Zittern bei Elko König: Alle Mitarbeiter vor Betriebsurlaub zur Kündigung angemeldet

Markt / 23.07.2026 • 18:30 Uhr
Zittern bei Elko König: Alle Mitarbeiter vor Betriebsurlaub zur Kündigung angemeldet
Im Hauptquartier des Motorenspezialisten wird um eine tragfähige Transformation des Unternehmens gerungen. Mitarbeiter wurden zu Beginn des Betriebsurlaubs informiert.FA

Das Hightech-Unternehmen kämpft seit Jahren um Zukunftsperspektive. Anmeldung beim AMS als Vorsichtsmaßnahme. Eigentümer und Manager glaubenan erfolgreiche Transformation.

Rankweil Die König GmbH & Co KG meldete im Mai 2024 ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung an. Im Rahmen der Sanierung, die auch im Management zu einer Neuaufstellung führte, wurde die K-Cyl FlexCo als Fortführungsgesellschaft gegründet, um die noch bestehenden Aufträge im defizitären Zylinderbereich zu erfüllen. Nachdem diese Tätigkeit jetzt abgeschlossen ist, hat die Geschäftsleitung vor gut zwei Monaten den nächsten Schritt gesetzt: die Auflösung des Fortführungsunternehmens und damit der Dienstverhältnisse der rund 80 Mitarbeitenden. In die Elko König, inzwischen König GmbH & Co KG, die derzeit rund 180 Mitarbeitende beschäftigt, werden rund zehn dieser 80 betroffenen Personen übernommen, informierte das Unternehmen.

Voranmeldung vorsichtshalber

Doch im “Stammhaus” Elko König am Carl König-Platz 1 sieht es nach turbulenten Wochen nicht anders aus als bei der K-Cyl FlexCo vor zwei Monaten. Jetzt meldete Geschäftsführer Dieter Angerer alle rund 180 Mitarbeiter der Firma beim Arbeitsmarktservice (AMS) zur Kündigung an. Die Firma, die 1946 als Kolbenproduzent und -lieferant für die österreichische Fahrzeugindustrie gegründet wurde, werde aus heutiger Sicht aber nicht alle Mitarbeiter kündigen, wegfallen werden aber auf jeden Fall rund 50 Arbeitsplätze in Produktion und Verwaltung, geht er ins Detail. Die Vorgangsweise, also die Anmeldung der gesamten Belegschaft, sei notwendig, um allen Vorschriften Genüge zu tun.

Zittern bei Elko König: Alle Mitarbeiter vor Betriebsurlaub zur Kündigung angemeldet
Hightech und höchste Präzision: Die Produkte “made in Rankweil” genießen bei den Kunden im Bereich Hochleistungsmotoren höchstes Ansehen. Aber die gesamte Branche ist unter Druck.VN/RP

Schon in den letzten Wochen herrschte bei den Mitarbeitenden große Aufregung, weil das Urlaubsgeld nicht zum vereinbarten Zeitpunkt ausbezahlt wurde. “Inzwischen wurden alle ausstehenden Zahlungen an die Mitarbeiter überwiesen”, bestätigt Betriebsratsobmann Thomas Jutz kurz vor dem Betriebsurlaub, der am Freitagabend beginnt und bis 9. August 2026 dauert. Bis dahin, so Anja Jenner, Geschäftsführerin der König Verwaltungs-GmbH, wisse man mehr, wie es mit der Transformation der Firma weitergehe. In einer Mitarbeiterinformation, die am Donnerstagnachmittag versendet wurde, spricht das Management in Zusammenhang mit der AMS-Anmeldung ausdrücklich von einer Vorsichtsmaßnahme. Jenner argumentiert damit, dass man auch in Zukunft produzieren wolle und die erfahrenen Mitarbeiter brauche.

Perspektiven für die Zukunft

Klären sollte sich bis zum Urlaubsende, wie es mit dem Unternehmen weitergeht, das im Bereich Hochleistungsmotoren für Freizeit und Motorrad, Industrie und High Performance einer der global führenden Hersteller ist. Das König-Management hofft auf die Entscheidung in den Gesprächen mit einem führenden indischen Industriepartner, mit dem ein Teil des Zylinder-Geschäfts in eine tragfähige industrielle Perspektive überführt werden soll. “Die vergangenen zehn Tage waren Vertreter des indischen Unternehmens vor Ort”, informiert Jenner. Das indische Unternehmen hat bereits eine Absichtserklärung für eine Partnerschaft unterzeichnet und eine Werkshalle für die künftige Zylinderproduktion errichtet.

Zittern bei Elko König: Alle Mitarbeiter vor Betriebsurlaub zur Kündigung angemeldet

Neben der ausstehenden Entscheidung in Indien musste und muss das Rankweiler Unternehmen mit weiteren Schwierigkeiten fertigwerden. Der Systemwechsel in der Antriebstechnik trifft den Motorenbauer schwer, gleichzeitig sind es aber auch ausstehende Einnahmen, weil auch die Kunden durch die multiplen Herausforderungen in Schieflage sind. In Alarmbereitschaft sind auch im Urlaub die König-Beschäftigten und ihre Vertreter, wie Arbeiterkammer-Präsident Bernhard Heinzle sagt. Ihm gehe die Krise bei König emotional sehr nahe. “Ich habe meine Ausbildung bei Elko König gemacht und kenne viele der Mitarbeiter gut. Ich stehe mit vielen von ihnen in ständigem Austausch”, erklärt er. Man stehe schon seit die Schwierigkeiten der Firma begonnen haben, an der Seite der Mitarbeiter und des Betriebsrates und werde dies mit dem AMS zusammen weiterhin tun.