbindlichkeiten. Mit dem Verkauf endet einer der spannendsten Übernahmekämpfe im deutschen Lebensmittelhandel. Und der Verlierer ist Edeka. Und das, obwohl Edeka Südbayern 2018 Feneberg ein Nachrangdarlehen über 20 Millionen Euro gewährt hat.

Edeka steht für “Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler”, wurde 1898 von 21 Kaufleuten im Halleschen Torbezirk in Berlin gegründet und ist ein genossenschaftlich organisierter Unternehmerverbund. Künftig wird ein anderer Konzern mit genossenschaftlichen Strukturen in zumindest der Hälfte der 72 Niederlassungen die Geschäfte führen.4] Rewe, der Revisionsverband der Westkauf-Genossenschaften, auch in Österreich zweitgrößter Lebensmittelhändler, und die vor Kurzem gegründete LEH Allgäu, die ihren Sitz in Memmingen hat, werden alle Märkte weiterführen. Was für Edeka eine herbe Niederlage ist und das Filialnetz in Südbayern ausdünnt, ist für Rewe genau das Gegenteil: Der Konzern mit Sitz in Köln gewinnt damit im südlichsten Teil Deutschlands deutliche Marktanteile.
Geschichte und Expertise
Die Allgäuer Investorengruppe LEH Allgäu GmbH will rund die Hälfte der Märkte sowie die Zentrale übernehmen und unter dem Namen Feneberg weiterführen. Der Unternehmer Alexander Pade, der die erst Mitte März gegründet hat, bringt jahrzehntelange Erfahrung im Lebensmittelhandel mit. Künftig führen Amelie Feneberg, die aus der bisherigen Eigentümerfamilie stammt, und Robert Polland, der bei Aldi Süd und Sport Scheck Führungsaufgaben innehatte, die Gesellschaft. Beide sind in den vergangenen Tagen auch Gesellschafter geworden. Die Märkte der LEH Allgäu werden weiterhin unter dem Namen Feneberg geführt. Laut Firmenauskunft ist der Markt im Lindaupark bei Vorarlberger Kunden sehr beliebt.

Die einzige österreichische Filiale des Allgäuer Regionalpioniers befindet sich im Kleinwalsertal, dort sind die Feneberg-Geschäfte in den nahen Ortschaften Oberstdorf und Fischen bei den Walsern sehr beliebt, der Markt in Lindenberg ist für Konsumenten aus Möggers und Hohenweiler in wenigen Minuten zu erreichen. Die beiden neuen Eigentümer werden alle 3000 Mitarbeitenden übernehmen, auch soll nach ersten Stellungnahmen keine Filiale geschlossen werden. Im vergangenen Jahr machte Feneberg einen Umsatz von rund 500 Millionen Euro.