Hat Gold seinen Glanz verloren?

Börsenexperte Benjamin Meier über die Konsolidierungsphase des Edelmetalls.
Dornbirn Nach zwei außergewöhnlich starken Jahren 2024 und 2025 mit jeweils deutlich zweistelligen Kurszuwächsen ist dem Goldpreis nach einem fulminanten Start ins Jahr 2026 ab Ende Jänner die Luft ausgegangen. Seither befindet sich das Edelmetall in einer ausgeprägten Konsolidierungsphase.
Ihren Ausgang nahm die Kursschwäche mit der Nominierung von Kevin Warsh zum Vorsitzenden der US-Notenbank. In den darauffolgenden Monaten kamen weitere Belastungsfaktoren hinzu. So setzte insbesondere die Kombination aus einem wiedererstarkten US-Dollar, steigenden Realzinsen sowie Gewinnmitnahmen dem Goldpreis zu. Belastend wirkten zudem taktische Goldverkäufe von Zentralbanken zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen in den ersten Wochen des Iran-Kriegs.
Doch bedeutet die aktuelle Schwächephase tatsächlich, dass Gold seinen Glanz verloren hat oder handelt es sich jüngst lediglich um eine Verschnaufpause in einem langfristigen Aufwärtstrend? Für Letzteres sprechen mehrere strukturelle Faktoren. Viele Staaten weltweit sind mit historisch hohen und steigenden Schuldenständen konfrontiert. Die zunehmende Verschuldung erhöht langfristig die Attraktivität von Gold als knappem und nicht beliebig vermehrbarem Vermögenswert. Zudem ist zu beobachten, dass die chinesische Zentralbank die jüngste Kursschwäche bei Gold genutzt hat, um das Tempo ihrer Goldkäufe deutlich zu erhöhen. Sie steht damit exemplarisch für einen breiteren Trend unter Notenbanken, ihre Währungsreserven verstärkt zu diversifizieren. Darüber hinaus dürfte die zunehmende Fragmentierung der geopolitischen Weltordnung die strategische Bedeutung von Gold weiter erhöhen und dem Edelmetall auch künftig Rückenwind verleihen. Hinzu kommt, dass Gold laut BCA Research trotz der kräftigen Kursanstiege der vergangenen Jahre lediglich rund 3,8 Prozent des globalen Haushaltsvermögens repräsentiert. Von einer Übergewichtung des Edelmetalls in den Portfolios kann somit auch kaum die Rede sein.
Benjamin Meier, benjamin.meier@vvb.at, Vermögensverwaltung Volksbank Vorarlberg